Berlin

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Samstag, 13. Dezember 2014

Pilgrimage von Annie Leibovitz - Ein Bildband


Ich habe mich immer für Photographie interessiert, aber nie in einem technischen Sinne. Ich mochte gute Photos und ich habe mir immer gerne Bildbände angeschaut. Ich mache auch gerne Photos, aber das sind nicht mehr als Schnappschüsse. Denn ich weiß über Kameras nicht mehr, als wo der Auslöser ist.
Ich habe es immer geliebt, mir Photos anzuschauen. Für mich ist Photographie eine der wirklich großen Kunstformen. Denn ein Photo kann in einem kleinen Moment alles festhalten, was ist, die ganze Wahrheit. Photographien fangen das Leben auf eine Weise ein, wie es kaum eine andere Kunstform kann. Der Moment, seine flüchtige Bedeutung, seine Schönheit. Ein gutes Photo ist für mich wie ein gutes Gedicht. Und mit einem guten Photo meine ich nicht unbedingt ein gut bearbeitetes Photo. Mich hat immer am meisten der Blick des Photographen auf die Welt interessiert Der kann auch unbearbeitet wunderbar sein und von berührender Schönheit.

Eines meiner liebsten Photobücher ist Pilgrimage von Annie Leibovitz.
Das Buch wurde ursprünglich geplant von ihr und ihrer Lebensgefährtin Susan Sontag. Sie nannten es das Beauty Book. Sie wollten gemeinsam Orte besuchen, die für sie eine Bedeutung hatten, die außergewöhnlich waren. Auf ihrer gemeinsamen Liste waren der Amazonas und auch die Pyramiden. Es sollte ein Buch werden, das keiner Agenda, keiner Deadline zugrunde lag, sondern allein angetrieben wurde von ihrem Wunsch, diese Orte zu sehen und sich mit ihnen zu verbinden und dies dann zu dokumentieren. Annie Leibovitz wollte gerne noch einmal Photos machen, wenn sie sie sah, und nicht, wenn sie dazu einen Auftrag hatte. Das Beauty Book sollte also auch ein Ausdruck von künstlerischer Freiheit werden. Dann starb Susan Sontag an Leukämie und im gleichen Jahr verlor Annie Leibovitz ihren Vater und geriet in eine nicht unerhebliche finanzielle Krise. Den Sommer dieses unglücklichen und belasteten Jahres verbrachte sie in Upstate New York mit ihren Kindern. Unter anderem hatten sie einen Ausflug zu den Niagara Fällen geplant. Als sie dort waren, nahm Annie Leibovitz eher zufällig das Bild auf, das dann zum Coverphoto wurde. Sie beschloss ihre eigene Pilgerreise anzutreten, ihr eigenes Beauty Book zu machen, und eine Liste von Orten entstand, zu denen sie reisen und wo sie photographieren wollte. Auch, um über den Verlust hinweg zu kommen, um sich selbst zu nähren und wieder eine Bedeutung für ihr Leben zu finden, und natürlich in Erinnerung an Susan Sontag. Die Ziele, sagt sie selbst, sind nicht so glamourös wie jene auf der gemeinsam entstandenen Liste. Ich kann ihr da nicht zustimmen. Denn eigentlich ausnahmslos finde ich alle von ihr gewählten Orte unglaublich faszinierend, wenn auch manchmal exzentrisch (Graceland!!)
Es war eine Liste von Orten und Menschen, in die einzutauchen ihr Heilung bringen würde. Georgia O'Keeffe, Virginia Wolf, Ansel Adams, Emily Dickinson, Luisa May Alcott, Elvis Presley...
Georgia O'Keeffes Kreiden
Graceland
Leibovitz besuchte deren Orte, Häuser und photographierte das Innere der Häuser, die Gärten, kleine Details in den Regalen oder an ausgestellten Kleidungsstücken (viele der Orte sind heute Museen), aber auch Landschaften. Sie schafft es, so finde ich, oft das Wesen einzufangen, sowohl der Personen, als auch der Orte, und nicht zuletzt ihrer eigenen Pilgerreise. Wenn ich das Buch durch blättere, werfen mich viele der Bilder auf mich selbst zurück. Unvermittelt entsteht eine Liste von Orten, zu denen ich gerne reisen würde. Natürlich würde ich dort schreiben wollen, aber selbstredend würde ich auch Photos machen. Schiefe, unterbelichtete, unscharfe Schnappschüsse.
Einige der Orte in dem Buch habe ich bereits selbst besucht (z.B. Graceland!!)  und kann die Magie (Georgia O'Keeffes Zuhause in New Mexico) vollkommen nachvollziehen, die anderen möchte ich fast alle besuchen. Das Buch ist in so vieler Hinsicht anregend. Als ich es im Regal meiner Lieblingsbuchhändlerinnen sah, wusste ich sofort, dass ich es haben möchte. Ich mag Leibovitz' Erzählungen, ihre Photos, die Plätze, die sie ausgewählt hat und ich mag die allem zugrunde liegende Idee von der Freiheit, sich von seiner Intuition leiten zu lassen, von Platz zu Platz zu treiben, und dort das zu tun, was ansteht, anstatt einem vorgefertigten Plan zu folgen. Freiheit Intuition Kreativität - Pilgrimage!
Emerson's Schlafzimmerfenster
Vanessa Bells Haus
the Great Chalk Cliffs
Ein tolles Weihnachtsgeschenk übrigens!

Andere Bücher von ihr sind unter anderem: Women (in Zusammenarbeit mit Susan Sontag), A Photographer's Life 1990 - 2005 und Annie Leibovitz at Work


 © Susanne Becker





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