Berlin

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Sonntag, 22. Februar 2015

raumschiff

Spring I love you by Martin von Elm

(für lilly und johann)

gestern der erste krokus
auf der wiese lila innen
orange leuchtend ein wenig
schon platt getrampelt von
beflügelten kinderfüßen auf dem
weg hinauf auf den baum ins
raumschiff selbst gebaut vor
einem jahr mit brettern und
baustellenflatterband in die
äste geknotet und gestemmt
alles allein immer noch tiptop
nutzbar dieses raumschiff nach
einem jahr dem krokus auf den
kopf auch egal zu einem glücks
gefühl sich hinauf schwingen nicht
nur kindliches es wird frühling und
dann auch bald sommer vermutlich
für jeden der den überblick bewahrt
dort oben im baumraumschiff ziehen
die winterwolken schneller vorüber


© Susanne Becker

Mittwoch, 18. Februar 2015

Karen Köhler - Wir haben Raketen geangelt (Das Leben ist kein Ponyhof!)

Karen Köhler Motiv05
Foto von Julia Klug
"Die Gehirnforscher haben auch herausgefunden, dass wir eigentlich gar keinen freien Willen haben, sondern unser gesamtes Handeln bestimmt ist von einer gigantischen Rechenleistung unseres Unterbewusstseins. Selbst wenn wir denken, wir entscheiden etwas spontan, hat unser Gehirn das alles vorher schon durchgerechnet." aus Das Wild ist scheu, der vorletzten Geschichte aus dem Buch Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler.

Eine Frau steigt mit ein paar wenigen Dingen, darunter eine Isomatte und ein Vogelbestimmbuch, auf einen Hochsitz mitten im Wald. Am Anfang der Geschichte denke ich noch, sie macht einen kleinen Ausflug in die Wildnis, so wie eine Eremitin, um sich selbst zu finden oder so. Sie schreibt jeden Tag etwas in ihr Tagebuch, das sie für B. führt.Beobachtungen der Natur und ihrer selbst. Erst allmählich wird einem klar, dass sie dort hoch gestiegen ist, um zu sterben, bewusst. Sie isst nicht mehr und trinkt nur wenige Schlucke täglich, bis ihr das Wasser ausgeht und sie versuchen muss, Regenwasser zu sammeln. Die Geschichte ist wunderschön. Es ist eine meiner liebsten aus dem Buch. Denn Karen Köhler lotet in ihr einen Bereich aus, in den man ungern als Mensch kommen möchte. Er ist aber im menschlichen Spektrum der Möglichkeiten vorhanden. Es kann den Punkt geben, an dem eine Verzweiflung größer wird als ein Leben wollen. Es kann ein Punkt kommen, an dem man diese Tatsache akzeptiert und den Widerstand aufgibt. Diesen Punkt lernen wir kennen in der Geschichte.

Im tibetischen Buddhismus gibt es den Begriff des Spiritual Warrior, besonders bekannt geworden durch Chögyam Trungpa. Ich habe lange gar nicht verstanden, was damit gemeint sein könnte und aufgrund des Wortes Krieger immer etwas aggressives damit assoziiert. Aber der Spiritual Warrior ist kein aggressiver Soldat, sondern jemand, der dem Leben offen und mutig entgegentritt und nicht versucht, ihm auszuweichen.Jemand der weiß, dass das Leben weh tut und das dies dazu gehört, unvermeidlich. Jemand, der sein Herz brechen lässt, weil er es immer offen hält. In diesem Sinne sind für mich die Charaktere Karen Köhlers Spiritual Warriors.
Wir haben Raketen geangeltBei der Lektüre des Buches schoss mir (Achtung: unpassend!)  immer wieder der Satz "Das Leben ist kein Ponyhof" durch den Kopf. Ich las es zum größten Teil an dem Tag, an dem ich sechs Termine bei meiner Augenärztin hatte, weil der Verdacht bestand, ich könnte Grüner Star haben. Der Tag war verrückt. Ich saß, bei grauem Himmel und 4 Grad Plus auf einer Mauer auf dem Tempelhofer Feld und las Geschichten über Menschen, die in krasse Situationen kommen. Dann trabte ich wieder in die Praxis.Das ging den ganzen Tag so hin und her. Manchmal ging ich auch in ein Café oder eine Buchhandlung. Aber meistens las und fürchtete ich mich. Vielleicht ist es also gar nicht verwunderlich, dass ich mich ihnen allen auf so eine allgemein menschliche Weise im tiefsten Inneren verbunden fühlte? Denn ich hatte ja auch das Gefühl, mich auf eine krasse Extremsituation unaufhaltsam zuzubewegen.

