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Posts mit dem Label "#ichschreibe" werden angezeigt.

Lesen heißt, die Worte als Lichter zu sehen

"Lesen heißt, die Worte als Lichter zu sehen, sie leuchten in der Dunkelheit, eines nach dem anderen, und Lesen bedeutet, den Lichtern ins Innere zu folgen."  Karl Ove Knausgård Für mich sind oft Bücher wie Lichter. Mein Lebensweg in die Zukunft gerichtet noch ein großes Fragezeichen, taste ich mich oft an den Büchern entlang, von Woche zu Woche, so dass das Lesen eine Spur wird, der ich folge. Ein Buch führt mich zum nächsten, gemeinsam ist ihnen, dass ich mit ihrer Hilfe versuche, das Leben im Allgemeinen, aber auch mein individuelles Leben zu begreifen. So war es auch ein bisschen in diesem Sommer. Ich las die neue Biografie über Simone de Beauvoir  von Kate Kirkpatrick. Sie ist im April im Piper Verlag erschienen. Das Buch führte mich auch in  meine Teenagerzeit zurück, als ich Beauvoir zum ersten Mal begegnete. Ich habe früher alles über und von Simone de Beauvoir gelesen. Dabei war ich nie ein Fan ihres Schreibens, sondern immer eher begeistert von ihrer Pers...

Corona Tagebuch (58)

  August. Schon August. Ein Sommer, der als Lockdown begann, scheu und sehnlich erwartet, geht schon wieder seinem Ende entgegen und ich bin nicht dafür bereit. Ich möchte noch so viele Male schwimmen gehen und meine Füße im Gras spüren.  Seit Wochen arbeite ich mich durch ein Buch von Joseph Goldstein. Ich hatte ihn hier schon mehrfach erwähnt. Er ist für mich ein großer Lehrer, obwohl ich ihn noch nie persönlich treffen konnte. Aber ich höre seine Talks auf Spotify oder anderen Seiten und das Buch Mindfulness. A Practical Guide to Awakening nährt meine Gedanken und auch mein Schreiben.  Heute fand ich darin ein wunderbares Zitat, das ich mit euch teilen möchte: "One of the many misconceptions we often carry throughout our lives is that our perceptions of ourselves and the world are basically accurate and true, that they reflect some stable, ultimate reality. This misconception leads to tremendous suffering, ...." Was, wenn immer alles anders wäre, als wir denken? ...

Corona Tagebuch (3)

Granada letzten Sommer, Spanien steht jetzt auch unter Quarantäne  Gerade lese ich das Buch „ Jakobsleiter “ von Ljudmila Ulitzkaya. Darin wird einer der Charaktere mehrfach verbannt, so dass er im Grunde kaum Zeit mit seiner Frau und seinem Sohn verbringen kann. An einer Stelle denkt er, er wird am nächsten Tag entlassen. Aber dann wird er gleich wieder verhaftet und zu weiteren drei Jahren Verbannung, in Sibirien, verurteilt. Es beeindruckt mich, wie positiv dieser Charakter bei all diesem Elend bleibt. Er ist fest entschlossen, selbst diesem Schicksal das möglichst beste abzuringen und es gelingt ihm. Jakow Ossetzky ist sein Name. Gerade jetzt, in dieser verrückten Zeit, kann ich sofort zu diesem Charakter einen Bezug herstellen. Denn es wird nicht anders gehen, als dass man sich bemüht, auch dieser Situation das positive abzuringen. Auch, wenn die eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Pläne sich zerschlagen und noch mehr zerschlagen, möglicherweise das ganze Leben sich ge...

Leere

Da, wo nichts mehr gesagt wird. Habe ich Quitten geerntet in einem inneren Garten. In diesem Jahr gab es keinen Schnee. Niemals wurde es still. Blütenstaub auf allen Wiesenflächen. Die Konturen verwischten. In einem leeren Raum können sie sich entwickeln. Langeweile. Schnee. Licht. Vorsicht, die Bienen sterben. Die Einzelteile der Liebe flattern im Wind. Das geöffnete Herz. Es ist eine Radikalität in allem. Sobald die Liebe der Zerbrechlichkeit die Stirn bietet, treten die Konturen hervor. (c) Susanne Becker

my soul meine mutter mi corazon (a poem, ein gedicht, una poema)

Mojacar Playa, Andalucia mi corazon mi alma mi madre cuando el amor es enconces se trata de la concentracíon, no otro, no te distraigas el mente es un patio de recreo concentracíon un juguete todo es posible te quiero mucho pero te dejaré ir el aplomo no actuar por necesidad la fragilidad de amar y no agárrarse fuerte la generosidad para abrir mi corazón a la verdad que veo cada corazón es un cielo me gusta el moviemento constante las estrellas todo es un milagro todo milagro es un explosíon nada queba como estaba te quiero mucho te dejo ir no sé quien eres el momento ha paso pero tu eres parte de mi mi cara es tu cara mi piel recuerda tu piel tu cara es en mi corazón es el cielo es una estrella fugaz es este poema   Museum Kornelimünster, Selfie vor einem Werk von Heinz Mack my soul              ...

