Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Juli Zeh" werden angezeigt.

Leseliste August

Irgendwie habe ich das Gefühl, in der Leseliste für den August so ein wenig Resistance, Widerstand, Widerborstigkeit versammeln zu wollen. Es geht mir auf den Geist, wie durch Worte allein, und #Asyltourismus ist nur ein ausgelutschtes Beispiel dafür, die Grenzen dessen, was wir akzeptieren, immer weiter nach rechts verschoben werden. Und lasst mich klar sein: mit rechts meine ich menschenverachtend, rassistisch, Sündenböcke produzierend, homophob, antifeministisch, misogyn, #younameit, #youknowwhatImean. Wenn ich Widerstand sage, dann meine ich einen offenen Geist, Menschlichkeit, Freundlichkeit, eine Übereinkunft über die Grundwerte. Mir reicht es wirklich schon, wenn alle sich an die Zehn Gebote halten. Damit wären wir im Grunde schon in einer idealen Zukunft. 1. August Untertauchen von Lydia Tschukowskaja, ein Buch gegen die Diktatur Stalins, und ja, ich würde sagen, Stalin war ein geistiger Bruder von Hitler, nichts an diesem Regime war links 2. August Hannah Arendt, die Fr...

Juli Zeh, Leere Herzen

„…, jene notorischen Nörgler, die seit Jahrzehnten mit ihrer Missgunst und Kleinkariertheit an den Fundamenten der Demokratie graben. Die das Internet in eine Schlammschleuder verwandelt haben, die nur glücklich sind, wenn sie auf andere herabschauen können. Die sich und ihre kindischen Bedürfnisse über alles stellen. Die lieber simplen Verschwörungstheorien glauben, als sich mit der komplizierten Wahrheit auseinanderzusetzen.“ In ihrem neuesten Roman Leere Herzen beschreibt Juli Zeh beklemmend realistisch ein Szenario, das nicht so weit von unserer aktuellen Situation entfernt ist, vielmehr eine mögliche logische Konsequenz daraus darstellt.  Die meisten Menschen haben sich ins Nicht-wählen zurückgezogen und die Demokratie wird ignoriert zugunsten des bequemen Einnistens  in ein möglichst sorgenfreies und sauberes Privatleben. An der Regierung ist die BBB (Bewegung Besorgter Bürger) mit der Kanzlerin Regula Freyer. Angela Merkel wurde durch die zunehmenden Prote...

Juli Zeh - Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien

„Seit Tagen gelingt es mir nicht mehr, das Böse als Ausnahme von der Regel des Guten zu begreifen.“ Die Stille ist ein Geräusch ist ein Reisebericht über eine Reise durch Bosnien. Er ist geschrieben von einer Frau, Juli Zeh , die sehr gut schreiben kann, mutig ist und in dieses vom Krieg zerstörte und tief verwundete Land reist, ohne eine Meinung zu haben, ohne sich ein Wissen einzubilden, das ja nur aus zweiter Hand stammen würde. Sie fährt mit einem Hund und mit vielen offenen Fragen. Zum Beispiel: Wo wachsen die Melonen? Es ist Sommer, das Jahr 2001, Juli Zeh will mit ihrem Hund nach Bosnien, und dafür informiert sie sich zunächst an einer Stelle, an der viele Reisen beginnen.  „Die Frau im Reisebüro….“Was wollen Sie dort? Da ist doch Krieg!“ Gewesen! Ich verzichte auf Richtigstellung….“ Sie sagt, dass sie dort recherchieren möchte und so gelingt ihr eine Buchung. Touristenführer gibt es für das Land nur noch aus den 80er Jahren, mit Bildern von Dingen, die vielleicht ...