"Obwohl wir Namen haben, sogar ganz normale, also keine ultradoofen wie Babsi und Horst oder so, benutzen wir sie miteinander nicht. Wir haben Kosedinger. Du sagst Krassiwaja. Ich Libero. Libero, weil ich dich frei denke. Und nicht an Fußball und irgendwelche Verteidigungen, wie du immer behauptest. "(aus der Titelgeschichte Wir haben Raketen geangelt). Die mochte ich auch sehr. In 31 kleinen Abschnitten wird von einer Freundschaft erzählt, die über den Tod hinaus geht. Ein bißchen kitschig aber sehr schön!

Äußerlich geschieht in den Geschichten gar nicht so viel. Es sind keine von abenteuerlichen Handlungen voran getriebenen Plots. Vielmehr finden die Protagonisten sich bereits wieder in Situationen, die in jedem Fall abenteuerlich zu nennen sind und die Handlung entsteht durch ihre Reaktion auf das Zugestoßene. Ein Verlassen werden, ein Krebs, ein Alkoholikervater, der Unfalltod eines geliebten Menschen  - diese Dinge haben bereits stattgefunden. Die Geschichten erzählen davon, wie die Menschen sich demgegenüber dann positionieren.

Ich mochte das Buch sehr, obwohl ich vorher gedacht hatte, es wahrscheinlich eher nicht zu mögen. Alle mochten es schließlich und so ein bisschen ging mir der Hype auch auf die Nerven. Es wäre allerdings blöd, Bücher nicht zu lesen, weil so viele sie toll finden. Dann hätte ich auch Nino Haratischwilis "Das achte Leben verpasst und eine Menge anderer wunderbarer Bücher.
Ich weiß ziemlich genau, was mich bei Büchern anspricht. Lange dachte ich, Kurzgeschichten kommen sowieso nicht in Frage, außer wenn von Alice Munro natürlich. Dann traf ich zufällig eine Buchhändlerin, die ich sehr schätze. Sie war ohne jede Einschränkung begeistert und empfahl mir das Buch. Sie sagte sogar etwas in der Art von: Das musst Du lesen! Du wirst es lieben! Die Betonung lag dabei eindeutig auf DU.
Karen Köhler hatte auch bei ihr im Laden gelesen und es muss eine sehr schöne Veranstaltung gewesen sein, die ich leider verpasst habe. Wie sie so davon erzählte, leuchtete sie vor Begeisterung und da wusste ich, dass ich eigentlich um dieses Buch und diese Autorin nicht herum kommen werde.Gott sei Dank hatte dann eine Freundin ein Einsehen und schenkte es mir.

