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Posts mit dem Label "Bücher" werden angezeigt.

Buch der Woche - das kleingedruckte von Linda Vilhjálmsdóttir

 und das verlangen nach vollkommenheit umgibt uns wie eine burka oder eine nebelschwade   heißt es in einem der Gedichte von Linda Vilhjálmsdóttir. Mit dieser Aussage konnte ich auf der Stelle so viel anfangen, als wäre es eine kurze Zusammenfassung für mein Leben und das so vieler anderer Frauen, die ich kenne.  Ein kleiner Band namens das kleingedruckte , aus dem isländischen übersetzt von Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gislason , erschienen im wunderbaren Elif Verlag. Wenn Lyrik, dann häufig dort.  Der Einband ist in meinem Lieblingsblau gehalten und lässt mich immer wieder denken: blaue Wunder. Manche Bücher sind solche blauen Wunder, die einem Hören und Sehen vergehen und dann wieder neu, aber anders, erlernen lassen. Ein Blick auf die Geschichte der Frauen und das Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Ein Blick auf die vielen unterschiedlichen Arten von Frauen, die es gibt: bergfrauen und solche mit feuerrotem lippenstift, mit beigen kostümen und nackt...

Corona Tagebuch (39) ist eine Corona #stayathome Leseliste

Mir ist aufgefallen, dass ich meine Bücher seit dem 16. März recht bewusst wähle und sie teilweise thematisch wie geschaffen sind für die momentane Situation. Daher dachte ich mir, dass ich an dieser Stelle für Euch eine Bücherliste anlege, wo Ihr, wenn Ihr wollt, Inspiration finden könnt. Passende Bücher zum Eingesperrtsein, Literatur zum Ausnahmezustand, zu der Tatsache, dass alles im Wandel ist und dass wir plötzlich viel mehr spazieren gehen, als jemals zuvor. Ich finde Spaziergänge und Radtouren eigentlich erst so richtig attraktiv, seitdem ich zuhause bleiben soll. Weshalb ich im Grunde weniger zum Lesen komme, als ich vor dem Lock Down erwartet hatte. Und dann ist da auch noch Netflix. Reden wir nicht darüber. Ich lese trotzdem fleissig und kann Euch passende Bücher für die Einsamkeit, das beglückende Alleinsein, die Selbstsuche, die Isolation und die Konfrontation mit der kompletten Auflösung dessen, was gerade noch das eigene Leben war, präsentieren. Ich denke, ich werde di...

Buch der Woche - Kanada von Juan Gómez Bárcena

"Und in jenen Sekunden, als du bereits auf dem Sterbebett liegst und im Begriff bist, die Augen zu schließen - erneut das Fieber-, hast du noch Zeit zu erkennen, dass du immer recht hattest, während alle anderen irrten, dass du jetzt stirbst und dass die Welt, an die du glaubtest, mit dir stirbt." Kanada . 191 Seiten, grauer Einband, anschmiegsames und doch festes Papier. Beim Umblättern der Seiten gibt es mir Halt. Die Jahre gleich nach dem Holocaust. Ein Mann kehrt zurück. Wir wissen nicht, wo er war. Der Ort ist vermutlich Budapest. Der Mann besitzt ein Haus. Es ist nicht zerstört. Sein Nachbar hat es für ihn erhalten. Sein Nachbar versorgt ihn mit Lebensmitteln. Sein Nachbar möchte ihm einen Job besorgen. Man weiß als Leserin nicht, ob man den Nachbarn mögen kann. Man mag ihn nicht so wirklich. Auch wenn er wie ein Wohltäter erscheint. Zunächst. Er will dem Mann zurück ins Leben helfen. Aber der Mann kann nicht. Er sitzt in seiner Wohnung, irgendwann nur noch in einem...

