Direkt zum Hauptbereich

Posts

Buch der Woche - Rücken an Rücken von Julia Franck

„Zucker? Ella starrte auf den Teewagen. Zucker. Käthe reichte ihr nicht die Hand, keine herzliche Geste deutete sie an, keinen Glückwunsch sprach sie aus, sie drehte sich auf dem kaum vorhandenen Absatz ihrer mongolischen Schuhe um und verschwand… Sie denkt bestimmt, sie macht dir eine Freude. Sollte das ein Trost sein? Glaubte Thomas wirklich, Käthe wollte Ella mit dem Zucker eine Freude machen?“
Die Geschichte der Geschwister Ella und Thomas, die im Haus ihrer Mutter, der Bildhauerin Käthe aufwachsen. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre, Ostberlin. Der Müggelsee. Käthe hat noch zwei weitere Kinder, aber sie leben in einem Heim und kommen nur sehr selten zu Besuch. Die Väter sind im Leben dieser Familie nicht mehr anwesend. Dafür gibt es einen Untermieter, der sich an Ella heran macht und sie missbraucht, regelmäßig. Der ihr droht, wenn sie nicht Informationen weiter gibt, über die Lehrer, die Mutter, die Freunde der Mutter, dann könne er ihr Leben zerstören.
Rücken an Rücken, ein B…
Letzte Posts

This week was no work without an author

This week was, and I do not mean to sound pathetic, but it was not much of a great week.

Nothing happened. Nothing beautiful, at least. The week was not showered in love or even in random acts of kindness.  I feel a little disappointed and tired about this week. You might call me a person with a very low threshold to boredom, and you would be right. I sit and think about all this. I mean, I could be grateful. Nothing happened, after all, also includes: nothing bad happened. My children are well. I am well. I have great friends, a more than o.k. job, I have an apartment in the middle of Berlin, where tons of people would like to live, I am going to Rome next week. But  I am not grateful. I feel a little bit sorry for myself, while I sit and think about the week, and than, I have an idea, which instantly makes it impossible to continue feeling sorry for myself: maybe, this is exactly the point. Me waiting for whatever greatness to happen is the problem. Has been the problem all my lif…

Anke Stelling, Schäfchen im Trockenen

"Wir sind Opfer. Und unseres Glückes Schmied! Wir machen uns gut in egal welcher Kulisse, sind die Protagonisten unseres Lebens."


Anke Stellings neues Buch Schäfchen im Trockenen habe ich verschlungen. Es ist großartig geschrieben und mit seiner Handlung so nah am Leben dran, wie man es selten findet, an dem Hier und Jetzt von mir und vielen meiner Freunde, die mit Kindern und der existentiellen Unsicherheit mitten in Berlin, mitten in einer großen Stadt in Europa leben, wo Neoliberalismus und Kapitalismus die Werte vorgeben und man, plant man schlecht, auch sehr leicht unter die Räder kommen kann. Vielleicht vor allen Dingen dann, wenn man sich dem Leben mit Chuzpe und offenen Armen, voller Vertrauen, ein wenig ausliefert. Hier springe ich vom Zehnmeterbrett, mach' mit mir, was Du willst, Du verrücktes Leben!
Resi ist Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und hat ein Buch über ihre Freunde geschrieben, die im Rahmen einer Baugruppe ein tolles eigenes Hau…

Travelling Home

You are like a foreign country. I do not speak your language. Drowning in your eyes, which I can not read. What you do, goes right through me, cuts me open, I think, I might lose myself, in you, which is a story about you, which is a story about myself.
The first time we sat in a train, you sat across from me, told me about your life. I knew, I would rather not leave the train, ever. What feels like home? Riding around Berlin in a train, listening to your story, swimming in your eyes away from what I knew as home, but was not. Never could be, because I moved in, when I was a stranger to myself.
Every plastic flower on the table, in the vietnamese restaurant, remember? was the most beautiful thing, I ever laid my eyes on. Of course you. The shabby plastic table. The pho was very good! Best soup, I ever tasted, while locking myself into your universe.
You are like a foreign country. I travel you, and while getting lost, again, I find so much about myself, I never knew existed.…