Ich sehe Autoren gerne mal bei einer Lesung. Vor allem solche, die es lieben, auf der Bühne zu sein, dafür ein Talent haben (Sasa Stanisic zum Beispiel könnte man vermutlich fast als Rampensau bezeichnen. Ich würde zu jeder Lesung von ihm jederzeit gehen, und wenn er Einkaufszettel vorläse!).
Das heißt nicht notwendig, dass sie gut schreiben (Sasa Stanisic schreibt aber gut!). Das sind in manchen Fällen zwei verschiedene Schuhe.Heutzutage wird das oft vermischt und Bücher werden veröffentlicht, weil die Autorin oder der Autor als Person Marktwert besitzt, sich auf einer Bühne wie ein Fisch im Wasser benimmt und eine Crowd anzuziehen vermag. Die Bücher sind dann unter Umständen irrelevant. Sie werden trotzdem gekauft und alle lesen sie. Dadurch werden sie dann wieder relevant.  Ich gebe zu, ich dachte, das Buch von Karen Köhler könnte in diese Kategorie gehören, irrelevant aber trendy sozusagen und dadurch relevant. Keine Ahnung, wie ich darauf kam. Gut, dass ich da noch die Kurve gekriegt habe, sonst wäre mir ein wirklich großartiges Buch entgangen.

Die Personen in den Geschichten erkannte ich zum größten Teil wieder, als wären es alte Bekannte. Den Rest der Leute würde ich durchaus gerne kennen lernen. Man kann Geschichten lesen, gerade weil einem alles darin fremd, exotisch, deshalb auch spannend vorkommt. In Köhlers Fall las ich weiter, weil ich das Gefühl hatte, in den Geschichten irgendwie sowieso schon zu wohnen. (Ort, an den ich nach der Lektüre ihres Buches auf keinen Fall möchte: Kreuzfahrtschiff. Orte, an die ich nach der Lektüre ihres Buches auf jeden Fall möchte: die Lofoten, das Death Valley, Sibirien)
Was jetzt missverständlich klingen könnte, denn viele ihrer Geschichten haben mit Selbstmord, Krebs, Tod zu tun. Das ist keine lockerleichte Lektüre. Aber trotz der Themen ist es auch keine deprimierende Lektüre. So wie alle und alles miteinander verwoben sind, gehören Tod und krasse Veränderungen zum Leben. Wie wir Menschen damit umgehen ist unter anderem das, was unser Leben ausmacht. Köhlers Charaktere haben alle, und das verbindet sie für mich, Frontalzusammenstöße mit den Unvermeidlichkeiten des Lebens. Sie stellen sich diesen auf ihre je eigene Art. Da sind keine Drückeberger dabei oder Leute, die sich wegducken, wenn das Leben sich von allen Seiten zeigt. Allerdings sind es auch keine coolen Heldinnen und Helden, die die Zusammenstöße mit dem Leben einfach so abwischen wie ein paar Schuppen vom Kragen. Sie reagieren heftig auf Tod, Krankheit, Verlassen werden. Unverstellt. Das ist ein Wort, das mir einfällt. Im Gegensatz zu auf Wirkung bedacht und also verstellt. Köhlers Figuren reagieren aus dem Bauch. Sie machen Dinge, die irgendwie angemessen sind, wenn man die Extremität der Situationen bedenkt. Sie versuchen, einigermaßen die Haltung mit Würde zu bewahren und bleiben immer 100% authentisch.
In Familienportraits, beklemmend, flanieren Blitzlichter aus verschiedenen Familien am Leser vorüber. Jede einzelne Episode hätte in der Straße meiner Kindheit ihren Ausgang nehmen können, manche auch im Wohnzimmer meiner Eltern. Natürlich kommen einem diese Geschichten nah, und das ist Teil ihres Charmes für mich.
Großartig fand ich die letzte Geschichte von der 70jährigen Frau, die ganz allein in der Einsamkeit Sibiriens irgendwo gestorben ist, Findling. Sie war am Rande vorher aufgetaucht, in einer anderen Geschichte. Dass es manchmal so kleine Verwebungen gibt, Dinge zweimal auftauchen, Verbindungen hergestellt werden - mir hat das sehr gefallen, weil es zeigt, das alles und alle sowieso miteinander verbunden sind Irgendwie kam es mir so vor, als wären letztlich alle diese Figuren eins, so unterschiedlich auch die Geschichten, die Settings und die Erzählstimmen sind.

