Direkt zum Hauptbereich

Buch der Woche - AEnglisch von Sarah Kirsch


"Wunderbar als early birds  beim Italiener nahe am Hafen britisches Rind gegessen. sehr gut isses gewesen. Im schönen Licht retour. Sonnenfinger durch Wolkenlöcher. Jeden Tag mindestens 7 km geloofen. Bin bei 54 Kilo Gewicht, wenn die Waage hier stimmt."

Das Reisetagebuch AEnglisch von Sarah Kirsch, in dem diese über eine Reise nach Cornwall und Devon berichtet, die sie im Jahre 2000 mit ihrem Sohn Moritz unternommen hat, ist eine leichte und beschwingende Lektüre. Ich möchte jetzt auch sofort Cornwall und Devon bereisen, zum Beispiel in St. Ives das Atelier von Barbara Hepworth besuchen, das auch in meinem Buch Meine hippe Hütte aus dem Knesebeck Verlag so verlockend beschrieben wird. Man möchte England einmal bereisen und sich an der Exzentrizität der Engländer laben, die sprichwörtlich und bekannt ist, die von Sarah Kirsch im schmalen Buch immer wieder bestätigt wird. Da fahren Züge früher ab, weil voll, und in Hotels gibt es keinen Stuhl aber eine nackte Glühbirne als Lampe. Sarah Kirsch lässt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen. Vielmehr scheint man bei der Lektüre Zeugin zu sein des Prozesses, in welchem sie sich die Eindrücke genießerisch einverleibt, um daraus später Worte zu gebären. Ich mag das Buch, weil ich gerne Tagebücher lese und dieses in vieler Hinsicht originell ist. Niemand schreibt wie Sarah Kirsch. Wie Sarah Kirsch schreibt, kann ich eigentlich gar nicht beurteilen, denn dies ist mein erstes Buch von ihr. Aber ich lese es und glaube, sofort einen Teil dieser Schriftstellerin, die eine der großen deutschen Lyrikerinnen ist, zu begreifen. Ihren Humor und ihre Eigenart, die etwas burschikoses hat, fast schnodderig, lebensfroh und neugierig, jemand, der sich auf gar keinen Fall für dumm verkaufen lässt und die Schönheit Cornwalls zu schätzen weiß, ohne dabei Pilcher-mäßig enthemmt zu schwärmen. Da ist so eine unprätentiöse,berlinerische Schlauheit in jedem Tagebucheintrag, eine Ehrlichkeit, die es nicht nötig hat, sich hinter der Maske der Schickeria, der Kulturtätigen, der Berühmten, die sie damals längst war, zu produzieren. Landschaftsbeschreibungen folgen solchen von Momenten der Ruhe im Hotelzimmer, wo sie sich selbst ihren Koffie zubereiten kann, was sie freut und sehr genießt, Besichtigungen, Spaziergänge, creamed tea sessions im einen oder anderen Café, Regen und Sonne, "Später sind wir noch uff zwei Leuchttürme gestiegen mit allerlei maritimem Kram. Auf dem kleinen durfte man draußen sich vom Winde umarmen lassen. In dem großen gab es eine umfangreiche Radio-Sammlung...Ich fand so ein Radio-Modell, wie ich es aus meiner frühesten Kindheit noch kenne. Das im letzten Kriegsjahr aber abgegeben weerden mußte. Weshalb weeß der Kuckuck! Kann mir das jemand sagen?"
Angereichert wird der kleine Band aus der Deutschen Verlags Anstalt  durch Fotos und Faksimile-Seiten aus dem Original-Tagebuch. Eine wirklich lohnenswerte Lektüre, nicht nur für jene, die es nach Cornwall zieht.

(c) Susanne Becker 


Kommentare

Beliebte Texte

Travelling Home

You are like a foreign country. I do not speak your language. Drowning in your eyes, which I can not read. What you do, goes right through me, cuts me open, I think, I might lose myself, in you, which is a story about you, which is a story about myself.
The first time we sat in a train, you sat across from me, told me about your life. I knew, I would rather not leave the train, ever. What feels like home? Riding around Berlin in a train, listening to your story, swimming in your eyes away from what I knew as home, but was not. Never could be, because I moved in, when I was a stranger to myself.
Every plastic flower on the table, in the vietnamese restaurant, remember? was the most beautiful thing, I ever laid my eyes on. Of course you. The shabby plastic table. The pho was very good! Best soup, I ever tasted, while locking myself into your universe.
You are like a foreign country. I travel you, and while getting lost, again, I find so much about myself, I never knew existed.…

Asymmetrie von Lisa Halliday

"He called her mermaid. She didn't know why."
Gerade habe ich Asymmetrie von Lisa Halliday beendet und vielleicht ist es eines der Bücher, das mich am stärksten aus meiner „comfort zone“ katapultiert hat. Weil eine amerikanische, weiße, im Grunde privilegierte Frau, die in der Literaturwelt arbeitet, ihren Horizont so derart transzendiert, dass es sie in die Lage versetzt, mit der Stimme eines irakisch-amerikanischen Mannes zu schreiben, der am Londoner Flughafen davon abgehalten wird, in Großbritannien einzureisen. Dabei möchte er dort nur zwei Tage bleiben, seinen Freund Alastair, einen Kriegsjournalisten, treffen und dann, über Istanbul, weiter in den Irak reisen. Aber man lässt ihn nicht. Er hat zwei Pässe. Er ist auch Iraker. Irakisch ist eine der verdächtigen Nationalitäten. Terroristen sind Iraker. Die Geschichte dieses Mannes, seiner Familie, ein Teil der Geschichte des Irak macht aber erst den zweiten Teil dieses wunderbaren Buches aus. Im ersten Teil hat die I…

Anke Stelling, Schäfchen im Trockenen

"Wir sind Opfer. Und unseres Glückes Schmied! Wir machen uns gut in egal welcher Kulisse, sind die Protagonisten unseres Lebens."


Anke Stellings neues Buch Schäfchen im Trockenen habe ich verschlungen. Es ist großartig geschrieben und mit seiner Handlung so nah am Leben dran, wie man es selten findet, an dem Hier und Jetzt von mir und vielen meiner Freunde, die mit Kindern und der existentiellen Unsicherheit mitten in Berlin, mitten in einer großen Stadt in Europa leben, wo Neoliberalismus und Kapitalismus die Werte vorgeben und man, plant man schlecht, auch sehr leicht unter die Räder kommen kann. Vielleicht vor allen Dingen dann, wenn man sich dem Leben mit Chuzpe und offenen Armen, voller Vertrauen, ein wenig ausliefert. Hier springe ich vom Zehnmeterbrett, mach' mit mir, was Du willst, Du verrücktes Leben!
Resi ist Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und hat ein Buch über ihre Freunde geschrieben, die im Rahmen einer Baugruppe ein tolles eigenes Hau…