Asymmetrie von Lisa Halliday

"He called her mermaid. She didn't know why."
Gerade habe ich Asymmetrie von Lisa Halliday beendet und vielleicht ist es eines der Bücher, das mich am stärksten aus meiner „comfort zone“ katapultiert hat. Weil eine amerikanische, weiße, im Grunde privilegierte Frau, die in der Literaturwelt arbeitet, ihren Horizont so derart transzendiert, dass es sie in die Lage versetzt, mit der Stimme eines irakisch-amerikanischen Mannes zu schreiben, der am Londoner Flughafen davon abgehalten wird, in Großbritannien einzureisen. Dabei möchte er dort nur zwei Tage bleiben, seinen Freund Alastair, einen Kriegsjournalisten, treffen und dann, über Istanbul, weiter in den Irak reisen. Aber man lässt ihn nicht. Er hat zwei Pässe. Er ist auch Iraker. Irakisch ist eine der verdächtigen Nationalitäten. Terroristen sind Iraker. Die Geschichte dieses Mannes, seiner Familie, ein Teil der Geschichte des Irak macht aber erst den zweiten Teil dieses wunderbaren Buches aus. Im ersten Teil hat die I…

Buch der Woche - Fegefeuer von Sofi Oksanen

"Aliide zog die Gardinen zurecht. Der regnerische Hof schniefte grau, die Zweige der Hofbirken zitterten nass, die Blätter platt vom Regen, die Gräser schwankten, und von den Spitzen fielen Tropfen herab. Und da unter ihnen war etwas. Irgendein Bündel. Aliide zog sich hinter die Gardine zurück. Wieder spähte sie hinaus, zog die Spitzengardine vor sich, um vom Hof aus nicht gesehen zu werden, und hielt den Atem an."
Jetzt hat es mich doch ergriffen, dieses Buch der Finnin Sofi Oksanen, Fegefeuer.
Das Fegefeuer ist der Ort der Läuterung für jene Seelen, die noch nicht heilig sind, also nicht gleich in den Himmel dürfen. Tröstlich am Fegefeuer ist, dass die, die hinein kommen, nach ihrer Läuterung sicher in den Himmel aufsteigen werden. Also eine sehr schmerzhafte, verwandelnde Katharsis. Aber sind Verwandlungen nicht immer schmerzhaft? 
Ich habe es schon so lange im Regal liegen, dass ich es nur aus einer Art Pflichtgefühl heraus in die Hand nahm. So viel gutes hatte ich vor …

Buch der Woche - Im Winter von Karl Ove Knausgård

„2. Dezember. Den ganzen Sommer und ganzen Herbst hast du in ihrem Bauch gelegen. Umgeben von Wasser und Dunkelheit bist du durch die verschiedenen Entwicklungsphasen des Fötus gewachsen, die von außen der Evolution unserer menschlichen Art gleichen, ….“
Diese erste Satz des Buches „Im Winter“ von Karl Ove Knausgård enthält schon so viel von all dem, was im Grunde alle seine Bücher ausmachen. In fast lockerem Plauderton, ich nenne es privat für mich auch oft „Gelaber“, aber in einem freundlichen Sinn, erzählt er der Leserin privates und verknüpft es auf der Stelle mit einer Öffnung hin zu philosophischen Erkenntnissen, die uns noch auf der ersten Seite zum Thema "Regenjacken" führen werden "eine Art Haut, die wir anziehen".  Beides durchdringt sich bei ihm beständig: das private und das Allgemeingültige, die Verbindung zu einem Lebensganzen, die er zu finden versucht. Diese Suche hat oft einen leicht verzweifelten Unterton, als wolle er durch möglichst viele Worte…