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Lesen heißt, die Worte als Lichter zu sehen

"Lesen heißt, die Worte als Lichter zu sehen, sie leuchten in der Dunkelheit, eines nach dem anderen, und Lesen bedeutet, den Lichtern ins Innere zu folgen."  Karl Ove Knausgård

Für mich sind oft Bücher wie Lichter. Mein Lebensweg in die Zukunft gerichtet noch ein großes Fragezeichen, taste ich mich oft an den Büchern entlang, von Woche zu Woche, so dass das Lesen eine Spur wird, der ich folge. Ein Buch führt mich zum nächsten, gemeinsam ist ihnen, dass ich mit ihrer Hilfe versuche, das Leben im Allgemeinen, aber auch mein individuelles Leben zu begreifen. So war es auch ein bisschen in diesem Sommer. Ich las die neue Biografie über Simone de Beauvoir von Kate Kirkpatrick. Sie ist im April im Piper Verlag erschienen. Das Buch führte mich auch in  meine Teenagerzeit zurück, als ich Beauvoir zum ersten Mal begegnete.Ich habe früher alles über und von Simone de Beauvoir gelesen. Dabei war ich nie ein Fan ihres Schreibens, sondern immer eher begeistert von ihrer Person und ihrem …
Letzte Posts

If failure were a victory?

I need my memories, they are my documents. #Louise Bourgeois

Over the past weeks. failure was a very vivid motive in my thinking and writing. I am still not done with it. I think, it will go into longer writing projects. But I liked this one and thought, it is good enough right now, to share it here.Also, I made a playlist on Spotify with the same title:  If failure were a victory. Enjoy the words and the music.
The attraction of empty spaces.In my mind.You are my favourite poem.Between my every word lingers my silence.My silence is the space, in which I wait for you.The waiting has been very long.You have not come.I told myself stories.Between every word of every story was silence,the silence, in which I told myself more stories about why you never came.The stories are easier to bear, than the uncertainty.The nothingness, in which my waiting turned. It is in boredom, in this nothingness, that we no longer can avoid ourselves.A complete lack of knowledge about what will happen. There is…

Corona Tagebuch (59)

Jeder normale Tag ist unglaublich fragil und kann im Grunde jeden Moment aus dem Gleis laufen. Das ist etwas, das mir durch Corona klar geworden ist.Gut, das war auch vor Corona schon so. Aber seit Corona ist es deutlicher, zumindest für mich. Ich muss jetzt mal was sagen: Seit Corona habe ich auch ein verändertes Verhältnis zu Alufolie.  Jedesmal, wenn ich das Schulbrot meiner Tochter in Alufolie einwickele, wird mir komisch. Weil ich dann an die  denken muss, die gegen die Coronamaßnahmen demonstrieren. Und weil ich welche kenne, die da mit rennen. Und ich fühle mich mal wieder wie vor ein paar Jahren, als ich verstand, dass jemand, den ich sehr gut kenne, zur AfD abrutscht.Ich habe einen Bekannten, der ernsthaft solche Sachen sagt wie: "Ich habe mir die wissenschaftlichen Daten genau angeschaut und ich habe erkannt, dass es gar nicht mehr Coronafälle gibt, das ist eine Lüge, es gibt nur mehr Tests. Die Presse will lediglich Angst schüren."Ich so: "Ist ja toll, wenn …

Corona Tagebuch (58)

August.Schon August.Ein Sommer, der als Lockdown begann, scheu und sehnlich erwartet, geht schon wieder seinem Ende entgegen und ich bin nicht dafür bereit. Ich möchte noch so viele Male schwimmen gehen und meine Füße im Gras spüren. Seit Wochen arbeite ich mich durch ein Buch von Joseph Goldstein. Ich hatte ihn hier schon mehrfach erwähnt. Er ist für mich ein großer Lehrer, obwohl ich ihn noch nie persönlich treffen konnte. Aber ich höre seine Talks auf Spotify oder anderen Seiten und das Buch Mindfulness. A Practical Guide to Awakening nährt meine Gedanken und auch mein Schreiben. Heute fand ich darin ein wunderbares Zitat, das ich mit euch teilen möchte: "One of the many misconceptions we often carry throughout our lives is that our perceptions of ourselves and the world are basically accurate and true, that they reflect some stable, ultimate reality. This misconception leads to tremendous suffering, ...."Was, wenn immer alles anders wäre, als wir denken?Schon August.Der …