Buch der Woche - Unrast von Olga Tokarczuk

„Am spürbarsten ist die Starre, sie ist dicht und sichtbar; der kalte Dämmer und das schwache Licht der Natriumlampen, das kaum einen Meter von seiner Quelle schon im Dunkel versinkt.“ Wie entkommt man der Starre? Ist es einem Menschen möglich, eine Heimat zu finden? Wo ist diese Heimat? Ist sie ein Ort, oder ist sie ein Platz in uns selbst? Oder bedeutet Heimat, sich der Starre zu übergeben? Was ist Heimat? Was bedeutet Reisen? Welche Formen der Bewegung, abgesehen davon, dass man sich entweder innerlich rege hält, immer neues lernt, und zum anderen in der Außenwelt herumreist, gibt es noch? Wo finden wir Sesshaftigkeit? Ist das überhaupt erstrebenswert? Kann man sich in etwas beheimaten, das wie eine Idee ist? Kann man auf einer Insel verloren gehen? So viele Fragen stellt die wunderbare polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in ihrem Buch Unrast . Nein, eigentlich stellt sie sie nicht. Nicht so explizit wenigstens. Sie schreibt über verschiedene ...

Meine Lieblingsbuchhändlerinnen stellen ihre Lieblingsbücher vor (25)

Lange ist es her, dass die Lieblingsbuchhändlerinnen sich hier zu Wort meldeten. Aber Gott sei Dank sind sie wieder da (also in echt waren sie nie weg), und Jessica hat gelesen und mir ihre Eindrücke mitgeteilt. Alle die vorgestellten Bücher könnt Ihr bei Ihnen im Laden kaufen, und noch soooo viele mehr. Für mich immer noch der Buchladen mit dem interessantesten Angebot (wirklich 100% mein Geschmack und sie haben tolle englische Bücher und viele unabhängige Verlage und das wunderbarste und coolste Kreuzberg Personal. In neuer Besetzung. Jessica, Zoe, Kristina.) Wenn Ihr in Kreuzberg seid, schaut vorbei. Es lohnt sich! (c) Jacintha Nolte Liebe Susanne, lang ist's her, dass ich Dir meine Lesegenüsse erzählt habe, es ist wieder an der Zeit: Also Chris Kraus , " Das kalte Blut " ( Diogenes €32) , hatte ich vor Weihnachten schon gelesen, und deswegen wurde es viel von mir empfohlen, für den Tannenbaum, weil, es so unglaublich gut ist. Hatte nichts zu meckern, wirkli...

Amanda Palmer - The Art of Asking

A few days ago, I finished Amanda Palmer's book The Art of Asking . It is not written too well. The text is not really one piece, but many many single pieces, sewed together a bit randomly, I felt, while reading. Though, they all point in the same direction. The language is not special, or especially good. It is the kind of language, simple, in which people talk about this and that. All this was pretty much clear from the start. She is not a writer. But she is an artist with a message. This message is the point of the entire endeavour of her book. To bring across a certain point. The message is something like this: You deserve to be loved. You deserve to be supported. You deserve to go out there and ask for love and support. You  might be surprised, how much of it you get. Even from strangers. Even from friends. The message is also: create as many random acts of kindness and love along your life path, as you possibly can. So it is a double message in my eyes: ask for what you ...

Meine Buch der Frauentag-Woche - Bettina Wilpert - Nichts, was uns passiert

Nichts was uns passiert von Bettina Wilpert ist ein normales Buch, das eine völlig normale Geschichte erzählt, die so jeder von uns und jedem hätte passieren können, passiert ist. Wenn man bedenkt, dass nur 5% aller Vergewaltigungen überhaupt angezeigt werden, und von diesen 5% wieder nur 5% strafrechtlich verfolgt werden, dann kann man davon ausgehen, dass ziemlich viel unbemerkt vergewaltigt wird in diesem Land. Jonas und Anna lernen sich in Leipzig auf den Stufen der Albertina durch einen gemeinsamen Bekannten kennen. Sie schlafen einmal miteinander. Sie trinken sehr viel. So viel habe ich in meinem Leben noch nicht an einem Abend getrunken, wie die beiden ständig in sich hinein schütten. Sie treffen sich zufällig immer mal im Laufe weniger Wochen, wenn in Gruppen Fußball geschaut wird. Es ist der Sommer der Fußball-WM 2014. Eine Beziehung will keine von beiden. Sie sind nicht ineinander verliebt. Am 4. Juli feiert der gemeinsame Bekannte Hannes in Jonas‘ Garten sein...

