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Portugiesische Schriftsteller....

Es fehlt hier nicht und hat nie gefehlt an Leuten, die behaupten, daß die Dichter wahrlich entbehrlich seien; ich aber frage, was würde aus uns allen werden, wenn die Poesie uns nicht hülfe, begreiflich zu machen, wie wenig klar die Dinge sind, die wir klar nennen. - José Saramago

Jose Saramago ist DER portugiesische Literaturnobelpreisträger. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich vor meiner Reise nach Lissabon noch nie von ihm gehört hatte. Das geht mir allerdings bei vielen Literaturnobelpreisgewinnern so. Ich werde immer geradezu euphorisch, wenn jemand gewinnt, den ich schon gelesen habe, wie im letzten Jahr Alice Munro.
Aber heute war ich im Haus der Saramago Stiftung hier in Lissabon. Man kann dort seine Manuskripte, seine Werke in allen Sprachen und Filme über ihn besichtigen, zum Beispiel, wie er den Literaturnobelpreis entgegen nimmt. Ich war dort, weil eine Lesung stattfand mit José Luis Peixoto, einem der ganz großen und bekannten zeitgenössischen portugiesischen Schriftsteller. Ich möchte wirklich gerne sein Buch Morreste Me lesen, das auf Englisch You Died on me heißt, und offensichtlich nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Er erzählte, dass er es mit 21 Jahren, nach dem Tod seines Vaters geschrieben habe. Es ist ein Buch über Trauer. Leider ist es auch auf Englisch vergriffen und auf Portugiesisch (was ich zunächst lernen müsste, um es lesen zu können, jedoch ernsthaft in Erwägung ziehe) kostet es gebraucht um die 40€. Ich werde hier versuchen, es noch irgendwo in einer Sprache aufzutreiben, die ich halbwegs beherrsche.
Ein anderes Buch heißt The Piano Cemetery. Es klingt spannend. und ich werde es lesen. Peixoto veröffentlicht sehr bald seinen fünften Roman, er hat Gedichtbände veröffentlicht und ein Buch über Nordkorea, wohin er 2012 reiste. Er schrieb dort ein Tagebuch, dessen englische Version ich in einer Zeitschrift gefunden haben Inside the Secret.
Ich kannte Pessoa - natürlich, aber hier wird mir plötzlich die Welt der portugiesischen Literatur über Pessoa hinaus eröffnet. Und diese Welt ist so neu für mich, wie Lissabon selbst, obwohl ich hier schon zweimal war.
Von Saramago möchte ich als erstes Alle Namen lesen. Die anderen Bücher von ihm interessieren mich, ehrlich gesagt, nur peripher. Aber Alle Namen hat mich thematisch sofort angesprochen. Dann gibt es noch Eine Zeit ohne Tod, es könnte ein spannendes Buch sein. Thematisch erinnert es mich an Simone de Beauvoirs Alle Menschen sind sterblich.

Die Saramago Stiftung befindet sich in einem lustigen Haus, das Casa dos Bicos heißt, weil es aussieht, als hätte es Stacheln, die Steinquader in seiner Fassade laufen spitz nach außen zu. Wenige Meter davor steht ein recht unscheinbarer, kleiner Olivenbaum. Unter ihm ist die Asche von José Saramago begraben.
Casa dos Bicos

Der Olivenbaum, unter welchem die Asche
José Saramagos ruht
© Susanne Becker

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