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Neue Bücher, die ich spannend finde

Im Büro liegt bei uns immer Die Zeit herum und am vergangenen Donnerstag hatte sie die wunderbare Literaturbeilage anlässlich der Leipziger Buchmesse. Eigentlich müsste ich sehr sehr langweilige Papiere für eine sehr sehr langweilige aber wichtige Prüfung vorbereiten. Ich tue das auch! Keine Sorge! Aber wenn ich vor Langeweile kaum noch sitzen kann, schnappe ich mir gerne die Literaturbeilage und blättere darin. Das inspiriert mich, auch beim Verfassen langweiliger Papiere. Die Prüferin meinte beim letzten Mal, warum ich nicht einfach Tabellen anlege mit kurzen, knappen Punkten, und anstatt dessen quas Prosa verfasse (was ihr natürlich sehr viel mehr Arbeit macht, sie muss meine Ergüsse ja alle lesen).
Ich fand auf meinen Abwegen um die Vorbereitung der Prüfung herum (man nennt so etwas in Fachkreisen, glaube ich, Prokrastination) in übersichtlicher Weise folgende Bücher entweder besprochen oder beworben, die mich alle interessieren. Naja, im Grunde können sie mich interessieren, bis sie schimmeln, denn ich habe noch eine Auswahl ungelesener Bücher neben meinem Bett liegen (? ist das in dem Fall der richtige Ausdruck? das klingt, als müsste ich über wellenartig bis an meinen Bettrand schwappende Büchermassen steigen, um mir morgens in der Küche meinen überlebenswichtigen Kaffee zu kochen, aber nein, so ist es nicht, türmen, hochhausieren, stapeln, in übersichtlicher Weise aufgereiht stehend - das alles trifft es eher), die umfangreich genug ist, um mich, sagen wir, bis zum Sommer 2015 ununterbrochen beschäftigt zu halten (wenn alles gut läuft, also ich meinen Job verliere, eine Haushaltshilfe einstelle und die Kinder einfach aufhören, mich anzusprechen). Dennoch: man kann sich ja umsehen. Das ist nicht verboten, oder? Und vielleicht kommt der ein oder die andere unter Euch durch meine kleine, absichtslos dahin geschriebene Liste auch auf eine gute Idee!

Literatur überprüfen mit Lilly,
die mich nicht mehr anspricht, damit ich lesen kann
  • Toni Morrison, Heimkehr Ich habe noch nie ein Buch von ihr gelesen. Als ich das große Interview mit ihr las, das gleich den Anfang in der Literatur Zeit macht, berührte mich diese Tatsache seltsam, fast, als wäre es eine Art Vergehen, literarisch gesehen. Es ist ja auch irgendwie unmöglich, durch ein Leseleben zu kommen, und Toni Morrison dabei praktisch zu ignorieren. Allerdings ist es im Grunde weit schlimmer: ich habe sie nicht ignoriert, sondern durchaus mal angeblättert, mehrfach, und mich jedesmal nicht so angesprochen gefühlt, dass ich weiter gelesen hätte. Schlichtweg nicht verstanden habe ich sie sogar. Ich war noch jung, das sei zu meiner Verteidigung gesagt. Deshalb denke ich, ich sollte, ich will es noch einmal versuchen. Ein wenig fürchte ich mich davor, wieder zu scheitern. Geht es noch jemandem so, dass er sich von ihr eingeschüchtert fühlt? Ich hatte sogar den Eindruck, dem Interviewer der Zeit, beileibe kein total unbeleckter Volontär, ging es so. Wobei er aber alles gelesen und verstanden zu haben schien.
  • Nadifa Mohamed, Der Garten der verlorenen Seelen Drei Frauenschicksale, miteinander verknüpft in einem Bürgerkrieg, in Somalia, Flüchtlingslager....Diese Schlagworte reichen, um zu erklären, warum ich mich für dieses Buch interessiere. Wobei die Tatsache der drei miteinander verstrickten Frauenschicksale in einem Krieg, das Ermöglichen des Überlebens durch Frauennetzwerke in eigentlich unmenschlichen Situationen, der Hauptmagnet für mich ist. Ich denke, eine ähnliche Geschichte könnte auch in Syrien, im Sudan, seinerzeit in Jugoslawien und an unzähligen anderen ORten heute oder früher angesiedelt sein - sie spielt leider ständig irgendwo auf dieser Welt. 
  • Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten Auch hier sind es zunächst Schlagworte, die mich anziehen wie ein Magnet: Mehrgenerationenroman (finde ich immer gut), Immigration nach Amerika auch (wollte ich seinerzeit selbst am liebsten tun) und nicht zuletzt ist es in diesem Fall auch der Autor, Jonathan Lethem, ich wollte schon immer etwas von ihm lesen.
  • Katja Petrowskaja, Vielleicht Esther In diesem Fall interessiert mich die ganze Geschichte und ich finde die Autorin unglaublich sympathisch. Sie ziert die Titelseite der Literaturbeilage und ich habe das Gefühl, sie am liebsten ansprechen zu wollen, wie sie da so lachend an einem Brückengeländer in Mitte lehnt. Keine Literatur (sagt die Autorin selbst!), eine unabgeschlossene Familiengeschichte, die Ukraine, der Holocaust .. auch hier reichen letztlich die Schlagwörter, um einen anzusaugen und nicht mehr loszulassen. Ich bin sehr gespannt auf dieses Buch. 
  • Max Frisch, Aus dem Berliner Journal Nun ja, Max Frisch, er war immer einer meiner Lieblingsschriftsteller. Ich glaube, ich habe fast alles von ihm gelesen. Ich habe mein Taschengeld zum Buchladen am Markt getragen, schon als Siebzehnjährige, und habe mir Bücher von Frisch gekauft. Ich habe manchmal den ganzen Nachmittag und die halbe Nacht einfach gelesen. Lesen war meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Dass nun noch einmal etwas neues, etwas von ihm selbst, wegen all dem Privaten darin, für zwanzig Jahre gesperrtes, auftaucht, das interessiert mich schon sehr. 
  • Yasmina Reza, Glücklich die Glücklichen hört sich an wie ein Buch, das ich gut im Urlaub lesen könnte, oder wenn ich demnächst mit meiner Tante und Cousine ein Wochenende irgendwo in einem niedersächsischen Wellnesshotel verbringe. Das Thema ist die Liebe, Beziehungen, Paarleben und wenn es von dieser Autorin verfasst ist, kann es nur gut sein.
  • Michail Ryklin, Buch über Anna Der Autor schreibt über den Tod seiner Frau Anna Altschuk, die, drei Wochen, nachdem sie die gemeinsame Wohnung "zum einkaufen" verlassen hatte, tot aus der Spree geborgen wurde. Es gab damals sowohl  Mord- als auch Selbstmordtheorien. Ryklin versucht, die Wahrheit aufgrund der Tagebücher seiner Frau aber auch der Polizeiberichte, heraus zu finden und ist am Ende der Überzeugung, dass es Selbstmord war. 
© Susanne Becker

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