Bücherwunschliste, Gedanken zu Motherhood und The Favourite - alles durcheinander

Gestern schenkte mir eine Freundin ein Buch zum Geburtstag, nachträglich. Ich hatte dieses Buch bereits, was sie nicht wissen konnte und was auch keinerlei Problem darstellt. Denn sie kaufte es bei den Lieblingsbuchhändlerinnen und da darf ich es umtauschen. Sie schenkte mir übrigens Motherhood von Sheila Heti. Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten gelesen und auch gemocht, aber nicht so, dass ich darüber schreiben wollte. Der Grund ist, glaube ich, dass ich Kinder habe. In dem Buch geht es aber eigentlich darum, die Entscheidung zu treffen, ob man als Frau überhaupt Kinder bekommen sollte. Ich konnte für viele Punkte ihrer Befragung des Lebens sehr große Sympathie entwickeln. Andere schienen mir wie aus einer Welt, die ich für immer verlassen habe. Denn ich habe mich längst entschieden und bin Mutter. Egal, was ich tue, meine Kinder und deren Interessen, deren Wohlergehen, werden immer im Zentrum meines Befindens sein. Nie wieder werde ich vor der Frage stehen, ob mein Leben b...

Karl Ove Knausgård - Im Frühling

„Ich hatte begonnen, eine Art Tagebuch für dich zu schreiben, oder einen langen Brief darüber, wer wir waren und was hier passierte, während wir auf dich warteten….Als eine Art, Platz für dich zu schaffen.“ Dieser Gedanke ist so wunderschön, dass er mich jedesmal lächeln lässt: für ein noch im Mutterleib heran wachsendes Kind eine Art Tagebuch schreiben, um für es in dem bereits existierenden Leben einen Platz zu schaffen. Unwillkürlich wünschte ich mir, ich wäre auf diese Idee gekommen, während ich mit meinen Töchtern schwanger war. Mit dieser Aussage hat Karl Ove Knausg å rd einmal mehr umschrieben, für wie wichtig und mächtig er die Sprache hält. Sie ist für ihn das Medium, welches uns alle im Leben verankern kann, egal, was uns zustoßen mag, egal, wie heftig das Leben sich uns um die Ohren schlägt.  Im Frühling hat mich auf eine  unvorhersehbare Art kalt erwischt. Denn ich hatte ja bereits Im Herbst und Im Winter gelesen, welche ich beide mehr oder weniger ä...

Buch der Woche - Jasper und sein Knecht von Gerbrand Bakker

„Gestern habe ich das erste Stück Terrasse gepflastert, und das ist nicht einfach, weil die Steine unterschiedlich groß sind. Heute wieder ein Stückchen, und morgen und übermorgen. Nicht zu eilig, es darf alles nicht zu schnell fertig werden, immer soll etwas liegen bleiben. In gewisser Hinsicht wie beim Schreiben eines Romans: nie am Ende eines Schreibvormittags zu einem glatten Abschluss kommen; lieber ein paar Fäden lose lassen, um am nächsten Tag dort anzuknüpfen.“ Ein niederländischer Schriftsteller, der sich selbst als jemand beschreibt, der mit einer sehr langen Bedienungsanleitung geliefert wird. Ein empfindlicher, verletzlicher Mann, der gerne allein ist und noch nie eine feste Beziehung hatte. Ein Mensch, der sich, so kann man es bei ihm immer wieder lesen, ausgiebig an den anderen Menschen reibt, aufreibt. Aber daraus entstehen vielleicht seine wunderbaren Bücher? Er kauft 2012 ein Haus in der Eifel, zwischen Bitburg und Prüm. Er findet einen Hund, Jasper, der ursp...

Claire-Louise Bennett, Teich

"Pfannengericht Haben eben mein Abendessen in den Müll geworfen. Ich wusste schon während des Kochens, dass ich das tun würde, deswegen habe ich alles hineingerührt, was ich nicht mehr sehen will." Ich mag Bücher, in denen Autorinnen oder Autoren einen eher zurückgezogenen, einen einfachen Lebensstil, möglichst ihren eigenen, beschreiben. Ich mag es, wenn sie in einsamen Häusern leben und mit jedem Staubkorn eine Beziehung eingehen, über die sie etwas sagen können. Das ist wie bei Handke und natürlich sowieso wie bei Karl-Ove Knausgard. Die Bücher dieser Autor*innen haben in der Regel keine weitere Handlung, scheinbar. Aber im Laufe der Lektüre enthüllt sich dann etwas aus dem tiefsten Inneren des Autors, oder auch aus dem menschlichen Leben allgemein, welches wie das Aufleuchten einer Wahrheit in einer langen Meditationssitzung scheint. Und vielleicht sind diese Bücher ja auch eher Meditationen als Ergebnisse einer "creative writing" Klasse. Das Erzählen ist ...