Heute hatte ich mit einer meiner Lieblingsbuchhändlerinnen ein Gespräch über das Buch. Als ich erwähnte, dass ich es unter anderem so großartig finde, weil den Personen zwar eigentlich nicht viel Tolles geschieht, man aber trotzdem nie das Gefühl hat, es seien negative Geschichten, schüttelte Jessica den Kopf und meinte: "Wieso? Das war doch ein super positives Buch! Was ist denen denn schlimmes passiert?" Ich: "Krebs, Tod, Selbstmord...um nur ein paar Sachen zu nennen." Sie guckte mich irritiert an. Schüttelte wieder den Kopf und meinte: "Nein, das ist nicht wahr. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Indianer, da passiert doch nichts schreckliches."
Ich: "Doch, ihr wird der Rucksack mit allem geklaut und der Indianer wird krankenhausreif geschlagen!"
Sie guckt mich wieder an, als spräche ich von einem anderen Buch und nach einigem Hin und Her stimmen wir schließlich darin überein, dass das vielleicht die heraus ragende Qualität des Buches ist: Den Protagonisten widerfahren nicht so wirklich viele tolle Dinge, aber es ist nicht schrecklich. Es ist das Leben. Auch das ist das Leben. Eben kein Ponyhof!

Zum Schluss möchte ich noch sagen, auch wenn das manchem vielleicht nebensächlich erscheinen mag, dass ich Wir haben Raketen geangelt wirklich ein wunderschön und so passend gestaltetes Buch fand. Ich habe mit großem Vergnügen den Schutzumschlag entfernt und daraus eine Art Poster (Sternenkarte) gemacht. Aber ich habe es nicht aufgehängt sondern wieder zurück gefaltet und dem Buch seinen Mantel wieder umgelegt..
Gerade lese ich noch ein Buch aus dem Hanser VerlagDie juristische Unschärfe einer Ehe und auch da fällt mir wieder auf, wie geschmackvoll es gestaltet ist. Wenn man den Mantel abnimmt, leuchtet das Buch in einem zarten Grün, so wie Köhlers in einem knalligen Hellrot leuchtet, (das aber perfekt zum Blau des Mantels passt). Ich mag die Farbwahl und muss das an dieser Stelle mal sagen, dass die Hanser Bücher auch wegen dieser tollen Farben zu den schönsten gehören, die es momentan gibt.

© Susanne Becker

Dienstag, 17. Februar 2015

im garten

nach den windrädern ist
der luftraum gesperrt
auf treten die nacktschnecken
scharenweise bis aufs
plumpsklo reichen ihre
schleimigen spuren gräser
wehen kirschen aufs haupt
barfuss im matsch ahne ich
den silberstreifen am
horizont nur mehr mit
meinen flügelspitzen und
hebe dennoch ab ins
tiefste blau goodbye wehmut

© Susanne Becker

Samstag, 14. Februar 2015

anleitung

das sollte ich tun
um sechs uhr aufstehen meditieren
yoga machen und dann an den
schreibtisch nein besser um fünf
denn sonst stehen die anderen
auf bevor ich sitze bevor ich am
schreibtisch sitze ich sollte täglich
schreiben meditieren und yoga machen
allein die disziplin wird etwas bewirken
mehr noch wenn ich dabei freundlich
bleibe vor allem zu mir selbst zu anderen
auch auch zu anderen sooft wie
möglich in den garten fahren allein
allein auch über nacht und dort der
angst bis auf den grund gehen nicht
auf den leim auf dem grund der angst
findet sich eine menge der wahrheit mit
der man auftauchen kann zum licht
und dann den alltag nicht vergessen
putzen wäsche abwasch nicht ungern
nicht widerständig machen sondern
freundlich zu mir selbst zu jeder tasse
zu jeder schmutzigen unterhose auch
denen der anderen vor allem diesen
gegenüber könnte ich freundlich sein
selbst ein lächeln wäre nicht verkehrt

