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Posts mit dem Label "Teju Cole" werden angezeigt.

Blaue Wunder

I want to live in the realm of possibility not in a place, where everything has already happened. Diese Woche ist in vieler Hinsicht sehr aufregend. Ich ahnte es schon vorher, und habe sie deshalb letzten Sonntag Abend mit zwei Gin Tonics und zwei Freunden im Südblock eingeläutet. Der Südblock ist eine der tollsten Kneipen in Berlin und muss natürlich seit Montag geschlossen bleiben. Ich wollte mich an diesem Abend also selbst trösten, dabei ist mir wieder aufgefallen, wie unglaublich gut ich Gin Tonic vertrage und dass es einfach der leckerste Drink ist. Meine Meinung! Ich wollte aber auch noch einmal in die Kneipe, in eine Kneipe, die ich so richtig mag. Keine Panik: Wir waren draußen, wir haben Abstand gehalten, das ganze Hygienekonzept ist sicher tausendmal besser als in jeder orthodoxen Kirche, wo, ich hörte es kürzlich von einem Mitglied, immer noch aus einem Kelch getrunken wird.  Wir sind wieder in einer Art Lockdown. Aber ehrlich gesagt fällt es hier in Berlin, abgesehen...

Was gerade geschieht ....

.... darüber fehlen mir alle Worte. Ich spreche mit Menschen darüber, mit Freunden oder meiner Tochter, aber sprechen ist von meiner Seite aus das falsche Wort. Denn wenn ich überhaupt etwas sage, dann eher so: "Ich kann dazu nichts sagen. Es steht mir nicht zu. Ich merke, dass ich absolut nichts weiß, also wäre es idiotisch, mit einer Meinung herum zu wedeln. Ich halte den Mund und wenn ich ihn öffne, dann höchstens, um Fragen zu stellen. Ich erkenne plötzlich, dass und wie auch ich Teil dieses Problems bin, das Rassismus heißt und das ist eine tiefgehende Erkenntnis und ich weiß nicht, was sich in ihrem weiteren Verlauf alles für mich ändern wird, aber ich bin ganz sicher bereit dazu." Ich merke, wie ich einfach nur lernen möchte, über Rassismus, über mich und warum wir alle jemanden brauchen, auf den wir herab schauen können, dieses ganze System, in dem wir leben, braucht immer Leute, die weniger wert sind. Damit sind wir alle groß geworden und wir sind froh, wenn wir e...

Corona Tagebuch (3)

Granada letzten Sommer, Spanien steht jetzt auch unter Quarantäne  Gerade lese ich das Buch „ Jakobsleiter “ von Ljudmila Ulitzkaya. Darin wird einer der Charaktere mehrfach verbannt, so dass er im Grunde kaum Zeit mit seiner Frau und seinem Sohn verbringen kann. An einer Stelle denkt er, er wird am nächsten Tag entlassen. Aber dann wird er gleich wieder verhaftet und zu weiteren drei Jahren Verbannung, in Sibirien, verurteilt. Es beeindruckt mich, wie positiv dieser Charakter bei all diesem Elend bleibt. Er ist fest entschlossen, selbst diesem Schicksal das möglichst beste abzuringen und es gelingt ihm. Jakow Ossetzky ist sein Name. Gerade jetzt, in dieser verrückten Zeit, kann ich sofort zu diesem Charakter einen Bezug herstellen. Denn es wird nicht anders gehen, als dass man sich bemüht, auch dieser Situation das positive abzuringen. Auch, wenn die eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Pläne sich zerschlagen und noch mehr zerschlagen, möglicherweise das ganze Leben sich ge...

Buch der Woche - Teju Cole, Open City

"Aus den Büchern erfuhr ich, wie vielschichtig die Welt ist, wie unterschiedlich. Für mich ist Amerika kein Monolith wie für Khalil. Ich weiß, dass es dort ganz unterschiedliche Menschen gibt, mit unterschiedlichen Vorstellungen, ...Aber die Welt soll endlich wahrnehmen, dass die so genannte arabische Welt auch kein Monolith ist, jeder von uns ist ein Individuum. Auch wir sind uns nicht immer einig." Teju Cole ist für mich einer der umfassendsten Chronisten der heutigen Welt, in welcher die Grenzen absolut durchlässig sind und eine der Hauptherausforderungen darin besteht, den Menschen dabei zu helfen, die Angst vor dem Fremden zu überwinden, das Fremde als etwas zu verstehen, das zu uns gehört. Vielleicht klingt das viel zu absichtsvoll. Möglicherweise besteht der Grund, Romane wie Open City zu schreiben in nichts geringerem als dem Wunsch, sich selbst zurecht zu finden in der Welt der durchlässigen Grenzen, in der es für einen Amerikaner mit schwarzer Haut anders ist als ...

Ein offener Geist - #JesuisAhmed et #JesuisCharlie

Das ist nicht nur ein Anschlag auf eine Zeitschrift und auch nicht nur auf die Kunst. Das ist ein Anschlag auf ein Europa, das den Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung Würde, Freiheit und gleiche Rechte zuspricht – auch und zumal den Muslimen. Tun wir, was den Tätern am meisten missfällt und den Opfern am meisten entspricht: Bleiben wir frei.“ 7. Januar 2015 / Navid Kerman Vermutlich bin ich nicht die einzige, die seit den Ereignissen in Paris über alles mögliche nachdenkt. Vor allem stoße ich dabei auf meine eigene Selbstgerechtigkeit und Engstirnigkeit. Ich denke eigentlich ziemlich häufig, dass ich Bescheid weiß. Sobald ich das denke, führt es eigentlich iimmer zu etwas Ungutem. Im Endeffekt führt diese Haltung zu Ereignissen wie in der Redaktion von Charlie Hebdo, in der engstirnige, selbstgerechte Fanatiker andere Menschen umbringen und glauben, ein Recht dazu zu haben. Aber dieser Fanatismus nimmt immer seinen...

Meine Lieblingsbuchhändlerinnen stellen ihre aktuellen Lieblingsbücher vor (6)

Die Buchhändlerinnen Katja Weber und Jessica Ebert stellen in loser Folge hier Bücher vor, die Ihnen gerade gut gefallen oder einfach aufgefallen sind. Sie lesen ständig und wenn der seltene Fall eintritt, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich als nächstes lesen oder aber einer Freundin schenken soll, habe ich bei den beiden noch immer Hilfe gefunden.  Alle hier genannten Bücher könnt Ihr natürlich in ihrem wunderbaren Buchladen  ebertundweber  in Kreuzberg kaufen.  Hatte ich erwähnt, dass es mein Lieblingsbuchladen ist?  Liebe susanne- habe folgende bücher gelesen: open city /teju cole ein roman, der fast wie ein reiseessay daherkommt. ein einsamer icherzähler, der sehr viel durch städte streift (new york und brüssel).er wird immer wieder mit seinen afrikanischen wurzeln konfrontiert, pflegt eine intensive beziehung zu seinem alten professor, hat zufällige liebesbegegnungen und ein verdrängtes geheimnis aus seiner jugend. unaufgeregt und tro...