Leseliste Juli 2018

Das Thema der Leseliste für den Monat Juli ist Reisen, innere Reisen sowieso und selbstverständlich solche in der Außenwelt. Exotische und spannende Orte gibt es an beiden Stellen. In diesem Post nehmen Buchbesprechungen den größten Raum ein. Zum einen, weil jedes Buch an sich schon eine Reise ist, zum anderen, weil Bücher die wunderbarsten und inspirierendsten Reisebegleiter sind und ich nirgends soviel lese, wie im Urlaub. Und last but not least, weil viele der Bücher, die ich liebe, in irgendeiner Form von Reisen handeln. Auch ich werde in den nächsten Monaten ein kleines wenig reisen. Vor allem in die Uckermark, in den geliebten Garten, von dort aus ein kleiner Abstecher an die Ostsee. Dann stehen noch Köln und Bonn auf der Agenda, wo ich alte Freunde sehe und die Marina Abramovic Show in der Bundeskunsthalle anschauen möchte. Anfang August shippern Miss Lilly (evtl. Miss Holly) und meine Wenigkeit mit herrlichen Freunden auf einem Hausfloß über die Mecklenburgische Seenplatte...

Juli Zeh, Leere Herzen

„…, jene notorischen Nörgler, die seit Jahrzehnten mit ihrer Missgunst und Kleinkariertheit an den Fundamenten der Demokratie graben. Die das Internet in eine Schlammschleuder verwandelt haben, die nur glücklich sind, wenn sie auf andere herabschauen können. Die sich und ihre kindischen Bedürfnisse über alles stellen. Die lieber simplen Verschwörungstheorien glauben, als sich mit der komplizierten Wahrheit auseinanderzusetzen.“ In ihrem neuesten Roman Leere Herzen beschreibt Juli Zeh beklemmend realistisch ein Szenario, das nicht so weit von unserer aktuellen Situation entfernt ist, vielmehr eine mögliche logische Konsequenz daraus darstellt.  Die meisten Menschen haben sich ins Nicht-wählen zurückgezogen und die Demokratie wird ignoriert zugunsten des bequemen Einnistens  in ein möglichst sorgenfreies und sauberes Privatleben. An der Regierung ist die BBB (Bewegung Besorgter Bürger) mit der Kanzlerin Regula Freyer. Angela Merkel wurde durch die zunehmenden Prote...

Kristine Bilkau, Eine Liebe, in Gedanken

„Sie hatte 1967 darauf gewartet, von ihm nach Hongkong geholt zu werden, doch er hatte sie immer wieder um Geduld gebeten….“ Eine Liebe. Ein Mann, eine Frau. Hamburg in den 60er Jahren. Die Frau, Antonia, genannt Toni, ist aus ihrem Schleswig Holsteinischen Dorf in die große Stadt gezogen. Die Abenteuerlust, die Lust, sich ein eigenes, ein größeres Leben zu erlauben, ist ein Grund unter vielen dafür, dass sie dem Mann, Edgar, so gut gefällt. Der hat bereits einen unehelichen Sohn. Aber mit diesem hat er wenig zu tun. Edgar lebt noch im Elternhaus, er hat eine Arbeit und sieht gerne das, was nicht funktioniert. Während Toni voller Lebensfreude ist und damit auch ihn ansteckt. Wenn er sich bei ihr über sein Leben beklagt, heitert sie ihn auf. Mit seinem VW Käfer fahren sie durch die Stadt und ans Meer. Sie werden ein Liebespaar, dem alle ansehen, dass sie zueinander gehören. Dass Toni wegen ihres Status als unverheiratete Frau die Pille nicht vom Arzt bekommt, diese Probl...