das sollte ich lieber lassen
den alltag und mit ihm mein ganzes
leben mit einem hadern und zweifeln
betrachten als wäre es der testlauf
als komme noch die premiere von
etwas großem auf mich zu das tratschen
über andere all die energie die ich
verschwende indem ich mich im leben
anderer tummele wie ein fisch im trüben
wasser fischend im trüben nichts kann
dabei heraus kommen das für irgendwen
von nutzen wäre jemals und dann das
widerstand leisten gegen jeden ungebetenen
gast jede frage jede bitte man glaubt ja nicht
was einem alles so ungelegen kommen kann
an einem ganz normalen tag jeden tag mitten
in der stadt im eigenen leben stören die
anderen die menschen und das wetter einen
auf aus einer eingebildeten ruhe und darüber
werde ich ungeduldig und wütend und zynisch
auch auch das wäre zu unterlassen wenn
irgendmöglich am besten gleich denn jeder
weitere atemzug investiert in diese aktivitäten
ist wie eine verschwendung meiner selbst

© Susanne Becker


Samstag, 7. Februar 2015

Die nächsten Bücher, die ich lesen werde


  • As Consciousness is Harnessed by Flesh von Susan Sontag, ihre Tagebücher von 1964 bis 1980. Ich habe bereits begonnen, ein wenig darin zu lesen. Zwei Dinge geschehen, während ich lese: oft verstehe ich seitenlang nicht, wovon sie spricht. Meine Kenntnisse von Autoren, Philosophen, Filme etc. reichen nicht aus, um ihren Ausführungen zu folgen. Alleine die Lektüre dieses einen Tagebuchs könnte bei mir die Anschaffung eines Bücherberges auslösen, um mir ihr Wissen anzueignen, ich würde zig Filme sehen müssen, von denen ich noch nicht einmal gehört habe. Ich erinnere mich an meine Studienzeit, wo ich für derartige Lese- und Studienexzesse ja noch wirklich Zeit hatte und wo mich die Lektüre eines solchen Buches für Tage in der Bibliothek verschwinden ließ, aus der ich dann mit bergeweise Büchern zurück kehrte. Das zweite, was geschieht ist, dass ich die Weite ihres Horizonts so deutlich spüre, selbst in den Ausführungen, denen ich inhaltlich nicht folgen kann, spüre ich doch die unglaubliche Weite im Raum, in dem auch ich mich ganz frei bewegen kann. Insofern lerne ich bei jeder Seite Neues und nehme meine Freiheit wahr, in der ich mich unglaublich inspiriert fühle. Von daher genieße ich die Lektüre unglaublich. Sie regt mich auf jeder Seite an.
  • Olive Kitteridge von Elizabeth Strout. Ich habe das Buch schon einmal vor etwa zwei Jahren gelesen. Es hat mich damals sofort begeistert. Durch Zufall erfuhr ich dann, ich glaube, es war sogar über Facebook, durch irgendeine amerikanische Freundin dort, dass HBO eine Miniserie mit gleichem Namen produzierte, und zwar mit der göttlichen Frances McDormand in der Titelrolle. Wenn irgendjemand eine perfekte Olive Kitteridge ist, dann sie. Das Buch besteht aus dreizehn einzelnen Geschichten, die alle auch für sich stehen könnten. Zusammen ergeben sie den Roman, der den Pulitzer Preis 2009 gewonnen hat. Die Charaktere sind einprägsam, liebenswert, düster und kommen einem an manchen Stellen so nah, dass man sie küssen oder schlagen möchte. Also alles wie im richtigen Leben. Ich schaue gerade die HBO Serie und sie ist so gut, so unglaublich gut, wirklich genau so gut, wie ich das Buch erinnere, so dass ich das Buch aus dem Regal geholt und wieder in meinen SUB eingereiht habe.
