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Meine Buch der Frauentag-Woche - Bettina Wilpert - Nichts, was uns passiert

Nichts was uns passiert von Bettina Wilpert ist ein normales Buch, das eine völlig normale Geschichte erzählt, die so jeder von uns und jedem hätte passieren können, passiert ist. Wenn man bedenkt, dass nur 5% aller Vergewaltigungen überhaupt angezeigt werden, und von diesen 5% wieder nur 5% strafrechtlich verfolgt werden, dann kann man davon ausgehen, dass ziemlich viel unbemerkt vergewaltigt wird in diesem Land.

Jonas und Anna lernen sich in Leipzig auf den Stufen der Albertina durch einen gemeinsamen Bekannten kennen. Sie schlafen einmal miteinander. Sie trinken sehr viel. So viel habe ich in meinem Leben noch nicht an einem Abend getrunken, wie die beiden ständig in sich hinein schütten. Sie treffen sich zufällig immer mal im Laufe weniger Wochen, wenn in Gruppen Fußball geschaut wird. Es ist der Sommer der Fußball-WM 2014. Eine Beziehung will keine von beiden. Sie sind nicht ineinander verliebt.
Am 4. Juli feiert der gemeinsame Bekannte Hannes in Jonas‘ Garten seinen dreißigsten…
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Buch der Woche - Im Sommer - Karl Ove Knausgård

"Es ist nicht so gekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte, sagt der Geschmack der Pflaume, und nun ist es zu spät. Heute ist der achte August, und an dem alten Pflaumenbaum mitten im Garten, .... sind fast alle Pflaumen, ..., reif. Ich habe heute, im frischen, kühlen Wind auf dem Rasen stehend, zwei Stück gegessen, und in der Melancholie, die ihr Geschmack in mir erweckte, lag auch etwas Gutes, der Gedanke an das alltägliche Leben, das bald beginnen wird, mit seinen Grenzen und seiner Routine, mit Herbst und Winter, die kein Versprechen in sich bergen."
Mit seinem vierten Jahreszeitenband Im Sommer hat mich Karl Ove Knausgård erneut überrascht. Es beginnt wie, man könnte fast sagen, immer, mit kurzen Texten über alltägliche Dinge wie Rote Johannisbeeren, Mücken oder Campingplätze, Dinge, die jeder mit Sommer assoziiert und in deren Verlauf er schon sehr viel über seine Art zu denken und die Welt zu sehen preisgibt. In denen auch hier und dort intimere Einblicke in sein Le…

Bücherwunschliste, Gedanken zu Motherhood und The Favourite - alles durcheinander

Gestern schenkte mir eine Freundin ein Buch zum Geburtstag, nachträglich.
Ich hatte dieses Buch bereits, was sie nicht wissen konnte und was auch keinerlei Problem darstellt. Denn sie kaufte es bei den Lieblingsbuchhändlerinnen und da darf ich es umtauschen.

Sie schenkte mir übrigens Motherhood von Sheila Heti. Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten gelesen und auch gemocht, aber nicht so, dass ich darüber schreiben wollte. Der Grund ist, glaube ich, dass ich Kinder habe. In dem Buch geht es aber eigentlich darum, die Entscheidung zu treffen, ob man als Frau überhaupt Kinder bekommen sollte. Ich konnte für viele Punkte ihrer Befragung des Lebens sehr große Sympathie entwickeln. Andere schienen mir wie aus einer Welt, die ich für immer verlassen habe. Denn ich habe mich längst entschieden und bin Mutter. Egal, was ich tue, meine Kinder und deren Interessen, deren Wohlergehen, werden immer im Zentrum meines Befindens sein. Nie wieder werde ich vor der Frage stehen, ob mein Leben bess…

Assaf Gavron - Achtzehn Hiebe

"Ich spürte, dass sie mich ansah, ein intensiver Blick trotz der doppelten Filterung durch Sonnenbrille und Spiegel, und dann zuckten ihre zinnoberrot geschminkten Lippen, die etwas zu voll und zu jung für ihr Alter schienen, und mit einem halben Lächeln sagte sie: "Zum Trumpeldorfriedhof." Ich schaltete in Drive."