Mein Besuch auf der Leipziger Buchmesse

Ich bin naiv und unvorbereitet zur Leipziger Buchmesse gefahren. Im Grunde wusste ich nur, dass ich mich mal ein paar Stunden im Land der Bücher treiben lassen wollte. Dabei hatte ich nicht eingeplant, dass zeitgleich zur Buchmesse der Manga Convention stattfand und dass man ständig in den langen Haaren, Schwertern und Flügeln von irgendwelchen Impersonatern verloren gehen könnte. Abgesehen davon, dass man zwischen gefühlt 2 Millionen Menschen seine Tasche, die irgendwann 100 Kilogramm zu wiegen schien, durch die Hallen und Gänge schleppen würde. Dabei hatte ich nicht ein Buch gekauft oder sonstiges Material ergattert. Aber, immerhin!, genug Wasser dabei.  Bevor ich nach Leipzig fuhr, stellte ich mir meinen Einsatz dort folgendermaßen vor: Ich würde die Stände aller mich interessierenden Verlage kurz abklappern, mir ansonsten einfach mal Leipzig anschauen. Der Zoo soll sehr toll sein und auch der Auenwald. Weil: Bücher habe ich ja auch in Berlin genug und im Grunde benötige ich ...

Buch der Woche - Unterleuten von Juli Zeh

"Unterleuten war ein Instrument, auf dem ein Virtuose jede beliebige Melodie erzeugen konnte." Unterleuten ist in gewisser Weise ein Gesellschaftsroman. Er greift viele Themen der Gegenwart in der für Juli Zeh typischen, präzisen Erzählweise auf. Kaum eine beherrscht ihr Handwerk so gut wie sie. Das macht es einem leicht, ihre Bücher zu lesen, sie sind, wie eine Kritikerin vermerkte: Pageturner. Manchmal aber sind sie mir persönlich auch zu konstruiert, erinnern an amerikanische Schreibratgeber und Diagramme, die den Verlauf einer gelungenen Geschichte verdeutlichen. Es fehlen mir die Abgründe, die Unwägbarkeiten, es fehlt mir die Poesie des Menschseins. Aber obwohl diese Kritik für mich auch bei Unterleuten zutrifft, ist es ein Buch, das ich gerne gelesen habe, vor allem bis zur Mitte habe ich es verschlungen, weil es intelligent ist und sehr gut geschrieben. Jeder Satz führt unvermeidlich zum nächsten, jedes Kapitel dient der Handlung in beinahe perfekter Weise. Als L...

Buch der Woche - Juli Zeh, Treideln

"Ja, die Liste ist beeindruckend. Am beeindruckendsten ist vielleicht die Tatsache, dass es bei uns soviele staatstragende Schriftsteller gibt, dass seit 1959 jedes Semester einer die Poetikvorlesung abhalten kann und bis in alle Zukunft wird abhalten können, ohne dass uns jemals die Schriftsteller ausgehen werden. Irgendwo muss es eine geheime unterirdische Schriftstellerfabrik geben, in der ständig neue Schriftstellermodelle vom Band laufen, mit serienmäßig eingebauter Poetikfähigkeit und literarischer Bedeutsamkeitsgrantie bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag." Wer mir auf Twitter oder Facebook folgt, kennt bereits die Geschichte, dass ich heute vor einem Bioladen vom Fahrrad stieg und von einem wildfremden Mann angesprochen wurde "Sind Sie Juli Zeh?" Als ich antwortete: "Nein!" sah er mich konsterniert an und meinte: "Sind Sie sicher?" Ich glaube, er dachte, ich wolle unbedingt inkognito bleiben, aber ihm, hallo, sollte ich schon die Wahrheit ...

50 tolle Bücher von Frauen

Schon mehrfach habe ich mich, zum Beispiel hier , oder sonst auch gerne bei Facebook, darüber ausgelassen, dass in den nächsten 90 Jahren ausschließlich Frauen den Literaturnobelpreis gewinnen müssten, um ein Gleichgewicht in Bezug auf die Vergabe dieses Preises zwischen den Geschlechtern herzustellen. Ich bin, was Genderbalance angeht, keine Fanatikerin, sondern sehe das alles relativ locker. Aber es wundert mich dennoch, dass angesichts all der wunderbaren Schriftstellerinnen, die es gibt, und die es gab, immer schon, die aber nie den Preis gewonnen haben (aber Günter Grass hat ihn gewonnen, nur mal so, angemerkt, ohne jetzt total abwertend klingen zu wollen, denn im Großen und Ganzen mochte ich Günter Grass als Type bis circa 2006 oder so, obwohl ich nur "Die Blechtrommel" von ihm gelesen habe. Ich fand das Buch o.k. Ich fand auch Günter Grass o.k.), unendlich viele Männer, die nicht immer, meiner Ansicht nach, so gut schrieben, wie die Frauen, die es zur gleichen Zeit gab...