Wut und Gehen, Lesen und Rebecca Solnit: Wanderlust

An Eskimo custom offers an angry person release by walking the emotion out of his or her system in a straight line across the landscape, the point at which the anger is conqered is marked with a stick, bearing witness to the strength or length of the rage.“ Lucy Lippard in Overlay, quoted nach Rebecca Solnit, WanderlustHeute bin ich nicht wütend. Aber ich war es schon sehr oft in meinem Leben. Es ist in meiner Erfahrung ein eher unfruchtbares Gefühl, das einen innerlich verbrennt und einem äußerlich keinerlei Lösung bringt. Auf der anderen Seite ist sie oft gerechtfertigt und es ist wichtig, sie ihre wunderbare Energie auf gute Weise nutzen zu können. Mich hat diese Idee, seine Wut aus sich heraus zu laufen, möglicherweise immer auf der gleichen Strecke, so dass man jedes Mal die Möglichkeit hat, im Vergleich die Stärke und Intensität seiner heutigen Wut mit der von gestern und mit jener von vor einem Jahr zu vergleichen, ungemein fasziniert. Vermutlich weil ich mich beiden Phänomenen…

Corona Tagebuch (57)

"Tell me what it is you plan to do with your one wild and precious life?"

Mary Oliver

In wenigen Tagen fahre ich zum ersten Mal seit Februar mit dem Zug richtig weit weg. Langsam werde ich etwas nervös, ob das nicht ein zu großes Risiko ist, ob es nicht besser wäre, mir ein Auto für meine Rundreise zu mieten.
Ich lese und höre, dass die ICEs sehr voll sind, kein Abstand gehalten werden kann und es auch eine Menge Leute dort gibt, die keine Gesichtsmaske tragen.
Auf der anderen Seite gehe ich nicht davon aus, dass in Deutschland gerade wahnsinnig viele Infizierte herum laufen und ausgerechnet in meinem Zug sein werden. Ich war die ganze Coronazeit über nie wirklich isoliert. Ich habe mehr oder weniger durchgearbeitet und immer Leute getroffen, vor allem in meinem Büro. Das hat in den letzten Wochen auch zugenommen. Ich war sogar auf der riesigen Black Lives Matter Demo hier in Berlin vor vier Wochen. Ich fühle mich seit Februar, als ich auf Sizilien krank war, kerngesund.
We…

Corona Tagebuch (56)

"In die Mulde meiner Stummheit leg ein Wort
und zieh Wälder groß zu beiden Seiten,
dass mein Mund
ganz im Schatten liegt."

Ingeborg Bachmann Diese Woche war Ingeborg Bachmanns Geburtstag.
Immer war sie eine meiner liebsten Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
Ich mag es, wie sie in die Tiefe taucht, ohne Rücksicht auf Verluste. Wie sie sich selbst verbrennt auf der Suche nach wahren Worten. Sie ist für mich eine literarische Heldin und Mutter. ( Diesen Texthabe ich vor sechs Jahren über sie und ihre Bedeutung für mich geschrieben)
Ich kann nicht durch Rom laufen, ohne daran zu denken, dass es ihre Stadt war. Also Rom ist für mich nicht die Hauptstadt Italiens, sondern die Stadt, in der Ingeborg Bachmann lebte und starb, möchte ich damit sagen.

Diese Woche war ich nicht ein einziges Mal im Wald. Ich war auch in keinem See. Ich musste am Wochenende arbeiten, weil wir bei uns am Seminar eine Fortbildung hatten für 80 Lehrer*innen. Alle anderen Seminare hatten ihre Fortbildun…