Der Taxifahrer Eitan Einoch fährt die fünfundachtzigjährige Lotta Perl an einem ganz normalen Tag zu einer Beerdigung, aber von diesem Moment an verändert sich vieles in seinem Leben. Es wird aufregend, spannend und unversehens findet er sich in der Rolle eines Detektivs wider.
Dieser Roman, der im heutigen Tel Aviv spielt, bezieht einen großen Teil seiner Spannung aus der Vergangenheit, aus der Mandatszeit, als Israel noch nicht Israel war, als Palästina noch von den Engländern besetzt/verwaltet wurde und Lotta Perl und der Engländer, zu dessen Beerdigung sie unterwegs ist, junge Leute und ein Liebespaar waren. Der Roman erzählt von einer Zeit, von eine…

Karl Ove Knausgård - Im Frühling

„Ich hatte begonnen, eine Art Tagebuch für dich zu schreiben, oder einen langen Brief darüber, wer wir waren und was hier passierte, während wir auf dich warteten….Als eine Art, Platz für dich zu schaffen.“
Dieser Gedanke ist so wunderschön, dass er mich jedesmal lächeln lässt: für ein noch im Mutterleib heran wachsendes Kind eine Art Tagebuch schreiben, um für es in dem bereits existierenden Leben einen Platz zu schaffen. Unwillkürlich wünschte ich mir, ich wäre auf diese Idee gekommen, während ich mit meinen Töchtern schwanger war. Mit dieser Aussage hat Karl Ove Knausgård einmal mehr umschrieben, für wie wichtig und mächtig er die Sprache hält. Sie ist für ihn das Medium, welches uns alle im Leben verankern kann, egal, was uns zustoßen mag, egal, wie heftig das Leben sich uns um die Ohren schlägt.  Im Frühling hat mich auf eine  unvorhersehbare Art kalt erwischt. Denn ich hatte ja bereits Im Herbst und Im Winter gelesen, welche ich beide mehr oder weniger ähnlich fand, gerne gelesen…

My list of favourites 2018

Hier ein paar kurze Highlights meines Jahres 2018, ohne große Worte. Es war ein eher ruhiges Jahr, gespickt mit wunderbaren Ausnahmeerscheinungen. Die Leipziger Buchmesse, im Schnee versunken, ein Konzert von Pearl Jam in der Waldbühne bei strahlendem Sommerwetter, eine Geburtstagsparty in München, bei stundenlangem Platzregen, draußen, eine spontane Fahrt nach Prag, die Marina Abramovic Werkschau in Bonn, eine Reise nach Rom, eine Floßfahrt auf der Mecklenburgischen Seenplatte, die beste Demo meines Lebens... Viele viele random acts of kindness, von Freunden und Fremden.

Filme:




Werk ohne Autor, den ich dank Bloggerfreundin Marina von literaturleuchtet mit einer Freikarte geniessen durfte. Danke 💜Female PleasureLuckyBücher: Ich habe für meinen eigenen Geschmack in diesem Jahr ein paar echte Meisterwerke in den Händen und vor den Augen gehalten, und dann noch viele Bücher, die wunderbar waren, mich überrascht und beglückt haben. Hier nur eine Auswahl. Ansonsten könnt Ihr in meinem Blog …

In altre parole/In other words/Mit anderen Worten - Jhumpa Lahiri

Dann las ich in diesen letzten Tagen noch In altre parole /In other words von Jhumpa Lahiri zuende. Es war wie eine Reise zurück für mich in vielerlei Hinsicht. Wo beginnen? Eine Reise zurück in eine Zeit, als ich begann, mich vollkommen in eine andere Sprache zu stürzen und auch in dieser anderen Sprache zu schreiben: Englisch. Das ist dreißig Jahre her und geschah in Virginia. Als ich dort ankam, konnte ich nicht sehr gut Englisch, obwohl ich es neun Jahre lang in der Schule gelernt hatte. In den ersten Wochen verstand ich kaum etwas. Ich schwieg. Was jemandem wie mir, die sich immer darüber definiert hatte, wie lustig sie labern konnte, extrem schwer fiel.
Ich stürzte mich, sobald ich ein paar Wochen in Virginia war, so vollkommen in diese andere Sprache, dass ich darin auf der Stelle eine andere Person fand, die aber auch ich war. Das war beglückend, befreiend, euphorisierend. Alles auf einmal. Auch beängstigend war es, denn ich wusste nicht, ob ich die Susanne, die sich im Deuts…