Direkt zum Hauptbereich

Meine Lieblingsbuchhändlerinnen stellen Ihre aktuellen Lieblingsbücher vor (9)

Die Kreuzberger Buchhändlerinnen Katja Weber und Jessica Ebert stellen in loser Folge hier Bücher vor, die Ihnen gerade gut gefallen oder einfach aufgefallen sind. Sie lesen ständig und wenn der seltene Fall eintritt, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich als nächstes lesen oder aber einer Freundin schenken soll, habe ich bei den beiden noch immer Hilfe gefunden. 

Alle hier genannten Bücher könnt Ihr natürlich in ihrem wunderbaren Buchladen ebertundweber in Kreuzberg kaufen. 
Hatte ich erwähnt, dass es mein Lieblingsbuchladen ist? 



Hey Susanne!

Bücher der letzten Zeit sind!
Navid Kermani: Große Liebe Hanser Verlag
15 Jähriger verliebt sich unsterblich in eine etwas ältere Mitschülerin,
die darf schon in der Raucherecke stehen. Ist autobiographisch denke ich.
Ist halt 80er Jahre, das Mädchen lebt in einer Kommune, lila Latzhosen
laufen rum. Und das Ganze ist die Beschreibung seiner tosenden
Gefühlswelt, aber nicht pathetisch, Gar nicht! Sehr komisch
stellenweise. Er ist wirklich von den Sinnen. Die erste große Liebe,
Gefühle, die in dieser Heftigkeit nur in der Jugend ausbrechen? Sehr
unterhaltsam.

Sasa Stanisic: Vor dem Fest Verlag Luchterhand
Etwas kühlere Geschichte, aber auch ganz liebevoll nah an den
Protagonisten, mit all ihren Problemen; taucht irre gut in die
Vergangenheit des Dorfs in der Uckermark ein,
atmosphärisch ganz dicht, tolle tolle Sprache und Witz, ein bisschen
zerfleddert, aber ich habe es auch sehr bruchstückhaft gelesen.

Dann der Martin Kordic: Wie ich mir das Glück vorstelle
Debutroman bei Hanser Verlag
Ganz eigener Wurf, sprachlich, Kordic findet für die Geschichte des
Jungen, der während des Balkankriegs seine Familie verliert, (aus dessen
Perspektive wird erzählt), genau die Stimmung von Verwirrung und
Orientierungslosigkeit, die ihm halt in einer solchen Situation
widerfährt. Auch eine schöne Freundschaft gehört dazu. Ich finde, das
Buch ist sehr besonderstoll. Weil man wirklich mit den Augen und dem
Herz des Kindes mit dabei ist. Eher trocken erzählt, bei alldem.

Jetzt hätte ich Lust auf Donna Tartt: Der Distelfink, Goldmann Verlag. Viele schwärmen!

Jetzt hab ich es doch geschafft, ein paar stolperige Gedanken zu
formulieren.... ouch.

Schöne Ostern,

bis bald,
Jessica


bis 17.00 uhr bestellt am nächsten morgen da!

mo --fr 9.30 uhr - 19.00 uhr

sa10.00 uhr - 16.00 uhr

buchladenebertundweber

falckensteinstraße44

10997 berlin

  tel. 030-69 56 51 93

www.ebertundweber.de

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Überbitten von Deborah Feldman

"Man könnte sagen, dass ich ein spirituelles Vertrauen in den nicht aufzuhaltenden Elan narrativer Entwicklungen hatte." Überbitten , das neue Buch von Deborah Feldman , handelt von den Jahren, nachdem sie die fundamentalistische, jüdische Gemeinde der chassidischen Satmarer in Williamsburg/New York verlassen hat. Es ist ein sehr persönliches Buch. Sie macht sich darin absolut sichtbar, vielleicht noch mehr, als in Unorhodox , dem Buch, in welchem sie ihr Leben bei den Chassiden und den Entschluss, es zu verlassen, schilderte. (hier nochmal meine Rezension von Unorthodox) Sie baut keinerlei Schutzwall um sich herum. Ihre absolute Ehrlichkeit und Authentizität sind zwei der Gründe, warum dieses Buch so gut ist. Es saugt einen vom ersten Satz an in seinen Bann. Es ist, als würde man mit einer wunderbaren Freundin quatschen, die einen nicht eine Sekunde lang hinters Licht führt. Frei von der Leber weg. Dabei intelligent, tiefsinnig, mit einer Menge Bezügen zu Denkern...

Joachim Meyerhoff - Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

"Großvater: "Wie gehts denn eigentlich Irmgard?" Großmutter: "Wer ist das denn?" Großvater: "Wie bitte?" Großmutter übertrieben laut, als würde sie über einen See rufen : "Wer ist daaaas?" Großvater: "Na, die mit dem schnellen Wagen. Hui." Großmutter: "Hermann, ich bitte dich! Du hast gekleckert!" Großvater: "Ich hab überhaupt nicht gemeckert! Ich hab nur gefragt, wie es dem Irmelchen geht?" Großmutter: "Du hast Wein auf dem Hemd. Tu da Salz drauf!" Großvater: "Wie bitte?" Großmutter vorwurfsvoll mit Handtrichter in seine Richtung brüllend: "Tuuu da Salz drauf!" und dann leise wie für sich: "Wie im Irrenhaus!" Schon bei der Urlaubsplanung war mir klar, dass ich den Meyerhoff mitnehmen würde. Ich mochte sein mittleres Buch Wann wird es endlich wieder so wie es nie war  sehr, auch, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die mich wirklich oft zum Lachen gebrac...

Gedanken zu dem Film Corsage von Marie Kreutzer mit Vicky Krieps

  When she was home, she was a swan When she was out, she was a tiger. aus dem Song: She was von Camille   (s.u.) Ich kenne so viele Frauen, die sich ein Leben lang nicht finden, die gar nicht dazu kommen, nach sich zu suchen, die sich verlieren in den Rollen, die die Welt ihnen abverlangt.  Es gibt so viele Orte, an denen Frauen nicht den Schimmer einer Wahl haben, zu entscheiden, wie sie leben, wer sie sein möchten. Diese Orte werden mehr. Orte, an denen Frauen einmal ein wenig freier waren, gehen uns wieder verloren. Die meisten Frauen leben gefährlich. Gefährlicher als Soldaten in Kriegen.  Aber dennoch hatte ich kein Mitleid mit der Kaiserin, den ganzen Film über nicht ein einziges Mal, weil sie eigentlich nicht als sympathische Person gezeigt wurde. Was ich gut fand. Denn welche Frau kann sich etwas davon kaufen, dass sie bemitleidet wird? Elisabeth ist in diesem Film selbstzentriert, rücksichtslos, narzisstisch. Besessen von ihrem Körper, seinem Gew...