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Write about a time, you lost faith

I dont recall ever owning any faith. So, how could I loose it in the first place? I wasn't a believer, when I was a child. I went to church, because I had to. I grew up in a catholic household, so god was male for me and old. He had a white beard. I prayed to him like this: „Please make my parents happy.“ „Please let my father stop drinking.“ But also: „Please let me have that doll for christmas, you know, the one, that can walk, with batteries.“
He was somebody, I talked to, but he still was hollow. I would also talk to trees or to myself. I would talk to my dolls or the walls. So god was a normal part of my childhood, without me ever exploring any meaning. He belonged, like the curtains belonged. You did not have to believe in him.
There was also fear. There were his anger and his rage, my sinfulness. There was no trust, no joy. You could not be yourself around god, unless you really wanted to get into trouble.
I was not a believer at all. All this was part of the furnitures.…
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Buch der Woche - Kanada von Juan Gómez Bárcena

"Und in jenen Sekunden, als du bereits auf dem Sterbebett liegst und im Begriff bist, die Augen zu schließen - erneut das Fieber-, hast du noch Zeit zu erkennen, dass du immer recht hattest, während alle anderen irrten, dass du jetzt stirbst und dass die Welt, an die du glaubtest, mit dir stirbt."

Kanada. 191 Seiten, grauer Einband, anschmiegsames und doch festes Papier. Beim Umblättern der Seiten gibt es mir Halt.
Die Jahre gleich nach dem Holocaust. Ein Mann kehrt zurück. Wir wissen nicht, wo er war. Der Ort ist vermutlich Budapest. Der Mann besitzt ein Haus. Es ist nicht zerstört. Sein Nachbar hat es für ihn erhalten. Sein Nachbar versorgt ihn mit Lebensmitteln. Sein Nachbar möchte ihm einen Job besorgen. Man weiß als Leserin nicht, ob man den Nachbarn mögen kann. Man mag ihn nicht so wirklich. Auch wenn er wie ein Wohltäter erscheint. Zunächst. Er will dem Mann zurück ins Leben helfen.
Aber der Mann kann nicht. Er sitzt in seiner Wohnung, irgendwann nur noch in einem der Z…

Buch der Woche - Unrast von Olga Tokarczuk

„Am spürbarsten ist die Starre, sie ist dicht und sichtbar; der kalte Dämmer und das schwache Licht der Natriumlampen, das kaum einen Meter von seiner Quelle schon im Dunkel versinkt.“
Wie entkommt man der Starre? Ist es einem Menschen möglich, eine Heimat zu finden? Wo ist diese Heimat? Ist sie ein Ort, oder ist sie ein Platz in uns selbst? Oder bedeutet Heimat, sich der Starre zu übergeben? Was ist Heimat? Was bedeutet Reisen? Welche Formen der Bewegung, abgesehen davon, dass man sich entweder innerlich rege hält, immer neues lernt, und zum anderen in der Außenwelt herumreist, gibt es noch? Wo finden wir Sesshaftigkeit? Ist das überhaupt erstrebenswert? Kann man sich in etwas beheimaten, das wie eine Idee ist? Kann man auf einer Insel verloren gehen?
So viele Fragen stellt die wunderbare polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in ihrem Buch Unrast. Nein, eigentlich stellt sie sie nicht. Nicht so explizit wenigstens. Sie schreibt über verschiedene Orte und Menschen, auch über si…

