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Posts mit dem Label "Peter Handke" werden angezeigt.

Miroloi von Karen Köhler

Heute habe ich Miroloi von Karen Köhler beendet. Ein von der Autorin selbst gestaltetes, wunderschönes Buch. Eine Parabel auf die Wirklichkeit, unter deren Wucht man sich unangenehm windet. Man möchte nicht daran denken, wie real all das, was Köhler erzählt, für viele Frauen auf dieser Welt ist. Und leider nicht nur auf einsamen Inseln, sondern z.B. mitten in Brooklyn, in der chassidischen Gemeinde (siehe dazu Unorthodox von Deborah Feldman), um nur ein Beispiel zu nennen. Seltsamerweise ging es mir tatsächlich so, dass ich während der Lektüre von Miroloi sehr oft an die Geschichte Deborah Feldmans denken musste. Die ja darin ebenfalls eine archaische, weltabgewandte Gesellschaft schildert, der sie selbst gegen alle Wahrscheinlichkeit zu entfliehen versucht. Das Buch handelt von einer namenlosen Außenseiterin, die in einer abgelegenen Inselgemeinde aufwächst, wo Frauen keinerlei Rechte haben. Sie dürfen weder lesen, schreiben noch schwimmen. Sie haben keinerlei Möglichkeiten,...

My list of favourites 2018

Hier ein paar kurze Highlights meines Jahres 2018, ohne große Worte. Es war ein eher ruhiges Jahr, gespickt mit wunderbaren Ausnahmeerscheinungen. Die Leipziger Buchmesse, im Schnee versunken, ein Konzert von Pearl Jam in der Waldbühne bei strahlendem Sommerwetter, eine Geburtstagsparty in München, bei stundenlangem Platzregen, draußen, eine spontane Fahrt nach Prag, die Marina Abramovic Werkschau in Bonn, eine Reise nach Rom, eine Floßfahrt auf der Mecklenburgischen Seenplatte, die beste Demo meines Lebens... Viele viele random acts of kindness, von Freunden und Fremden. Filme: Werk ohne Autor, den ich dank Bloggerfreundin Marina von literaturleuchtet mit einer Freikarte geniessen durfte. Danke 💜 Female Pleasure Lucky Bücher:  Ich habe für meinen eigenen Geschmack in diesem Jahr ein paar echte Meisterwerke in den Händen und vor den Augen gehalten, und dann noch viele Bücher, die wunderbar waren, mich überrascht und beglückt haben. Hier nur eine Auswahl. Anso...

Claire-Louise Bennett, Teich

"Pfannengericht Haben eben mein Abendessen in den Müll geworfen. Ich wusste schon während des Kochens, dass ich das tun würde, deswegen habe ich alles hineingerührt, was ich nicht mehr sehen will." Ich mag Bücher, in denen Autorinnen oder Autoren einen eher zurückgezogenen, einen einfachen Lebensstil, möglichst ihren eigenen, beschreiben. Ich mag es, wenn sie in einsamen Häusern leben und mit jedem Staubkorn eine Beziehung eingehen, über die sie etwas sagen können. Das ist wie bei Handke und natürlich sowieso wie bei Karl-Ove Knausgard. Die Bücher dieser Autor*innen haben in der Regel keine weitere Handlung, scheinbar. Aber im Laufe der Lektüre enthüllt sich dann etwas aus dem tiefsten Inneren des Autors, oder auch aus dem menschlichen Leben allgemein, welches wie das Aufleuchten einer Wahrheit in einer langen Meditationssitzung scheint. Und vielleicht sind diese Bücher ja auch eher Meditationen als Ergebnisse einer "creative writing" Klasse. Das Erzählen ist ...

Leseliste Juli 2018

Das Thema der Leseliste für den Monat Juli ist Reisen, innere Reisen sowieso und selbstverständlich solche in der Außenwelt. Exotische und spannende Orte gibt es an beiden Stellen. In diesem Post nehmen Buchbesprechungen den größten Raum ein. Zum einen, weil jedes Buch an sich schon eine Reise ist, zum anderen, weil Bücher die wunderbarsten und inspirierendsten Reisebegleiter sind und ich nirgends soviel lese, wie im Urlaub. Und last but not least, weil viele der Bücher, die ich liebe, in irgendeiner Form von Reisen handeln. Auch ich werde in den nächsten Monaten ein kleines wenig reisen. Vor allem in die Uckermark, in den geliebten Garten, von dort aus ein kleiner Abstecher an die Ostsee. Dann stehen noch Köln und Bonn auf der Agenda, wo ich alte Freunde sehe und die Marina Abramovic Show in der Bundeskunsthalle anschauen möchte. Anfang August shippern Miss Lilly (evtl. Miss Holly) und meine Wenigkeit mit herrlichen Freunden auf einem Hausfloß über die Mecklenburgische Seenplatte...

