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Posts mit dem Label "Deborah Feldman" werden angezeigt.

Corona Tagebuch (32)

Über meinem Schreibtisch hängt unter vielen anderen Fotos eines von dem großen israelischen Schriftsteller Amos Oz, dessen Buch Eine Geschichte von Liebe und Finsternis zu den besten Büchern gehört, die ich in meinem ganzen Leben gelesen habe. Über dem Bild, das ich aus einer Zeitschrift ausgeschnitten habe, steht ein Zitat von ihm aus seinem Werk " Der dritte Zustand ": "Wir sollten endlich lernen, in Übergangszuständen, die sogar viele Jahre dauern können, zu leben und zu handeln, anstatt beleidigt mit der Wirklichkeit zu spielen. Unsere mangelnde Bereitschaft, in einem offenen Zustand zu leben, unsere Sucht, sofort zur Schlusszeile überzugehen augenblicklich festzulegen, was am Ende heraus kommen soll - das sind doch die wahren Gründe für unsere politische Impotenz." Also, wenn ich jemals ein Zitat gefunden habe, das PERFEKT auf die momentane Situation passt, dann dieses. Ein Hoch auf alle, die sich nicht hetzen lassen, sondern sich qualifiziert informieren ...

Miroloi von Karen Köhler

Heute habe ich Miroloi von Karen Köhler beendet. Ein von der Autorin selbst gestaltetes, wunderschönes Buch. Eine Parabel auf die Wirklichkeit, unter deren Wucht man sich unangenehm windet. Man möchte nicht daran denken, wie real all das, was Köhler erzählt, für viele Frauen auf dieser Welt ist. Und leider nicht nur auf einsamen Inseln, sondern z.B. mitten in Brooklyn, in der chassidischen Gemeinde (siehe dazu Unorthodox von Deborah Feldman), um nur ein Beispiel zu nennen. Seltsamerweise ging es mir tatsächlich so, dass ich während der Lektüre von Miroloi sehr oft an die Geschichte Deborah Feldmans denken musste. Die ja darin ebenfalls eine archaische, weltabgewandte Gesellschaft schildert, der sie selbst gegen alle Wahrscheinlichkeit zu entfliehen versucht. Das Buch handelt von einer namenlosen Außenseiterin, die in einer abgelegenen Inselgemeinde aufwächst, wo Frauen keinerlei Rechte haben. Sie dürfen weder lesen, schreiben noch schwimmen. Sie haben keinerlei Möglichkeiten,...

Leseliste August

Irgendwie habe ich das Gefühl, in der Leseliste für den August so ein wenig Resistance, Widerstand, Widerborstigkeit versammeln zu wollen. Es geht mir auf den Geist, wie durch Worte allein, und #Asyltourismus ist nur ein ausgelutschtes Beispiel dafür, die Grenzen dessen, was wir akzeptieren, immer weiter nach rechts verschoben werden. Und lasst mich klar sein: mit rechts meine ich menschenverachtend, rassistisch, Sündenböcke produzierend, homophob, antifeministisch, misogyn, #younameit, #youknowwhatImean. Wenn ich Widerstand sage, dann meine ich einen offenen Geist, Menschlichkeit, Freundlichkeit, eine Übereinkunft über die Grundwerte. Mir reicht es wirklich schon, wenn alle sich an die Zehn Gebote halten. Damit wären wir im Grunde schon in einer idealen Zukunft. 1. August Untertauchen von Lydia Tschukowskaja, ein Buch gegen die Diktatur Stalins, und ja, ich würde sagen, Stalin war ein geistiger Bruder von Hitler, nichts an diesem Regime war links 2. August Hannah Arendt, die Fr...

