Berlin

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Samstag, 7. September 2013

Die nächsten Bücher, die ich lesen werde

Der Sommer war für mich gut, weil ich es geschafft habe, fast alle Bücher, die ich lesen wollte, auch tatsächlich zu lesen. Kurze Zeit schien sich das Regal neben meinem Bett sogar zu leeren, ich bemerkte einen Anflug von innerer Panik, weil statt fünfzig nur noch ungefähr achtunddreissig Bücher darauf in säuberlichen Stapeln verteilt lagen. Ich fürchtete schon, mir noch einmal Bücher kaufen zu müssen, was ich mir ja seit mehreren Monaten relativ konsequent untersage (o.k. ich hatte einen Einbruch, ich habe mir drei Bücher gekauft) Aber wie es so ist, war die Panik unbegründet und überflüssig. Denn es stapeln sich dort gerade wieder mehr Bücher denn je. Aus allen Richtungen kamen sie mir entgegen geflogen (jaha, drei habe ich mir gekauft, aber die anderen, die anderen kamen sozusagen geflogen) und ich lese und lese und lese....

Gerade aktuell Monika Zeiners Die Ordnung der Sterne über Como. Es ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Es würde mich wundern, wenn es auf die Shortlist käme, ehrlich. Also, ich lese es ganz gerne, aber es haut mich nicht vom Stuhl, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf. Thema: eine Dreiecksgeschichte. Wie viel Liebe verträgt eine Freundschaft? steht auf dem eingelegten Lesezeichen. Das ist natürlich eine interessante Frage. Über die kann jeder mal nachdenken und ich tue es gerne. Die Charaktere sind auch interessant genug. Die Geschichte entwickelt sich mit einer Spannung, die mich in jedem Fall dazu bewegt, weiter zu lesen und die Sprache ist ungewöhnlich. Sie gefällt mir. Was also stört mich? Ich bin erst auf Seite 250, aber bislang hat mich die Autorin schon mehrfach verloren, so ab Seite 100, wegen zugegebenermaßen Kleinigkeiten: ein sprachlicher Ausrutscher, eine unnötige Wiederholung in der Handlung, solche Lappalien halt. Keine Ahnung, warum sie mich stören. Ich bin sonst nicht unbedingt so kleinlich. Aber das Buch ist ambitioniert, es fängt ganz groß an, wenn es dann anfängt, zu schleifen, schon nach 100 Seiten, stört mich das. Aber ich habe noch 350 Seiten vor mir. Sie hat also noch alle Zeit der Welt, mich einzufangen. Ich werde mich erst zum Schluss entscheiden, ob ich es nun mochte oder nicht.
Eine meiner Lieblingsbuchhändlerinnen empfahl das Buch übrigens in meinem Blog, dadurch fiel es mir auf. (Ich habs mir gekauft, aber woher bitteschön hätte ich es auch sonst kriegen sollen?!)

Ich lese ein Buch, das mir ein Freund in die Hand drückte. Ein Buch, um das ich seit Jahren einen Bogen mache, weil ich nicht wusste, ob ich es lesen soll/will, ob ich meinen Ruf zerstöre, wenn ich es öffentlich lese. Gespräche mit Seth von Jane Roberts. Ich lese oft Bücher über Spiritualität, Buddhismus, es sind für mich im Grunde Landkarten, mit denen ich versuche, mich im Gewirr der inneren Landschaft des Menschseins zurecht zu finden, die Möglichkeiten auszuloten, die uns tatsächlich gegeben sind. Immerhin habe ich Philosophie studiert. Mich haben die großen Fragen nach dem Sinn und den Möglichkeiten des Lebens, des menschlichen Lebens, schon immer interessiert. Wie weit kann man denken? Wie weit kann man gehen? Wie weit kann man sein Herz öffnen?
Das Buch Gespräche mit Seth, ehrlich gesagt dachte ich immer, es sei nicht auf meinem Niveau. Da aber der Freund, der es mir gab, ein sehr kluger Mensch ist, lese ich es. Ich bin erst auf Seite 50 und die deutsche Übersetzung nervt mich ein wenig. Auch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich daran glauben kann, dass ein Geist kommt, um einer Frau ein Buch zu diktieren. Auf der anderen Seite halte ich so ziemlich alles für möglich und bin der Überzeugung, dass die Realität, in der wir uns gemeinhin einrichten, nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was uns zur Verfügung stehen könnte. Ich lese also in jedem Fall weiter, weil ich das Gefühl habe, dieses Buch könnte mir darüber nähere Auskünfte geben.

Schon seit Weihnachten liegt bei mir A.L.Kennedys Das Blaue Buch. Angezogen hat mich schon damals der Satz "Für die Realität sind sie verloren, doch die hohe Kunst der unmöglichen Liebe beherrschen sie perfekt." Gute Bücher über Liebe interessieren mich immer.

Das neue Buch von Terézia Mora ist raus Das Ungeheuer. Es ist ebenfalls auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und ich denke, wenn es an die anderen Bücher von ihr heranreicht, dann kommt es auch auf die Shortlist (wird übrigens am 11. September bekannt gegeben). Es ist thematisch und vom Personal her der Nachfolger von Der einzige Mann auf dem Kontinent. Ich möchte beide Bücher lesen. In der richtigen Reihenfolge: also erst der einzige Mann und dann das Ungeheuer.

Ab und zu liebe ich es, so richtige Schmöker, wie Ken Follets Die Säulen der Erde zu lesen. Jetzt habe ich von einer Freundin sein Fall of Giants bekommen. Es hat schlappe 941 Seiten, so dass ich bei meinem Lesetempo, es sei denn, ich kündige doch noch meinen Job und werde hauptberuflich Leserin, damit rechne, etwa gegen Ostern fertig zu sein. Aber ich kann es dennoch kaum erwarten, fünf Familien aus verschiedenen Ländern durch die Wirren des ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution zu folgen. Erinnert mich ein wenig an Gone to Soldiers von Marge Piercy, in welchem man verschiedenen Charakteren aus verschiedenen Ländern durch die Wirren von zweitem Weltkrieg und Holocaust folgt. Es ist eines meiner Lieblingsbücher.

Wild von Cheryl Strayed hat mir eine Freundin hier gelassen. Es handelt von einer jungen Frau, die alleine den Pacific Crest Trail läuft, ohne Erfahrung, ohne Training, drei Monate lang. Klingt, als wäre sie verrückt, war sie vielleicht auch, aber sie hat es geschafft und daraus ein Buch gemacht. Ich liebe verrückte Menschen, die sich trauen, unmögliche Dinge zu tun, und wenn sie es dann noch schaffen, darüber unterhaltsame und gute Bücher zu schreiben, dann bin ich dabei. Ich nehme an, es könnte so in die Richtung von Eat, Pray, Love gehen. Ob es wirklich so gut und unterhaltsam ist wie dieses, das ich, ehrlich gesagt, verschlungen habe, werden wir sehen.

Euch ein schönes Wochenende (ich werde übrigens lesen, aber auch ins Prinzenbad gehen, wo man ja auch lesen kann) und viel Spaß beim lesen!

© Susanne Becker

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