Peter Handke, Der Bildverlust

„Vielmehr Schritt für Schritt sich selber den Weg spuren.“ In die Tiefe dringen, ohne Ablenkung. Es geht nicht darum, sich im Raum auszubreiten. Dabei ein Glas Wein trinken, wie Handke. Allerdings bevorzuge ich weißen Wein. Handke trinkt sicher lieber roten, vermute ich. Handke, der mich immer wieder so sehr inspiriert, dass ich davon glücklich werde. Obwohl ich sein Buch Der Bildverlust vermutlich nicht verstehe. Dennoch ist es für mich wie eine Meditation. Ich lese es seit Monaten. Die Lektüre nähert sich dem Ende. Der Abschied fällt mir schon jetzt schwer. Wird aber erleichtert durch die Tatsache, dass auf meinem SuB noch drei weitere Handke-Bücher meiner harren. Kali , Vor der Baumschattenwand nachts und Die Obstdiebin . Glück hat einen Namen. Für mich: Handke lesen. Also, es gibt noch eine Reihe andere Dinge, die mich glücklich machen. Aber Handke lesen ist eine zuverlässige Glücksquelle und ich weiß gar nicht, ob ich seine Bücher hier empfehlen kann. Denn manchmal fürch...

Kristine Bilkau, Eine Liebe, in Gedanken

„Sie hatte 1967 darauf gewartet, von ihm nach Hongkong geholt zu werden, doch er hatte sie immer wieder um Geduld gebeten….“ Eine Liebe. Ein Mann, eine Frau. Hamburg in den 60er Jahren. Die Frau, Antonia, genannt Toni, ist aus ihrem Schleswig Holsteinischen Dorf in die große Stadt gezogen. Die Abenteuerlust, die Lust, sich ein eigenes, ein größeres Leben zu erlauben, ist ein Grund unter vielen dafür, dass sie dem Mann, Edgar, so gut gefällt. Der hat bereits einen unehelichen Sohn. Aber mit diesem hat er wenig zu tun. Edgar lebt noch im Elternhaus, er hat eine Arbeit und sieht gerne das, was nicht funktioniert. Während Toni voller Lebensfreude ist und damit auch ihn ansteckt. Wenn er sich bei ihr über sein Leben beklagt, heitert sie ihn auf. Mit seinem VW Käfer fahren sie durch die Stadt und ans Meer. Sie werden ein Liebespaar, dem alle ansehen, dass sie zueinander gehören. Dass Toni wegen ihres Status als unverheiratete Frau die Pille nicht vom Arzt bekommt, diese Probl...

Buch der Woche - Michael Stauffer, Jeden Tag das Universum begrüssen

"Fußnote 130 „Ich musste noch etwas einkleben. Deswegen bin ich zu spät.“" Für mich ist dieses Buch, Jeden Tag das Universum begrüssen  von dem Schweizer Schriftsteller  Michael Stauffer  meine persönliche  Lieblingsentdeckung der Leipziger Buchmesse .  Es ist wahr. Ich ging eigentlich am Voland & Quist Stand einfach so vorbei. Aber da rief es nach mir. Laut und deutlich. Ich blieb stehen, sah es an und war sofort verliebt. Wie das immer ist, wenn man sich verliebt, war es jenseits von logischen Gründen, dass mich dieses Buch unter all den Millionen in den Messehallen ausgestellten Werken so derart intensiv berührte. Ich denke, es hat damit zu tun, dass man sich immer dann verliebt, wenn einen etwas im tiefsten Inneren auf magische Weise anspricht.  Was es dann wieder beinahe logisch macht, dass es mich anspricht, denn es tut etwas, das ich auch tue mit meinen ganzen Tage- und Notizbüchern und dem Leben: es sucht nach einer Gültigkeit, v...

Leseliste April

Falls Ihr ein wenig quer beet lesen möchtet auf dem Blog, habe ich mir überlegt, ab jetzt jeden Monat eine Art Playlist, oder eher Leseliste zusammenzustellen, wo man jeden Tag einen alten Text lesen kann. Das erleichtert vielleicht das Stöbern auf meinem Blog, es gibt Einblicke in die verschiedenen Themen und vielleicht auch ein wenig Inspiration. Die Aprilliste kommt etwas verspätet. Aber ich werde versuchen, ab jetzt gleich am 1. eine Liste zu schalten. Wenn ich davon ausgehe, dass die Liste der Ursprung der Kultur ist (s. Link für den 23. April), dann finde ich, passt das doch. 1. April Osterkoans 2. April april 3. April Denial , ein neuer Post über ein Stück am Maxim Gorki (geht mehr ins Theater, ist vielleicht die Botschaft dahinter) und die für mich sich offenbarende Verbindung zu einer buddhistischen Lehrerin namens Pema Chödrön, deren Bücher ich gerade las 4. April My eleven rules for writing everything  Ein Post übers Schreiben. 5. April affront  mit einem Fo...