Leseliste Juni 2018

Das Thema diesmal: Frauen. Aus einem einfachen Grund. Am 6. Juni, also heute, wäre meine Mutter 76 Jahre alt geworden. Am 5. Juni hat eine meiner besten und ältesten Freundinnen Geburtstag. Grund genug, die Liste des Monats den Frauen zu widmen. Bücher von Frauen, weibliche Gedichte, Texte, die weibliche Themen behandeln, zusammen gesucht aus den Blogeinträgen der letzten Jahre von mir für Euch: 1. Juni: Frauen, die lachen, sind gefährlich (Text geschrieben, nachdem ein hoher türkischer Politiker die Idee geäußert hat, Frauen das Lachen zu verbieten) 2. Juni Rebecca Solnit Wenn Männer mir die Welt erklären . Heute noch auf Twitter den Spruch gelesen: Wenn ich was von Pizza sage, fangen Männer an, mir den Teig zu erklären :-) 3. Juni Die ersten arabischen Frauen bekommen ihren Führerschein. "Schuld" daran ist auch Manal al-Sharif , die ich vor einigen Monaten im Deutschen Theater Berlin erleben durfte, wo sie aus ihrem Buch Losfahren las. 4. Juni Eine Familiengeschichte...

My List of Favourites 2017

Am Ende eines jeden Jahres stelle ich eine Liste zusammen mit den Filmen, Büchern, Musikstücken, Orten, die mir in dem Jahr am meisten Freude gemacht haben, an denen oder mit denen ich "random acts of closeness" erleben durfte. Heute, bei einem Spaziergang durch die Stadt wurde mir klar, dass ich diese Dinge auch deshalb auswähle (oder sie mich), weil ich an ihnen oder mit ihnen einen Zustand innerer Stille erfahren durfte, das Gefühl, mich in einem unendlichen inneren Raum zu bewegen, der meine Kreativität und mein Glück nährt. Somit hat mich jede einzelne dieser Begegnungen weiter gebracht auf meinem Weg. Wenn ich einen Vorsatz für 2018 haben würde, und wahrscheinlich habe ich ihn in diesem Moment, in dem ich ihn hier aufschreibe, gerade öffentlich getroffen, dann wäre es dieser: so viel Stille wie möglich in mein Leben bringen, durch gute Freunde und neue Menschen, gute Bücher, gute Filme, gute Musik, Yoga, Meditation, das Verweilen an Orten, die die Stille in mir befruch...

Überbitten von Deborah Feldman

"Man könnte sagen, dass ich ein spirituelles Vertrauen in den nicht aufzuhaltenden Elan narrativer Entwicklungen hatte." Überbitten , das neue Buch von Deborah Feldman , handelt von den Jahren, nachdem sie die fundamentalistische, jüdische Gemeinde der chassidischen Satmarer in Williamsburg/New York verlassen hat. Es ist ein sehr persönliches Buch. Sie macht sich darin absolut sichtbar, vielleicht noch mehr, als in Unorhodox , dem Buch, in welchem sie ihr Leben bei den Chassiden und den Entschluss, es zu verlassen, schilderte. (hier nochmal meine Rezension von Unorthodox) Sie baut keinerlei Schutzwall um sich herum. Ihre absolute Ehrlichkeit und Authentizität sind zwei der Gründe, warum dieses Buch so gut ist. Es saugt einen vom ersten Satz an in seinen Bann. Es ist, als würde man mit einer wunderbaren Freundin quatschen, die einen nicht eine Sekunde lang hinters Licht führt. Frei von der Leber weg. Dabei intelligent, tiefsinnig, mit einer Menge Bezügen zu Denkern...

Lesen, Schreiben & Trump

Einen Tag, nachdem Trump zum Präsidenten vereidigt wurde, also im Januar diesen Jahres, las ich und schrieb ich, aber ich hatte diesen Mann und was seine Wahl bedeuten würde, ganz schön im System. Heute entdeckte ich diesen Text, den ich damals schrieb. Ich möchte ihn hier teilen, auch, weil er ein paar Hinweise zu interessanten Büchern enthält, die mit Trump, Gott sei Dank, nichts zu tun haben.  Sie las gerade wieder mehrere Bücher parallel. Was ich liebe und was nicht von Hanns-Josef Ortheil, eine Art autobiografische Erzählung über alle möglichen Dinge, die der Autor eben liebt oder nicht liebt. Es gibt sehr schöne Stellen darin, die sie sogar ein wenig, manchmal, inspirierten. Aber im Großen und Ganzen findet sie das Buch, sie ist mittlerweile fast bis zur Mitte durch, teilweise beinahe unerträglich selbstgefällig und geschwätzig. Die ganze Zeit erwischt sie sich dabei, wie sie sich nach der Mayröcker sehnt oder Handke , nach Autoren, die ihr Ego so vollständig heraus ne...