Floßfahrt

Eine Zeitfalte insgesamt, Bruchteil des Sommers, auf dem Wasser verbracht, umgeben von Freundschaft, geschwommen in dem milden Wohlwollen des sich Kennens seit ewig. Nichts kann einen mehr aneinander aus der Fassung bringen. Man hat alles schon gesehen, bis auf den Eisvogel, der mit einem lauten Kreischen zwischen den Bäumen eintaucht. Wo jeder er selbst sein kann, ohne Rückspiegel, ohne Notbremse. Die Kinder springen vom Dach, in die Tiefe eines neuen Sees, kopfüber, täglich den Wagemut bestätigend, der eine Freundschaft ermöglicht, die alle Zeitfalten entlang gedauert hat.  (c) Susanne Becker

what i learn here, qué aprendo yo aqui, was ich hier lerne (a poem, una poema, ein Gedicht))

what i learn here  language is my playground but also: i learn beyond language no words needed words can be a wall everything is a poem a piece of green glass age is a myth a rock a snail shell my face is your face my face is a cloud is a poem could i put a coat of my words around you it would be a poem what i find here now i am very clear the object of art is freedom the subject too never for money always for love can we share this? yes: because poetry is in everything qué aprendo yo aquí la lenguaje es mi patio de recreo pero tambien: aprendo más allá de lenguaje mis palabras no son necesarias palabras como un muro todo es un poema un vidrio roto verde la edad es un mito una piedra una concha de caracol mi cara es tu cara mi cara es una nube es un poema yo me vesti con mis palabras como un abrigo sería un poema qué me encuentro aquí ahora soy muy clara el objeto de arte es libertad el sujeto tambien nunca por dinero si...

Gedanken über Nell Zink und sie selbst

„ gewaltige Ressourcen an Langeweile und Einsamkeit ausbeuten, um ungestört zu schreiben“ Nell Zink Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sie eine neue Schriftstellerin entdeckt. Ihr Name war Nell Zink. Sie lebte nur eine Stunde entfernt von Berlin, in einer sehr kleinen brandenburgischen Stadt, sie hatte auch mal in Virginia gelebt, sie war im gleichen Jahr wie sie geboren. Das reichte ihr persönlich, also, das waren genug Parallelen, um sich mit ihr auf eine seltsame Art und Weise seelenverwandt zu fühlen.  Diese Nell Zink hatte jahrzehntelang praktisch für sich selbst geschrieben, oder für einen Freund, und sich mit Gelegenheitsjobs, zum Beispiel auch als Sekretärin (womit sie eine weitere Parallele gefunden hatte!) über Wasser gehalten. Sie hatte gar nicht wirklich damit gerechnet, jemals veröffentlicht zu werden. Sie hatte auch keinerlei Lust auf den Literaturbetrieb. Ihren literarischen Durchbruch hatte sie dann Jonathan Franzen zu verdanken. Dem hatte sie nämlich, al...

Radtour in der Uckermark

Sie waren einfach drauflos geradelt, durch die Felder, und anstatt links zum See und zur Badestelle abzubiegen, waren sie geradeaus gefahren, in den Wald, dort dann irgendwann links, Richtung Fahrenwalde, wo der Wald immer dunkler und dichter wurde und sie an den Wald an der Ostsee, Preerow, Richtung Weststrand, erinnert hatte. Auch an Märchen hatte sie gedacht. Irgendwann kam ihnen ein in Militaryfarben gesprühter VW-Bus mit Berliner Kennzeichen entgegen, mitten im Wald, am Steuer saß ein vollbärtiger Typ, der sie dunkel taxierte. Neben ihm saß ein schmächtiger Typ mit dunklen Haaren und roter Basecap, der ebenfalls duster durch die Windschutzscheibe glotzte. Sie fuhren an ihnen vorbei. Sie musste unwillkürlich an die Coen Brothers denken, Fargo oder so. Links lag eine wunderschöne Lichtung. Da hielten sie an und waren gerade dabei, ihre Fahrräder an einen Baum zu lehnen, um sich die Lichtung genauer anzuschauen, da kam das Motorengeräusch wieder durch die Kathedrale der alten, rie...