Die kleinteilige Welt ist die Rettung*

Im Schreiben wie im Leben ging es ja eigentlich immer wieder darum, sich nicht davon wehen zu lassen, nicht ablenken, nicht die Konzentration verlieren. Das Zentrum, das wesentliche, in Ruhe anvisieren und dann tun. Es ging darum, da zu bleiben. Das meiste war Flucht. Wie oft maskierte sich die pure, instinktgesteuerte Bedürftigkeit als freier Wille. Es ging ihr darum, überhaupt heraus zu finden, was ein freier Wille, ihr freier Wille, wollen könnte. Das ging nur, indem man sich konzentrierte. Sie ließ sich noch viel zu sehr ablenken. (aus dem Romanmanuskript) Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich seit kurzem ein Smartphone besitze? Die Wahrheit ist, meine Gefühle diesem flachen, handlichen Apparat gegenüber sind gespalten. Es gibt Momente, da liebe ich es, weil es tolle Fotos macht, ich damit leichter Orte finde (wichtig, wenn ein Kind im Fussballverein ist und regelmäßig Samstagmorgen um 8 Uhr auf abgelegenen Sportplätzen sein muss), ich jetzt ein Instagram Account...

Buch der Woche - Mein Jahr in der Niemandsbucht von Peter Handke

„Ich mußte nach Hause in die Bucht, ohne meine Anwesenheit da, all das Jahr durch, verlöre das Buch seinen Ort und seinen Grund.“ Ein Buch wie eine Meditation. Ein Schriftsteller schreibt über sieben Freunde, darunter sein Sohn, alle in irgendeiner Form auf Reisen. Er schreibt über die Frau, die er liebt, mit der er lebt, mit der er den Sohn hat und doch verlassen sie sich immer wieder, kann er das Leben mit einem Alltag kaum ertragen, denn alles ist eigentlich auf diese Meditation, die sein Schreiben ist, ausgerichtet. Alles andere stört den Fluß und die Konzentration. Er lebt in einem alten Haus in der Nähe von Paris, absichtlich in einer klaren Entfernung zu dieser hektischen, auch wichtigtuerischen Metropole, in welcher das Wesentliche unter Hyperaktivitäten vieler Art verschüttet ist. Aus diesem Haus und seinem Garten heraus unternimmt er tägliche Spaziergänge, im Grunde Wanderungen in die Umgebung. Wer beginnt, dieses Buch zu lesen, wird sehr schnell in die Umhüllung...

Karl Ove Knausgard - Das Amerika der Seele

„Zu schreiben heißt, das Innere zu suchen, einen Ort, wo es das Soziale nicht gibt, man es aber sehen kann, einen Ort, wo Grenzen überschritten und auf diese Weise sichtbar und neu definiert werden.“ Lange habe ich gebraucht, um Das Amerika der Seele  von Karl Ove Knausgard zu beenden. Ein Buch mit achtzehn Essays zu so unterschiedlichen Themen wie die Kunst von Cindy Sherman, die Kunst von Sally Mann, die eigene Darmtätigkeit, Adolf Hitler, das Massaker von Utoya, Knut Hamsun, Sören Kierkegaard, die Bibel, das Schreiben….. Das Spektrum Knausgards scheint unendlich. Beim Lesen gewinnt man immer wieder den Eindruck, seiner persönlichen Spur zu folgen. Er sitzt in seinem Schreibzimmer, er liest, er taucht ein in den eigenen Raum von Stille und Nichts, aus welchem er dann seine Texte holt, die eine Kombination sind von ihm selbst, seinem Leben, und dem, was er so liest, während er arbeitet. Schon allein aus diesem Grund finde ich das Buch unendlich spannend. Es ist wie eine o...

Lesen, Schreiben & Trump

Einen Tag, nachdem Trump zum Präsidenten vereidigt wurde, also im Januar diesen Jahres, las ich und schrieb ich, aber ich hatte diesen Mann und was seine Wahl bedeuten würde, ganz schön im System. Heute entdeckte ich diesen Text, den ich damals schrieb. Ich möchte ihn hier teilen, auch, weil er ein paar Hinweise zu interessanten Büchern enthält, die mit Trump, Gott sei Dank, nichts zu tun haben.  Sie las gerade wieder mehrere Bücher parallel. Was ich liebe und was nicht von Hanns-Josef Ortheil, eine Art autobiografische Erzählung über alle möglichen Dinge, die der Autor eben liebt oder nicht liebt. Es gibt sehr schöne Stellen darin, die sie sogar ein wenig, manchmal, inspirierten. Aber im Großen und Ganzen findet sie das Buch, sie ist mittlerweile fast bis zur Mitte durch, teilweise beinahe unerträglich selbstgefällig und geschwätzig. Die ganze Zeit erwischt sie sich dabei, wie sie sich nach der Mayröcker sehnt oder Handke , nach Autoren, die ihr Ego so vollständig heraus ne...