Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "#leavenoonebehind" werden angezeigt.

Corona Tagebuch (27)

Heute einen Spaziergang mit der älteren Tochter, zur Halbinsel Stralau. Wir sind am Ufer entlang gelaufen und haben auf all die verglasten Balkone und Terrassen geschaut, die dort in den letzten Jahren entstanden sind, Wasserblick, und entschieden, dass wir dort nicht wohnen wollten.  Es hat doch etwas gewollt modernes, das in der Konsequenz extrem spießig ist. Wobei ich, also, würde mir jemand so eine Wohnung schenken, ich wäre bereit, mich auf eine Testwohnphase dort einzulassen. Man fühlt sich bestimmt ein bisschen wie in Hamburg. Wir sprachen über die Auswirkungen des Lock Downs. Wir fragten uns, ob die wirtschaftlichen Folgen jemals behoben werden können. Der IWF rechnet mit der größten Wirtschaftskrise seit 1929. Das hat immer den Beigeschmack von: und wir wissen ja, wohin die uns geführt hat. Wir fürchten, dass uns diese von Corona eingeläutete Phase (nein, eigentlich wurde sie für mich mit Trumps Wahl im November 2016 eingeläutet, seitdem habe ich das Gefühl, es geht berg...

Corona Tagebuch (26)

Heute so: Deutschland nimmt 50 unbegleitete Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern auf. Ich gehe davon aus, dass wird jetzt nicht als bahnbrechender Erfolg gefeiert. Vielleicht dreht man sicher eher etwas verschämt weg, wenn man die Zahl vor sich hin nuschelt. Sachsen-Anhalts Innenminister sieht die Möglichkeit 1 (!!) unbegleitetes Flüchtlingskind in Sachsen-Anhalt aufzunehmen. Ohne Worte. 68 AfD-Abgeordnete treffen sich gestern zu einer Sitzung in einem Sitzungssaal des Deutschen Bundestages und beschliessen, dass sie darauf dringen werden, die Corona Maßnahmen möglichst schnell zu lockern. Es wäre natürlich ein Treppenwitz der Geschichte, wenn jetzt einer dieser Abgeordneten infiziert wäre und demnächst dann alle 68 Corona bekämen. Shit happens. Dem Klima tut der Lockdown sehr gut. In vielen Regionen ist zum ersten Mal seit Jahren klarer Himmel. Die Luftwerte verbessern sich messbar und der Stromverbrauch sinkt. Heute mit ein paar Menschen gesprochen. Was mich am meist...

Corona Tagebuch (25)

"Time passes. Could it be that I never believed it? Did I believe the blue nights could last forever?" - Joan Didion - Joan Didion gehört zu den Autorinnen, die ich als Vorbild bezeichnen würde.  Ihre beiden Bücher Blaue Stunden und Das Jahr des magischen Denkens  gehören zu den besten Büchern, die ich je gelesen haben. Sie dokumentieren einen Verlust, der fast nicht aushaltbar zu sein scheint. Sie verarbeitet darin den Tod ihres Mannes und dann auch noch den Tod ihrer Tochter, literarisch, auf einem Niveau, das einem den Atem raubt. Sie demonstriert eine Sprachbeherrschung, sowie eine persönliche Stärke, die mich immer wieder, ich habe beide Bücher bereits zweimal gelesen und werde sie vielleicht gerade jetzt zum dritten Mal lesen, unglaublich inspiriert hat, im Schreiben aber auch im Leben. Joan Didion hatte ein unbeschreiblich glückliches Leben. Sie lebte eine Ehe, die von Liebe geprägt war, über viele viele Jahre hinweg. Sie war und ist eine der erfolgreichsten...