  • Ein Stammbaum von Patrick Modiano. Weihnachtsgeschenk eines Kollegen. Wollte natürlich sowieso etwas von ihm lesen. Er hat den Nobelpreis für Literatur 2014 gewonnen und ich kannte den Mann noch nicht mal! Schande! Man hört nur, wirklich ausschließlich nur, Begeistertes über ihn. Egal, in welchen Blog man schaut. Ein Stammbaum ist ein autobiographisches Buch über Modianos Kindheit, über seine unglückliche Kindheit. Ich glaube, dieses Buch ist ein guter Einstieg in sein Werk. Ich gehe davon aus, dass ich danach mehr von ihm lesen werde. Gräser der Nacht interessiert mich beispielsweise.
  • Verdächtige Geliebte von Keigo Higashino ist ein Weihnachtsgeschenk meiner Schwägerin. Ein japanischer Krimi, in dem die Mörderin von Anfang an fest steht. Aber ihr in sie verliebter genialer Nachbar bietet ihr ein Alibi. Ein ebenso genialer Gegenspieler auf Seiten der Polizei nimmt die "Verfolgung" auf. Ein bisschen rechne ich mit einem Duell wie bei dem Film Heat, in dem de Niro und Pacino umeinander herum schlichen. Geniale Gegner, die sich ein Duell liefern, auf hohem Niveau, das interessiert mich thematisch schon. Normalerweise lese ich sehr selten Krimis. Bislang habe ich eigentlich nur die Mankells gelesen und die Scarpetta Bücher von Patricia Cornwell, hauptsächlich weil sie in Richmond Virginia spielen, einem meiner Lieblingsorte, seitdem ich dort selbst einmal gelebt habe. Bei beiden Gelegenheiten konnte ich feststellen, dass ich die Lektüre von Krimis, sofern sie einigermaßen intelligent gemacht sind, durchaus genießen kann. Ich freue mich deshalb auf das Buch von Higashino. 
  • Die juristische Unschärfe einer Ehe von Olga Grjasnowa ist ein Weihnachtsgeschenk meines Mannes. Ich habe es mir gewünscht. In den letzten Monaten tauchte es ständig in den Blogs und Feuiletons auf und hat meine Neugier sehr angeregt. Ich mag den Titel, das Titelbild, die Handlung, sofern ich davon weiß: Dreiecksgeschichte zwischen Berlin und Baku. Zwei Frauen und ein Mann, die von Liebe träumen aber nicht wissen, wie man sie lebt. Ich mag das Zitat auf der Rückseite des Buches: "Man braucht nicht auf die Midlife-Crisis zu warten, man kann sein Leben auch schon mit Mitte Zwanzig wunderbar gegen die Wand fahren." Freue mich sehr auf die Lektüre!
  • A Meaningful Life von L.J.Davis ist das Geburtstagsgeschenk einer alten Freundin aus München. Es handelt von einem Mann, der eigentlich nach New York kommt, um zu schreiben, bei einem Verlag landet, dann in Brooklyn ein Haus kauft und so besessen davon ist, es zu renovieren, dass er sogar seinen Job dafür aufgibt.Er will seinen Traum verwirklichen und Wiedergutmachung für alles, was das Leben bislang an ihm versäumt hat. Eine schwarze Komödie. Der Roman stammt aus dem Jahre 1971. Die aktuelle Ausgabe ist versehen mit einem Vorwort von Jonathan Lethem. Achtung: Hinweis auf Qualität, meiner Meinung nach! Das Buch ist meines Wissens bislang nie auf Deutsch erschienen.
  • Runaway von Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro! Ich habe schon einmal hier erwähnt, dass ich geradezu süchtig bin nach den Geschichten von Alice Munro, die so wunderbar erzählt sind, dass man das Gefühl hat, sie wären einem selbst zugestoßen. Alles in ihnen ist immer so real, so wahr, so tröstlich, selbst in der Unerfülltheit oder Enttäuschung. Die Geschichten in Runaway, das auf Deutsch unter dem Titel Tricks bei Fischer erschienen ist, handeln von Frauen und der Liebe mit ihren Überraschungen und Betrügereien. Klingt extrem viel versprechend.