Osterkoans 1996

Gerade lese ich meine alten Tagebücher, Stück für Stück, was zum größten Teil eine extrem gute Übung in Demut ist. Danach vernichte ich sie. Stück für Stück, was vor allen Dingen eine extrem gute Übung im Ballast abwerfen ist. Wenn man bedenkt, dass ich Tagebuch schreibe, seitdem ich 12 Jahre alt bin und mittlerweile in Band Nr. 176 schreibe, kann man sich die Menge an Kisten vorstellen, mit denen ich diese Journale durch mein Leben schleife, oder auch einfach unsere Wohnung voll stopfe. Bislang habe ich die gelesenen und nach noch Verwertbarem durchforsteten Bände (+ hallo, war die Menge an Verwertbarem beschämend gering!!) ins Altpapier gegeben, nur in New Mexico habe ich sie verbrannt. Dieses Jahr möchte ich die Bücher, die ich gelesen habe, aber alle verbrennen, im Garten. Das scheint mir symbolisch. Feuer  machen. Meine Vergangenheit dem Feuer übergeben, um Platz für die Zukunft und etwas Neues zu machen. Es gibt allerdings Momente des Lesens, in denen könnte ich auch l...

rauhnächte

nichts sagen, damit da ein raum ist zwischen den tauben & den schnäbeln für die wahrheit, die ja liebe ist, also die wahrheit ist immer ….. während ich alle ecken frei räume von altem schmerz von wut die luft schwanger von rauch – vor der wahrheit habe ich auch angst, warte ich auf mich – durch alle gefühle gegen mich auch hindurchgehen & einmal nicht davon laufen – fortschritt übrigens mich selbst zu treffen einfach so inmitten dieser tage voller sturm & sehnsucht räuchere ich die vergangenheit aus allen räumen bin ich auf dem weg zu dir auch wenn es dauern wird - geduld vor meinem fenster biegt sich der baum & es ist, als hätte er sich mir zugesellt ungeduldig die ecken auszufegen & dabei nichts zu sagen, weil die wahrheit sich am leichtesten ihren weg durch ein schweigen bahnt & in der dunkelheit nach einem heftigen sturm (c) Susanne Becker 

affront

Ron Mueck: “Man in a Boat” von 20. April bis 6. September 2016  im Theseustempel, täglich von 11 bis 18 Uhr. den anderen  eine absolute nacktheit schulden wie einen augenaufschlag einen blowjob geben schüttelst du mir nicht einfach die hand sondern erzählst mir sofort  unaufgefordert vom peinlichsten das dir je widerfahren ist  obwohl ich nicht zuhöre so als wäre es ein affront  seine geheimnisse zu verbergen (c) Susanne Becker

no resistance

to not fight with what is to be absolutely quiet although you believe to be absolutely right feeling how all the not spoken words seem to suffocate you for the longest time until they dissolve until they leave a room so much room all or nothing to dance and sing in like you did never before (c) Susanne Becker

Stille

anstattdessen: mit seinem denken abtauchen in die stille, das geschenk, wie das meer ein geschenk ist, die wüste oder jeder berggipfel. die stille ist wie eine mächtige landschaft. eigentlich ist sie die mutter aller ländereien, es ist die mächtige landschaft des menschseins. der himmel, diese weite, wenn man auf einer wiese liegt, den wolken zuschaut bei ihrem spiel, oder mit dem blick in die tiefe des blaus stürzt. anstattdessen. auch das ist die stille. (c) Susanne Becker

Warum ich mein Leben schreibend verbringe

“Ich schreibe, weil da eine Stimme in mir ist die nicht still sein will.“ —       Sylvia Plath, “You Ask Me Why I Spend My Life Writing” Warum ich schreibe, steht im Grunde vollkommener ausgedrückt als ich es je sagen könnte in diesem Zitat einer Autorin, die ich bewundert habe, als ich noch jung war, die mir immer noch etwas bedeutet . JETZT drückt es meine Befindlichkeit dem Schreiben gegenüber aus. Aber das war nicht immer so. Der Weg zu dieser Erkenntnis war lang und manchmal ein wenig mühsam. Das haben Wege ja so an sich. —       Ich begann zu schreiben als ich 12 Jahre alt war. Ich tat es, um meinem unglücklichen Zuhause zu entfliehen . Es öffnete einen Raum für mich, in dem ich eine andere sein konnte. Ich begann also zu schreiben, weil ich eine Autorin, eine Schriftstellerin sein wollte, und das war im Grunde jemand oder vielleicht sogar etwas, mit dem niemand in meiner Familie von Arbeitern, Alkoholiker...