Berlin

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Donnerstag, 11. April 2013

Die nächsten Bücher, die ich lesen werde

Von meiner letzten Liste habe ich schon einen Großteil (o.k., das ist nicht gelogen, aber übertrieben, ich habe einen Teil) der Bücher gelesen in den letzten Wochen. Andere habe ich nicht gelesen (ich bin einfach nicht dazu gekommen, ich habe einen Job, ich habe Kinder, ich schreibe an einem Roman, man hat ja auch nicht ständig Zeit zu lesen). Aber ganz andere habe ich übrigens gelesen. Bücher, die gar nicht auf meiner Liste waren, von denen ich zum Zeitpunkt der Listenerstellung noch gar nichts ahnte. Jedenfalls, alles ist anders, alles ist neu, Zeit, einen  aktuellen Blick in die Zukunft zu wagen. Was wird Susanne (vermutlich) als  nächstes so lesen?

Gerade noch lese ich Isabel Allendes Mayas Tagebuch. Ich werde es morgen beenden und weiß doch schon, dass ich es nicht so mag wie einige ihrer älteren Bücher. Es ist mir zu konstruiert, zu plakativ und berührt mich nicht wirklich. Es gibt keine Figur, mit der ich mich identifizieren kann. Wenn Schriftsteller viel schreiben, habe ich schon bei anderen (Juli Zeh, John Irving, um zwei zu nennen) das Gefühl gehabt, dass zwischendurch die Luft raus ist. Es fällt diesen Könnern nicht schwer, ein Buch nach dem anderen zu produzieren, aber es ist eben nicht am Fließband möglich, die gleiche Brillianz zu kreieren. Meine Lieblingsbücher der Allende sind Fortunas TochterPorträt in Sepia und natürlich Paula. Dies ist eines der wenigen Bücher, welches ich mehrmals gelesen habe über die Jahre, und es war jedesmal wieder speziell für mich. Mayas Tagebuch ist spannend und unterhaltsam geschrieben, aber ich werde es vermutlich nach dem Lesen beiseite legen und nicht mehr oft daran denken. Obwohl oder gerade weil die Geschichte einer sehr jungen Frau, die abrutscht in Drogenmissbrauch und Prostitution berühren will, es auch tut, weil kein Mensch, schon gar nicht, wenn er eine Teenagertochter hat, die Vergewaltigung einer solchen durch einen brutal gestörten Truckfahrer unberührt lesen kann. Dennoch spüre ich dahinter zu sehr die Kalkulation, als dass es mich wirklich tiefer berühren könnte. Das war zum Beispiel bei Paula anders. Ich würde das Buch nicht unbedingt empfehlen. Unterhaltsam ist es aber. Es hat auch Zug. Beenden möchte ich es in jedem Fall.

Eine Freundin, die zur Zeit in Washington lebt, versorgt mich regelmäßig mit Büchern, die ich übersehen würde. So kam kurz vor Ostern ein kleines Päckchen von ihr an mit diesem Buch: The Paris Wife von Paula McLain. Es handelt von der Ehe zwischen Ernest Hemmingway und Hadley Richardson. Eine Liebesgeschichte, große Gefühle, Betrug, Paris, Schriftstellerei, das Leben der Bohemiens wie in Woody Allens Film Midnight in Paris...ich bin gespannt und werde berichten.

Obwohl ich mir eigentlich auf keinen Fall neue Bücher kaufen wollte, weil sie sich sowieso bei mir stapeln, bin ich meinem Vorsatz wieder einmal untreu geworden und auf dem Weg zu mir befindet sich The Journal Keeper von Phyllis Theroux. Ich schreibe selbst Tagebuch und gerade bin ich dabei, meine 149 vergangenen nochmal kurz anzuschauen und zu vernichten. Manchmal entdecke ich einen Satz oder zwei, die ich dann schnell hinüber rette in Band 150, aber im Grunde dachte ich, ich sollte mich von dem Ballast befreien. Ich möchte lieber, denn das ist mir peinlich, gar nicht erwähnen, wieviele Kisten von Ikea ich mit diesen Tagebüchern in den letzten 37 Jahren gefüllt habe und diese Kisten füllen unsere Wohnung aus. Ich möchte auch nicht darüber nachdenken, was geschehen würde, wenn jemand sie in die Finger bekäme. Ich dachte immer, ich benutze sie vielleicht eines Tages, um daraus Material für den großen Roman zu destillieren, zu dem die drei anderen, die dreizehn anderen, die zwanzig anderen, nur das Preludium waren. Aber ich glaubte immer mehr, dass dies Quatsch wäre. Ich glaubte, diese Bücher wären wie ein Gewicht, das mich in die Vergangenheit zurück zieht. Dann stolperte ich über "The Journal Keeper" und ich finde es beunruhigend, inspirierend und beglückend zugleich, dass eine Frau, eine Schreiberin, ihre Tagebücher zu einem Buch gemacht hat. Bevor ich es nicht gelesen habe, werde ich erstmal damit aufhören, meine zu entsorgen.