  • Frösche von Mo Yan. Noch ein Literaturnobelpreisträger (2012), den ich vorher nicht kannte. Ich kann mich nur an eine Karikatur erinnern, auf dem sein Name als Yo Man englisch ausgesprochen wurde, so als coole Begrüßung im Sinne von Hi Mann! Die Karikatur war eine Anspielung darauf, dass kaum jemand Mo Yan kannte hierzulande. Ich stolperte über dieses Buch, Frösche, irgendwann im letzten Herbst. Immer schon hat mich die Frage beschäftigt, was es bedeutet für Frauen, wenn ihnen von ihrer Regierung vorgeschrieben wird, dass sie nur ein Kind bekommen dürfen. Wenn alle anderen Kinder, die man eventuell empfängt, umgebracht werden. Ich bin absolut keine Gegnerin von Abtreibung. Ich bin eine Befürworterin der Freiheit. Ich finde die Vorstellung, meine Regierung hätte mir verboten, Lilly zu bekommen, meine zweite Tochter, so derart unvorstellbar. Es verschlägt mir den Atem. Und mein Herz öffnet sich für all diese chinesischen Frauen, die so viele ihrer Kinder verloren haben und verlieren. In Mo Yans Roman steht eine parteitreue Hebamme im Mittelpunkt, die Abtreibungen und Zwangssterilisationen verantwortet. Auch das ein Thema des Romans: wie ein im Grunde das Leben bejahender Beruf zu einem tödlichen Beruf werden kann. Ich kann es kaum erwarten, diesen Roman zu lesen.
  • Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler. Lustigerweise wollte ich dieses Buch eigentlich gar nicht lesen. Keine Ahnung. Jeder schwärmte davon. Als gäbe es eine Verschwörung aller Blogger und Literaturkritiker, dass sie, die zum Bachmannpreis nicht kommen konnte, weil sie die Windpocken bekam, diesen natürlich gewonnen hätte und überhaupt das beste Buch der Saison geschrieben hat. Ich kann da manchmal auf Durchzug schalten. Allerdings traf ich dann eine von mir hoch geschätzte Buchhändlerin (nein, nicht eine meiner Lieblingsbuchhändlerinnen, sondern eine ehemalige Mitarbeiterin von ihnen, die mittlerweile selbst einen sehr schönen Buchladen in Neukölln betreibt Die gute Seite) und die erzählte mir, dass sie Karen Köhler einfach eine Mail geschrieben hätte und diese doch nun tatsächlich bei ihnen gelesen hätte. Sie wäre einfach toll gewesen, als Person und überhaupt hätte sie den Laden gerockt. Ich merkte da schon, dass ich die Lesung ungern verpasst hatte. Dass ich eigentlich jetzt doch auch mal in dem Buch blättern wollte. Und das hat Gott sei Dank meine Freundin-Kollegin wortlos geschnallt und es mir zum Geburtstag geschenkt. "Obwohl du es ja eigentlich nicht lesen wolltest. Aber ich dachte, vielleicht hast Du Deine Meinung geändert." 


Ich finde alle diese Bücher so unglaublich spannend, dass ich im Grunde gar nicht weiß, in welcher Reihenfolge ich sie lesen soll. Am liebsten alle gleichzeitig.

© Susanne Becker

Montag, 2. Februar 2015

blurred


there is a friction in being visible
in holding on to who we really are
even if basically everybody is staring at us 
there is such a depth in this
to risk ourselves every moment
will take our breath away yet
it will open a room to be in - yourself

there is a friction in being invisible
in letting go of who we really are
while nobody is truly looking at us
there is so much sadness in this
to hide ourselves so seemingly easy
suffocating every inch of us
will reduce existence into a tiny box

there is a path written into everybody
a knowledge of what matters
visible or invisible breathing or suffocating
drawing a map of the colours and secrets
of tears and laughter the inner voice
every moment of our life another riddle solved
or denied a sky with a thousand stars
to risk ourselves is to become visible

there is a friction in being visible



© Susanne Becker