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rauhnächte




nichts sagen, damit da ein raum ist
zwischen den tauben & den schnäbeln
für die wahrheit, die ja liebe ist,
also die wahrheit ist immer …..

während ich alle ecken frei räume
von altem schmerz von wut
die luft schwanger von rauch – vor der wahrheit
habe ich auch angst, warte ich auf mich
– durch alle gefühle gegen mich auch
hindurchgehen & einmal nicht
davon laufen – fortschritt übrigens
mich selbst zu treffen einfach so
inmitten dieser tage voller sturm
& sehnsucht räuchere ich die
vergangenheit aus allen räumen
bin ich auf dem weg zu dir
auch wenn es dauern wird - geduld

vor meinem fenster biegt sich der baum
& es ist, als hätte er sich mir zugesellt
ungeduldig die ecken auszufegen &
dabei nichts zu sagen, weil die wahrheit
sich am leichtesten ihren weg durch
ein schweigen bahnt & in der dunkelheit
nach einem heftigen sturm

(c) Susanne Becker 

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