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Posts mit dem Label "Literaturnobelpreis" werden angezeigt.

Buch der Woche - Unrast von Olga Tokarczuk

„Am spürbarsten ist die Starre, sie ist dicht und sichtbar; der kalte Dämmer und das schwache Licht der Natriumlampen, das kaum einen Meter von seiner Quelle schon im Dunkel versinkt.“ Wie entkommt man der Starre? Ist es einem Menschen möglich, eine Heimat zu finden? Wo ist diese Heimat? Ist sie ein Ort, oder ist sie ein Platz in uns selbst? Oder bedeutet Heimat, sich der Starre zu übergeben? Was ist Heimat? Was bedeutet Reisen? Welche Formen der Bewegung, abgesehen davon, dass man sich entweder innerlich rege hält, immer neues lernt, und zum anderen in der Außenwelt herumreist, gibt es noch? Wo finden wir Sesshaftigkeit? Ist das überhaupt erstrebenswert? Kann man sich in etwas beheimaten, das wie eine Idee ist? Kann man auf einer Insel verloren gehen? So viele Fragen stellt die wunderbare polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in ihrem Buch Unrast . Nein, eigentlich stellt sie sie nicht. Nicht so explizit wenigstens. Sie schreibt über verschiedene ...

Hermann Hesse - Das Glasperlenspiel

Es gab Momente, da verstand ich nichts und wollte das Buch einfach beiseite legen. Das Buch!  Das Glasperlenspiel von Hermann Hesse, sein letzter und umfangreichster Roman, sein Alterswerk, erschienen 1943, in zwei Bänden (ja, das Buch ist sehr dick!). Es lag in meinem Stapel ungelesener Bücher, seitdem ich circa 20 war. Ich habe noch die alte, dunkelgrüne Suhrkamp Ausgabe. Gekauft in einer Buchhandlung am Opladener Markt, die es schon lange nicht mehr gibt. Begonnen habe ich das Buch gefühlt zehnmal, und immer wieder beiseite gelegt, weil ich einfach nichts verstand. Einmal bin ich bis Seite 100 gekommen, weiter nie. Ich beschloss dann, dass man vermutlich doch alt sein müsste, um es zu verstehen, Alterswerk eben! Jetzt bin ich einigermaßen alt und ich kann den Erfolg vermelden: Diesmal hab ichs geschafft. Ich bin durch! „Versenkung und Weisheit waren gute, waren edle Dinge, aber es schien, sie gediehen nur abseits, am Rande des Lebens, und wer im Strom des Lebens schwamm un...

Wer wird ihn diesmal bekommen?

14 Frauen haben den Nobelpreis für Literatur gewonnen seit 1901, 94 Männer haben ihn auch gewonnen. Es gibt eine Menge Frauen, die hätten ihn gewinnen sollen, weil sie richtig gut waren, aber es sollte nicht sein. Vermutlich gibt es so viele gute Schriftstellerinnen, die ihn nicht gewonnen haben, wie Schriftsteller, die ihn gewonnen haben. Selbstverständlich gibt es auch eine große Menge hervorragender Schriftsteller, die ihn nicht gewonnen haben. Nicht jeder kann ihn gewinnen. Jetzt steht die Vergabe wieder an. Irgendwie fürchte ich, es wird wieder ein Mann werden, obwohl das brachial klingt. Als hätte ich etwas dagegen, dass Männer den Preis gewinnen. Ich habe allerdings etwas dagegen, dass Frauen ihn, jetzt rein statistisch, so selten gewinnen. Immerhin haben die Nobels ihn in den letzten 3 Jahren zweimal einer Frau verliehen. Ich weiß nicht, da kann man vermutlich auch jetzt nicht so richtig unverschämt werden und sagen, wir wollen ihn aber noch 80 Mal gewinnen, wir Frauen, weil...

Schriftstellerinnen, denen ich den Nobelpreis geben würde

Neunzig Mal müsste der Nobelpreis ab jetzt ununterbrochen an eine Frau verliehen werden, damit ihn annähernd genau so viele Frauen wie Männer je gewonnen hätten. Natürlich ist der Nobelpreis keine mathematische Gleichung. Dennoch geben mir solche Verhältnismäßigkeiten zu denken. Ich habe mir deshalb den Spaß gegönnt, ein wenig zu stöbern nach spannenden Schriftstellerinnen und eine Liste von Autorinnen zusammen gestellt, die in Frage kämen. Sie hätten nicht nur das richtige Alter, sondern haben auch eine unübersichtliche Menge an sehr guten Büchern geschrieben. Ich habe viele Angelsächsinnen in dieser Liste, was mit meinen Lesevorlieben viel zu tun hat, aber auch mit meinem zugegeben eingeschränkten Horizont. Ich gehe nicht wirklich davon aus, dass jemand aus diesem Sprachraum gewinnen kann, hat doch im letzten Jahr Alice Munro  ihn gewonnen, zu meiner großen Freude. Die Nobels gehen ja doch immer ein wenig systematisch vor und springen zwischen den Weltgegenden hin und her. Es w...

5 Gründe, warum ich mich freue, dass Alice Munro den Literaturnobelpreis 2013 gewinnt

Ich habe Alice Munro sehr spät, erst im letzten November,  durch eine Literaturbeilage der New York Times über die  100 bemerkenswerten Bücher 2012  entdeckt, ein Artikel, in dem mir unter den 100 genannten Titeln ihr  Dear Life , also ihr aktuellstes Buch, sofort auffiel. Ich bekam es zu Weihnachten, las es auf der Stelle und war begeistert. Und das, obwohl ich eigentlich kein Kurzgeschichtenfan bin. Alice Munros Kurzgeschichten aber sind so prall gefüllt mit Geschichten, Menschen, Weisheiten, Schönheiten, dass man gesättigt aus jeder Lektüre aufsteigt, als hätte man mindestens einen Roman gelesen, nur ohne die vielen überflüssigen Worte. Als ich heute morgen darüber nachdachte, wer wohl den Nobelpreis erhält und ihren Namen auf einer der Favoritenlisten sah, dachte ich kurz: ja, warum eigentlich nicht. Aber dann dachte ich: "Nein, das machen sie nicht. Sie werden ihn wieder jemandem geben, den niemand kennt und dessen Name kein Mensch aussprechen kann. I...