Private Confessions von Ingmar Bergman

Selten habe ich das genauere Porträt einer Frau gelesen, die in ihrer Zeit Freiheit und Selbstverwirklichung als Mutter und Ehefrau nicht finden kann.
Wie Zeile für Zeile eine Resignation, ein sich ergeben in die Umstände auch in die Leserin Einzug halten. Weil Ingmar Bergman ein Meister des psychologischen Erzählens ist.  Das weiß man durch seine Filme. Dass er auch derart schreiben konnte, ich wusste es nicht. Karl Ove Knausgård erwähnte es. Ich glaube, es war in seinem Buch Im Frühling. Da erzählte er von Ingmar Bergman und diesem Buch. Seitdem bin ich ein wenig auf der Suche nach Bergman. Habe das Doppelporträt von ihm und Liv Ullmann gelesen, das ihre gemeinsame Tochter Linn Ullmann geschrieben hat. Die Unruhigen.  Ich habe mir Filme angeschaut und nun eben PrivateConfessions gelesen, das es, soweit ich informiert bin, leider nicht auf Deutsch gibt.
Es ist die Geschichte von Anna, erzählt in fünf Gesprächen, die sie mit verschiedenen Menschen führt: ihrem Beichtvater Jacob, ihre…

Knut Ødegård - Die Zeit ist gekommen

„In der endgültigen Analyse sind wir alle Sternenstaub. Nichts zu knipsen. „
Die Gedichte des norwegischen Schriftstellers Knut ØdegårdDie Zeit ist gekommen, erzählen so präzise ganze Geschichten und verschweigen doch so viel. Manchmal genügt ein einziges Wort, um der Leserin eine ganze Welt vor Augen zu zaubern. In anderen verschweigt er nichts und auch das zielt direkt ins Mark. Die Gedichte schenken der Leserin keine Gnade. Sie stoßen unerbittlich auf einen Zustand der Welt, der weh tut. Vom Altern handeln sie, und von den Erinnerungen an ein langes Leben. Wie traurig es ist, dass das Leben vergeht. Das so schöne Leben. Das so harte Leben, in dem Menschen einander undenkbares zufügen. Wie traurig auch, dass alles sich verändert und selten, scheint es, zum Guten sich wendet. Ødegårds Lyrik berührt einen ganz direkt. So klar, wie es meine Großmutter tat, als sie mich auf ihrem Sterbebett anschaute, direkt und unverwandt und sagte: „Es ist so merkwürdig. Eben noch war ich im Saal u…

Leere

Da, wo nichts mehr gesagt wird. Habe ich Quitten geerntet in einem inneren Garten. In diesem Jahr gab es keinen Schnee.
Niemals wurde es still. Blütenstaub auf allen Wiesenflächen. Die Konturen verwischten.
In einem leeren Raum können sie sich entwickeln. Langeweile. Schnee. Licht. Vorsicht, die Bienen sterben. Die Einzelteile der Liebe flattern im Wind. Das geöffnete Herz. Es ist eine Radikalität in allem. Sobald die Liebe der Zerbrechlichkeit die Stirn bietet, treten die Konturen hervor.
(c) Susanne Becker

Miroloi von Karen Köhler

Heute habe ich Miroloi von Karen Köhler beendet. Ein von der Autorin selbst gestaltetes, wunderschönes Buch.
Eine Parabel auf die Wirklichkeit, unter deren Wucht man sich unangenehm windet. Man möchte nicht daran denken, wie real all das, was Köhler erzählt, für viele Frauen auf dieser Welt ist. Und leider nicht nur auf einsamen Inseln, sondern z.B. mitten in Brooklyn, in der chassidischen Gemeinde (siehe dazu Unorthodox von Deborah Feldman), um nur ein Beispiel zu nennen. Seltsamerweise ging es mir tatsächlich so, dass ich während der Lektüre von Miroloi sehr oft an die Geschichte Deborah Feldmans denken musste. Die ja darin ebenfalls eine archaische, weltabgewandte Gesellschaft schildert, der sie selbst gegen alle Wahrscheinlichkeit zu entfliehen versucht.
Das Buch handelt von einer namenlosen Außenseiterin, die in einer abgelegenen Inselgemeinde aufwächst, wo Frauen keinerlei Rechte haben. Sie dürfen weder lesen, schreiben noch schwimmen. Sie haben keinerlei Möglichkeiten, irgende…