Direkt zum Hauptbereich

Floßfahrt








Eine Zeitfalte insgesamt,
Bruchteil des Sommers,
auf dem Wasser verbracht,
umgeben von Freundschaft,
geschwommen in dem milden
Wohlwollen des sich Kennens
seit ewig. Nichts kann einen mehr
aneinander aus der Fassung bringen.
Man hat alles schon gesehen, bis
auf den Eisvogel, der mit einem lauten
Kreischen zwischen den Bäumen eintaucht.

Wo jeder er selbst sein kann,
ohne Rückspiegel, ohne Notbremse.

Die Kinder springen vom Dach,
in die Tiefe eines neuen Sees, kopfüber,
täglich den Wagemut bestätigend,
der eine Freundschaft ermöglicht,
die alle Zeitfalten entlang gedauert hat. 

(c) Susanne Becker

Kommentare

Beliebte Texte

rauhnächte

nichts sagen, damit da ein raum ist zwischen den tauben & den schnäbeln für die wahrheit, die ja liebe ist, also die wahrheit ist immer …..
während ich alle ecken frei räume von altem schmerz von wut die luft schwanger von rauch – vor der wahrheit habe ich auch angst, warte ich auf mich – durch alle gefühle gegen mich auch hindurchgehen & einmal nicht davon laufen – fortschritt übrigens mich selbst zu treffen einfach so inmitten dieser tage voller sturm & sehnsucht räuchere ich die vergangenheit aus allen räumen bin ich auf dem weg zu dir auch wenn es dauern wird - geduld
vor meinem fenster biegt sich der baum & es ist, als hätte er sich mir zugesellt ungeduldig die ecken auszufegen & dabei nichts zu sagen, weil die wahrheit sich am leichtesten ihren weg durch ein schweigen bahnt & in der dunkelheit nach einem heftigen sturm
(c) Susanne Becker 

Bücherwunschliste, Gedanken zu Motherhood und The Favourite - alles durcheinander

Gestern schenkte mir eine Freundin ein Buch zum Geburtstag, nachträglich.
Ich hatte dieses Buch bereits, was sie nicht wissen konnte und was auch keinerlei Problem darstellt. Denn sie kaufte es bei den Lieblingsbuchhändlerinnen und da darf ich es umtauschen.

Sie schenkte mir übrigens Motherhood von Sheila Heti. Ich habe dieses Buch vor ein paar Monaten gelesen und auch gemocht, aber nicht so, dass ich darüber schreiben wollte. Der Grund ist, glaube ich, dass ich Kinder habe. In dem Buch geht es aber eigentlich darum, die Entscheidung zu treffen, ob man als Frau überhaupt Kinder bekommen sollte. Ich konnte für viele Punkte ihrer Befragung des Lebens sehr große Sympathie entwickeln. Andere schienen mir wie aus einer Welt, die ich für immer verlassen habe. Denn ich habe mich längst entschieden und bin Mutter. Egal, was ich tue, meine Kinder und deren Interessen, deren Wohlergehen, werden immer im Zentrum meines Befindens sein. Nie wieder werde ich vor der Frage stehen, ob mein Leben bess…

on the beach

Sunday morning, a walk on the beach, little rocks under my feet, the green & the blue, sky & water, they are born anew with every sunrise, luring me into a new day, life is good. Which it is. I know it is. Yet, I can not stop thinking about
the feast, we are not willing to share. How many do you hold in your arms, you perfect one? Thousands & I still love you! My love is fierce. Does your green & blue fill them with serenity, while their breath leaves your tender, watery grib? Do they feel you, promise? A life of dreams seemed almost close.
(At least six humans die in the mediterranean every day. I will be here for thirteen days.)
So, while collecting about 50 pieces of plastic garbage on the empty morning beach,  I feel like a steward of the earth for just a second & think about a line of poetry by Wendell Berry,
There are no unsacred places. There are only sacred places. And desecrated places.
Bending over for yet another piece of plastic, I think: How much …

Ingeborg Bachmann - Ein Tag wird kommen

Wahrlich für Anna Achmatova
Wenn es ein Wort nie verschlagen hat, und ich sage es euch, wer bloß sich zu helfen weiß und mit den Worten –
dem ist nicht zu helfen. Über den kurzen Weg nicht und nicht über den langen.
Einen einzigen Satz haltbar zu machen, auszuhalten in dem Bimbam von Worten.
Es schreibt diesen Satz keiner, der nicht unterschreibt.
Ich lese gerade eine Ingeborg Bachmann-Biografie „Die dunkle Seite der Freiheit“, ihren Briefwechsel mit Paul Celan, „Herzzeit“, Gedichte von ihr (Liebe, dunkler Erdteil;Die gestundete Zeit), Geschichten von ihr (Simultan, Das dreißigste Jahr) und Interviews (Wir müssen wahre Sätze finden), alles parallel und gleichzeitig. Vor fünfundzwanzig Jahren hatte ich sie, ohne jede Frage, zu meiner Mutter gewählt, meiner literarischen Mutter. Es gab für sie keine Konkurrentin. Dann hatte ich mich abgewandt, und wenn ich an sie dachte, überkam mich oft ein großer Widerwille. Das Wort „Todesarten“ war immer zuerst da. Dass das Leben weh tut und die anderen Mörder …

Ruth Ozeki - Geschichte für einen Augenblick

Ich las vor kurzem ein wunderbares Buch von einer amerikanisch-japanischen Autorin, Ruth Ozeki. Es heißt, Geschichte für einen Augenblick und handelt unter anderem von einer Zen-Nonne, 104 Jahre alt, die in einem Bergkloster an der japanischen Küste lebt. Eines Tages ist sie mit ihrer Urenkelin Nao in der kleinen Stadt, um ein paar Besorgungen zu machen. Vor dem Supermarkt lungert eine Gruppe weiblicher Teenager herum, die Lust auf Ärger haben und schon von weitem anfangen, die Nonne und ihre Urenkelin, 16 Jahre alt, wüst zu beschimpfen, zu bespucken, zu bedrohen. Die Urenkelin ist völlig verunsichert und hat große Angst. Sie möchte ihre Urgroßmutter von dort weg lotsen. Aber diese geht vollkommen ruhig an der Gruppe vorbei in den Laden. Als sie nach dem Einkauf wieder heraus kommen, ist die Gruppe immer noch da und ihre Beschimpfungen werden noch wüster. Die Urenkelin hat Angst vor einem Angriff. Plötzlich bleibt die Urgroßmutter stehen und betrachtet die Mädchen eine Weile ruhig u…

Leila Slimani - Dann schlaf auch du

"Das Baby ist tot."
Die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani hat mit ihrem Buch „Dann schlaf auch du“, für das sie in Frankreich mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet wurde, den Alptraum einer jeden Mutter in Literatur verwandelt.  Ich glaube, wirklich jede Mutter kennt diese Furcht, dass man die Kinder zur Strafe dafür, dass man sie allein lässt, nie wieder lebend sieht.
Ich wollte dieses Buch zunächst nicht lesen. Denn ich kann es, seitdem ich selbst Kinder habe, nur schwer ertragen, wenn in einem Buch oder Film Kindern Leid geschieht. Es fällt mir schwer, davon zu abstrahieren. Dennoch war ich neugierig und las diesen ersten Satz. „Das Baby ist tot.“, der sofort eine unglaubliche Sogwirkung erzeugte. Ich konnte das Buch nicht mehr beiseitelegen.

Myriam und Paul sind ein ganz normales Pariser Paar, das so aber auch in New York, Berlin, London leben könnte. Sie hat ein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen, er produziert Mu…