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Es werden Posts vom September, 2017 angezeigt.

Buch der Woche - Ende gut von Sibylle Berg

„Ich bin so um die 40. Das sagt man heute auf Partys, zu denen einen keiner einlädt,…Ich bin 176 Zentimeter groß, ich wiege 56 kg, ich habe irgendwelche Haare, meine Augen sind blau, aber nicht sehr, und meine Haut wird immer weicher oder das Fleisch darunter, … Ich wohne in einer deutschen Stadt, die wirkt, als wäre sie komplett besoffen. …. Ich habe mich für kaum etwas bewußt entschieden, ich habe es passieren lassen, das Leben.“
Das ändert sich dann allerdings Schlag auf Schlag im Verlauf der Geschichte: die Ich-Erzählerin beginnt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und dies gelingt ihr trotz der mehr als widrigen Umstände (immerhin geht quasi gerade die Welt unter) sehr erfolgreich.
Aber von Anfang an: Seit eben habe ich eine neue weibliche Hauptperson in Büchern. Die Protagonistin aus Sibylle Bergs Roman „Ende gut“, erschienen bei Rowohlt ist einfach in jeder Hinsicht so, dass ich immer weiter das Geschehen dieser Welt, von ihr kommentiert, NUR von ihr kommentiert, erleben mö…

Buch der Woche - Mein Jahr in der Niemandsbucht von Peter Handke

„Ich mußte nach Hause in die Bucht, ohne meine Anwesenheit da, all das Jahr durch, verlöre das Buch seinen Ort und seinen Grund.“
Ein Buch wie eine Meditation. Ein Schriftsteller schreibt über sieben Freunde, darunter sein Sohn, alle in irgendeiner Form auf Reisen. Er schreibt über die Frau, die er liebt, mit der er lebt, mit der er den Sohn hat und doch verlassen sie sich immer wieder, kann er das Leben mit einem Alltag kaum ertragen, denn alles ist eigentlich auf diese Meditation, die sein Schreiben ist, ausgerichtet. Alles andere stört den Fluß und die Konzentration. Er lebt in einem alten Haus in der Nähe von Paris, absichtlich in einer klaren Entfernung zu dieser hektischen, auch wichtigtuerischen Metropole, in welcher das Wesentliche unter Hyperaktivitäten vieler Art verschüttet ist. Aus diesem Haus und seinem Garten heraus unternimmt er tägliche Spaziergänge, im Grunde Wanderungen in die Umgebung. Wer beginnt, dieses Buch zu lesen, wird sehr schnell in die Umhüllung der Worte…

Gleißendes Glück - Film

"Du bist dein eigenes Universum und dein eigenes Glück. Du bist frei und warst es schon immer."

Gestern sah ich den großartigen Film "Gleißendes Glück" mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur, die beide für mich zu den wirklich herausragenden deutschen Schauspielern gehören und in ihrem Zusammenspiel etwas kongeniales hatten.
Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von A.L. Kennedy.

Sehr lange hatte ich den Film hier liegen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Protagonistin Helene Brindel an einer Stelle von ihrem Filmehemann fast zu Tode geprügelt wird. Je älter ich werde, desto zögerlicher setze ich mich derartigen Gewaltszenarien in Filmen aus. Deshalb ließ ich den Film liegen. Wegen der Schauspieler, auch wegen der Autorin, war ich mir eigentlich sicher, dass es ein sehr guter Film sein würde, ging aber davon aus, dass er negativ und brutal wäre.
Ich bin sehr froh, dass ich mir den Film nun angeschaut habe. Denn: er ist gar nicht negativ. Spannend, sog…