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Posts mit dem Label "#tuttoandràbene" werden angezeigt.

Corona Tagebuch (26)

Heute so: Deutschland nimmt 50 unbegleitete Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern auf. Ich gehe davon aus, dass wird jetzt nicht als bahnbrechender Erfolg gefeiert. Vielleicht dreht man sicher eher etwas verschämt weg, wenn man die Zahl vor sich hin nuschelt. Sachsen-Anhalts Innenminister sieht die Möglichkeit 1 (!!) unbegleitetes Flüchtlingskind in Sachsen-Anhalt aufzunehmen. Ohne Worte. 68 AfD-Abgeordnete treffen sich gestern zu einer Sitzung in einem Sitzungssaal des Deutschen Bundestages und beschliessen, dass sie darauf dringen werden, die Corona Maßnahmen möglichst schnell zu lockern. Es wäre natürlich ein Treppenwitz der Geschichte, wenn jetzt einer dieser Abgeordneten infiziert wäre und demnächst dann alle 68 Corona bekämen. Shit happens. Dem Klima tut der Lockdown sehr gut. In vielen Regionen ist zum ersten Mal seit Jahren klarer Himmel. Die Luftwerte verbessern sich messbar und der Stromverbrauch sinkt. Heute mit ein paar Menschen gesprochen. Was mich am meist...

Corona Tagebuch (24)

Heute morgen Stimmung: "geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht, elendes Leben" Franz Kafka, Tagebücher, 19.6.1910 Dann aber recht schnell, vielleicht lags am Kaffee, eher so: "Ich finde, dass wir viel zu zurückhaltend sind mit den Möglichkeiten, die wir haben, als Einzelpersonen." Katharina Grosse Ich habe wieder eine Dokumentation auf Arte gesehen, wo diesmal Grosse eine Ausstellung mit Künstlerinnen kuratiert. Katharina Grosse kuratiert  Ich finde sie ungeheuer inspirierend. Und über diesen Satz oben denke ich immer noch nach. Ich weiß nicht, ob Ihr dieses Gefühl auch kennt, dass Ihr Euch zurück haltet, Euer Potenzial, Euer Licht unter den Scheffel stellt. Irgendwie reißt man sich immer zusammen. In vieler Hinsicht. Im Guten wie im Schlechten. Wer ist schon so toll, wie er sein kann? Und wenn man es nicht wagt, so toll zu sein, was sind die tief inneren Glaubenssätze, die womöglich noch aus der Kindheit stammen, und einen davon zurück halten? Ich ka...

Corona Tagebuch (13)

Es gibt ein kleines Stück von Yoko Ono, das ich vor geraumer Zeit irgendwo im Netz gefunden habe. Map Piece Draw a map to get lost. Spring 1964   Yoko Ono Es hat mich von Anfang an gepackt und ich habe es mir abgeschrieben und an die Wand über meinem Schreibtisch gehängt. Ich habe es auf die Collage geschrieben, an der ich gerade arbeite und in mindestens zwei der kleinen, collagenartigen Bücher, die ich mache. Ich habe es in mein Tagebuch geschrieben und in Manuskripten verwendet. Ich denke, es ist seine Bedeutung, die eine unglaubliche Weite und Freiheit, fast anarchisch, zum Ausdruck bringt, die mich so mit Energie erfüllt. Die Oberbaumbrücke und ein Himmel ganz ohne Flugzeuge oder Kondensstreifen Mache einen Plan um verloren zu gehen. Mache einen Plan, damit er sich nicht erfüllt. Erhalte dir die Offenheit, dass immer alles möglich ist und du nicht verhärtest in einer Erwartungshaltung, die nur noch mit einem Ausgang für egal welche Situation zufrieden sein...

Corona Tagebuch (5)

And the people stayed home. And read books, and listened, and rested, and exercised, and made art, and played games, and learned new ways of being, and were still. And listened more deeply. Some meditated, some prayed, some danced. Some met their shadows. And the people began to think differently. And the people healed. And, in the absence of people living in ignorant, dangerous, mindless, and heartless ways, the earth began to heal. And when the danger passed, and the people joined together again, they grieved their losses, and made new choices, and dreamed new images, and created new ways to live  and heal the earth fully, as they had been healed. Dies hat mir meine Tochter heute morgen geschickt. Es ist ein Zitat, das einer gewissen Kitty O'Meara zugeschrieben wird, über die ich nichts weiß. Aber das spielt auch keine Rolle. Denn dieses Zitat ist so tief und bedeutungsvoll und birgt soviel Energie und Möglichkeit, sich einer heilenden anstatt einer panis...

Corona Tagebuch (4)

Heute habe ich zum ersten Mal richtig Angst bekommen. Um die psychische Gesundheit meiner Kinder und von Freunden und Bekannten, deren gesamtes Leben gerade weg bricht. Und ich fragte mich, ob es auch jemanden gibt, der sich darüber Gedanken macht. Was es für Kinder bedeutet, wenn sie nicht mehr raus dürfen, wenn sie keine Sonne bekommen, keine frische Luft, keine Bewegung. Auch was dies für Erwachsene bedeutet. Quarantäne in einem Haus auf dem Land mit Garten ist eine Sache. Aber Quarantäne in einer Stadtwohnung, das ist etwas völlig anderes. Noch dürfen wir ja hinaus. Heute war ich vollkommen unvernünftig. Ich bin mit meiner Tochter zum Friseur gegangen. Es ist ein sehr großer Raum und wir waren die einzigen Kunden. Da es ein japanischer Friseur ist, bekamen wir ein heißes Handtuch in den Nacken gelegt und eine Kopfmassage bei der Haarwäsche. Es war der einzige Moment des Tages, an dem ich wirklich entspannt war. Mein Haar ist fluffig und frisch und danach haben wir in einem vollko...

Corona Tagebuch (2)

15. März Heute wieder im Wald gewesen. Zwei Stunden. Überall am Boden Bärlauch. Ich wünschte, ich könnte hier diesen würzigen Geruch widergeben. Die Farbe: grün. Also GRÜN. Nach dem Winter, der wegen Corona im Grunde nicht zuende ist, also gefühlsmäßig, ist dieses Grün ein ziemlicher Hammer. Genau wie das Blau des Himmels. Obwohl so viel Unsicherheit, soviel Ängste in der Luft sind, haben mich diese Farben glücklich gemacht.  Bärlauch Plantage, Plänterwald Es waren sehr viele Menschen im Wald. So als ob alle nochmal raus wollen, bevor auch das, siehe Spanien und Italien, womöglich bald verboten ist. Eine Instagrambekannte von mir nannte es: Hamsterspaziergänge.  Die meisten Besucher im Wald taten eines von drei Dingen. 1. Sie erklärten am Telefon jemandem, was genau es mit dem Coronavirus auf sich hat. Meine Erkenntnis: Ein großer Teil der deutschen Spezialisten zu dem Thema läuft unter Umständen am Sonntag im Plänterwald in Treptow herum.   2. Bärlauch e...