Ein Abend im Secession Verlag

Es gibt ja so Tage, da hat man einfach Glück. Zum Beispiel, wenn die Lieblingsbuchhändlerinnen zu einem Verlagsabend bei Secession  eingeladen sind und beide nicht können, ihr daraufhin eine Mail schreiben, ob sie hingehen möchte und sie geistesgegenwärtig genug ist, zu diesem Angebot „ja“ zu sagen. Der Secession Verlag ist seit geraumer Zeit einer meiner absoluten Lieblingsverlage. Bislang mochte ich jeden gelesenen Titel aus diesem Hause. Denn sie alle vereint die Poesie der Sprache, die Schönheit und Genauigkeit der Gestaltung und die Klarheit der Aussage. Ich hatte es schon einmal in einer Rezension zu dem Ferrari Buch Ein Gott Ein Tier geschrieben, dass dieser Verlag Poesie und Politik einzigartig verbindet in der heutigen Verlagslandschaft. Dass er damit Erfolg hat, stimmt mich hoffnungsvoll. Der Abend fand statt in den Räumen der Druckwerkstatt p98a von Erik Spiekermann, wo mittlerweile seit einem Jahr auch die Secession Bücher gemacht werden und wo seit kurz...

Buch der Woche - Deborah Feldman, Unorthodox

"Ständig werde ich daran erinnert, dass es Dinge gibt, die ich niemals erfahren werde. Ich kann diesen Gedanken nicht ertragen, ein ganzes Leben auf diesem Planeten zu verbringen, ohne das zu erleben, was ich zu erleben mir erträume, und zwar nur, weil es verboten ist. Ich glaube nicht, dass diese Version der Freiheit je reichen wird, solange sie nicht alles umfasst. Ich glaube nicht, dass ich glücklich sein kann, solange ich nicht wirklich unabhängig bin." Bei den Satmar-Chassiden, einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde, deren Anhänger unter anderem in Williamsburg/New York leben, dürfen Mädchen nicht lesen oder sich bilden, sie werden mit 17 Jahren verheiratet und gelten mit zwanzig, wenn noch immer unverheiratet, schon als quasi alte Jungfer. Sobald sie verheiratet sind, wird ihnen der Kopf rasiert und fortan müssen sie Perücken tragen, Hüte oder Turbane. Niemand außer ihrem Ehemann darf ihre echten Haare sehen, die zwar nachwachsen, aber unter der Perücke versteckt w...

Frauen, die lachen, sind gefährlich

Ich wusste es nicht mehr, ob es ein Traum war, eine Einbildung, oder die Wahrheit, dass ich gestern irgendwo gelesen hatte, dass in der Türkei das laute öffentliche Lachen von Frauen verboten werden soll, weil es als genau so wenig tugendhaft gilt, wie seine weiblichen Reize öffentlich zur Schau zu stellen. Ich habe gestern über diese Meldung hinweg gescrollt, weil ich keine Lust hatte, mir die Laune komplett verderben zu lassen. Aber heute fiel es mir wieder ein und nach nur einsekündiger Recherche im Netz stelle ich fest: es ist wahr, meine Phantasie ist doch nicht so vielschichtig, wie ich kurz vermutet hatte. Die Realität ist immer noch ein Stück witziger als ich. Einer der Stellvertreter von Erdogan möchte Frauen das öffentliche Lachen verbieten. Er fühlt sich auch davon gestört, dass Frauen oft „stundenlang“ am Handy telefonieren. Ich glaube, darüber muss ich jetzt erstmal sehr laut lachen und vielleicht gehe ich dafür auch runter auf die Straße und lache öffentlich und dann...