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Perform a random act of kindness every day

Ein perfekter Moment  zufälliger Nähe
Lilly mit einer lebenden Statue
(C) Martin von Elm
Vor nicht allzulanger Zeit sah ich diesen Ted Talk von Amanda Palmer.
Was sie darin sagte, vor allen Dingen über zufällige Nähe, mit völlig Fremden, hat mich nie wieder losgelassen. Seitdem bin ich freundlicher geworden, so als eine Art Selbstversuch. Was geschieht, wenn Du wildfremde Leute einfach ganz offen anschaust und dabei lächelst? Lustigerweise strahlen die meisten sofort zurück, als hätten sie nur darauf gewartet, dass jemand in ihrem Gesicht ein Lciht anzündet. Seltsamerweise also ist durch Amanda Palmer und meinen auf ihren TedTalk folgenden Selbsetversuch mein Universum ein freundlicheres geworden. Seltsamerweise, ja vielleicht vielmehr logischerweise, bestehen meine Tage seitdem aus so unzählig vielen Momenten von Nähe, mit Freunden und mit Fremden. Jeder dieser Momente erzeugt Glück.

Gestern schrieb ich diesen kleinen Text dazu, der vermutlich noch in dem Roman, an dem ich gerade arbeite, Verwendung finden wird. Aber zunächst einmal hier, in meiner persönlichen kleinen Schatzkiste, meinem Blog.

Wenn es darum geht, Räume zu öffnen, dann kann dies immer nur und zuerst im eigenen Bewusstsein geschehen.

Begehe einen zufälligen Akt, 
bestehend aus nichts als Freundlichkeit, 
möglicherweise sogar einem Fremden gegenüber, 
besser sogar einem Fremden gegenüber. 
Das erhöht den Grad der Zufälligkeit noch um ein gehöriges, zufriedenstellendes Maß. 
Begehe einen zufälligen Akt, 
bestehend aus nichts als Freundlichkeit, 
arglos müsste er sein, jeden Tag, 
das nun nicht zufällig, sondern als eine Art Selbstverpflichtung dem Leben gegenüber, 
jenen gegenüber, die sehr unfreundlich die Macht der Welt an sich reißen. 
Begehe einen zufälligen Akt, 
bestehend aus nichts als Freundlichkeit und begreife, 
dass du umgehend ein Teil der Widerstandsbewegung bist, 
die sich gegen all das Negative stellt, das gefühlt oder empirisch belegbar diese Welt gerade so rücksichtslos an sich zu reißen scheint, möglicherweise zerstören wird. 
Das wissen wir noch nicht.

Begehe einen zufälligen Akt, täglich, 
bestehend aus nichts als Freundlichkeit, einem Fremden gegenüber. 
Genieße die sich daraus ergebende absolute Freiheit. 
Begehe einen zufälligen Akt, 
bestehend aus nichts als Freundlichkeit, 
möglicherweise dem nächsten Menschen gegenüber, 
der Deinen Pfad kreuzt und stelle fest, wie zufällig absolute Nähe geschieht, 
so zufällig, Du kannst Dich im Grunde hundertprozentig darauf verlassen, 
dass zufällige Nähe entstehen wird, wenn Du zufällig freundlich bist zu Menschen. 
Spare Dich und Deine Freundlichkeit nicht länger auf. 
Vergeude Dich und Du wirst sehen, was geschieht. 

(c) Susanne Becker

Kommentare

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