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Posts mit dem Label "Matthes&Seitz" werden angezeigt.

Wut und Gehen, Lesen und Rebecca Solnit: Wanderlust

  An Eskimo custom offers an angry person release by walking the emotion out of his or her system in a straight line across the landscape, the point at which the anger is conqered is marked with a stick, bearing witness to the strength or length of the rage.“ Lucy Lippard in Overlay , quoted nach Rebecca Solnit , Wanderlust Heute bin ich nicht wütend. Aber ich war es schon sehr oft in meinem Leben. Es ist in meiner Erfahrung ein eher unfruchtbares Gefühl, das einen innerlich verbrennt und einem äußerlich keinerlei Lösung bringt. Auf der anderen Seite ist sie oft gerechtfertigt und es ist wichtig, sie ihre wunderbare Energie auf gute Weise nutzen zu können. Mich hat diese Idee, seine Wut aus sich heraus zu laufen, möglicherweise immer auf der gleichen Strecke, so dass man jedes Mal die Möglichkeit hat, im Vergleich die Stärke und Intensität seiner heutigen Wut mit der von gestern und mit jener von vor einem Jahr zu vergleichen, ungemein fasziniert. Vermutlich weil ich mich beiden P...

Tomas Espedal - Das Jahr

„Was willst du tun in dem Jahr das kommt?“ Ein zartes Buch. Ein poetisches Buch. Ein Buch über die Liebe. Ein brutales Buch. Ein wunderschönes Buch. Ein Buch über den Tod. Ein schonungsloses Buch. Ein Buch wie ein Gedicht. Ein Buch über ein Jahr. Das Jahr von Tomas Espedal. Vor ein paar Monaten sah ich ihn hier in Berlin im Rahmen des ilb zusammen mit seinem großartigen Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel. Eine Stunde unterhielten sich die beiden wie beste Freunde über das Leben und dieses Buch, seine Entstehung, seine Übersetzung, die eine Herausforderung war, da Espedal in diesem Buch andere Dichter, in teils veränderter Form, zitiert. Vor allem Petrarca. Ein Buch, das niemandem etwas schenkt. Der Übersetzer musste damals Petrarcas Original studieren, dann das, was Espedal daraus auf Norwegisch gemacht hat und es dann möglichst genau ins Deutsche übertragen. Man merkte ihm an, wie sehr er diese Herausforderung, vor welche der Autor ihn gestellt, geno...

Lola Randl, Der große Garten

Heute kam die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019 raus und zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahres mit auf dieser Liste ist.  Der Große Garten von Lola Randl. Ich war deshalb überrascht, weil es ein ungemein lustiges Buch ist. Bei keinem anderen Buch in diesem Jahr habe ich so viel gelacht. Irgendwie verbinde ich den Deutschen Buchpreis nicht mit lustigen Büchern. Ich stelle mir immer komplizierte und sehr intellektuelle Bücher beim Buchpreis vor. Was nicht negativ gemeint ist. Ich mag komplizierte Bücher. Deshalb wunderte es mich beinahe selbst, dass Der Große Garten mich so fesseln konnte. Wo das in diesem Jahr wirklich nur wenigen Büchern gelingt. So wenigen, dass ich glaube, ich befinde mich mitten in einer veritablen Lesekrise.  Vielleicht hatte es damit zu tun, dass ich zum Zeitpunkt der Lektüre gerade selbst noch meinen Großen Garten in der Uckermark hatte, im Begriff war, ihn zu verkaufen und dieses Buch m...

Céline Minard, Das große Spiel

Ein Buch, das an die Grenzen zielt, und darüber hinaus, auch die des Verstehens. Das Genre Roman, ich erlebe es in den letzten Monaten immer wieder, wird verändert, es weitet sich. Es geht nicht mehr nur um das Erzählen einer Geschichte. Es geht um das Ausloten innerer Räume. Wie still kann ein Mensch werden? Wie leer kann ein Mensch werden? Was ist, wenn man sein Ego überwindet? Themen, Fragen, die eher in ein Zen Retreat zu gehören scheinen, erobern das literarische Schreiben. Räume werden ausgelotet und Romane werden zu Meditationen. Der Text, das Konstrukt, erinnert weniger an das, was man früher als Roman kannte (und warum kommt mir jetzt Die Buddenbrooks in den Sinn?), als daran, was einem begegnet, wenn man stundenlang auf einem Meditationskissen sitzt. Insofern könnte dies ein Buch sein, das Handke gefällt. Die Protagonistin in gewisser Hinsicht eine seelische Schwester der Abenteurerin im Bildverlust? Es mag mir so erscheinen. Natürlich kann ich mich täuschen. Eine Intuition...