Meine Arbeitskollegin hatte ich schon einmal erwähnt. Es ist die, die Tilman Rammstedt kennt und sowieso kennt sie Jo Lendle. Das ist der ehemalige Verleger von Tilman Rammstedt, der bei Dumont weg ist und demnächst zu Hanser wechselt und selber schreibt. Dank ihr bin ich jetzt mit ihm auf Facebook befreundet, was nichts heißt. Er ist mit circa eintausend Leuten auf Facebook befreundet, was mich vermuten lässt, dass er da ein wenig wahllos vorgeht. Ich bin mit 138 befreundet, glaube ich, und ich muss ehrlich zugeben, dass das auch etwa fünfzig mehr sind, als ich zu meiner Hochzeit eingeladen hätte, wenn ich größer gefeiert hätte, mal abgesehen davon, dass in meinem "echten", "lebendigen" Freundeskreis (ich sage nur Waldorf, Buddhisten und so) sehr viele Leute sind, die nie im Leben auf Facebook gehen würden. Die besagte Arbeitskollegin, die eigentlich auch meine Freundin ist jetzt, ist auch nicht auf Facebook. Ich schweife ein wenig ab, aber unerheblich. Sie hat mir, wie schon im Fall vom ehemaligen Bankberater, mal wieder fast unaufgefordert ein Buch von besagtem Jo Lendle (hatte ich erwähnt, dass ich jetzt mit ihm auf Facebook befreundet bin?) Mein letzter Versuch, die Welt zu retten, auf den Schreibtisch gelegt. Die Gerüchteküche besagt, dass es ihm lieber gewesen wäre, sie hätte mir Alles Land hin gelegt, aber das hat sie bereits jemand anderem verliehen und sie weiß nicht mehr wem. Pech, Jo Lendle. Aber wenn mir das mit der Weltrettung gefällt (was ich irgendwie nicht unbedingt erwarte) lese ich noch eins von ihm, irgendwann.

Ganz vorne in der Reihe steht seit kurzem auch Unter dem Tagmond von Keri Hulme. Hat mir ebenfalls ein Freund ausgeliehen. Es ist unglaublich dick und bei dem Tempo, mit dem ich lese, habe ich das Weihnachten noch nicht aus. Also kann ich mir diese ganze blöde Liste eigentlich fast sparen. Vielleicht gebe ich zu der Regel: keine Bücher mehr kaufen noch eine weitere hinzu:: nur noch Bücher mit unter 300 Seiten annehmen, aufschlagen, in Betracht ziehen. Oder ich kündige meinen Job. Dann könnte ich ein Lesepensum von 300 Seiten täglich schaffen und dann könnten wir hier mal richtig ernsthaft reden über dicke Bücher.

Eines der Bücher, die ich in den letzten Wochen verschlungen habe, war Die Erfindung des Lebens von Hanns-Josef Ortheil. Der war übrigens an der Uni Professor, an der meine Arbeitskollegin und Freundin und Jo Lendle studiert haben, Hildesheim. Vielleicht ist er dort sogar noch Professor. Ich bin jetzt zu faul, das zu recherchieren. Jedenfalls ist sein Buch ein Gedicht, ein Volltreffer und kommt vielleicht auf meine Liste bester Bücher 2013, eventuell sogar auf die, die man unbedingt gelesen haben sollte in seinem Leben. Ich werde hier sehr bald eine Besprechung folgen lassen.

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