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Prinzessinnengärten bleiben wo sie sind

Es gibt Orte mitten in der Stadt, die sind wie ein eigener Kontinent der Seligen, eine kleine Welt, die groß strahlt und ihre ungewöhnlichen Regeln und Gepflogenheiten in ihre ansonsten so ganz andere Umgebung ausströmen. In Berlin gibt es davon nicht wenige, die Stadt ist groß und unbeachtete Ecken laden immer wieder Menschen dazu ein, solche Oasen zu gründen. In der Regel werden sie nach ein paar erfolgreichen, charismatischen Jahren geschlossen, weil die Plätze auf denen sie sich befinden, nicht zuletzt wegen ihrer phantastischen Zwischennutzer, so wertvoll wurden, es vielleicht auch immer schon waren, weil sie sich zum Beispiel dem neuen Aufbauhaus gegenüber befinden, oder an der berühmten, zentral gelegenen Oranienburger Straße, dass man durch deren Verkauf eine Menge Kohle machen kann. Kohle ist etwas, das kann Berlin wirklich immer gebrauchen. Und einen neuen verglasten Bürokomplex, ich meine, so als Hauptstadt, man sollte davon effektiv nicht zu wenige haben, die kann man immer bauen und wenn sie leer stehen, Schwamm drüber. Irgendwer hat damit bestimmt trotzdem Geld verdient. 

In diesem Jahr habe ich, Spätzünder wie immer, endlich auch einen solchen Ort am Moritzplatz in Kreuzberg gefunden, im Grunde eine hippe Hütte für den ganzen Kiez, ein Ort der Inspiration, der Kreativität, der Freiheit, eine Oase der Friedlichen und Wilden, der Pflanzen- und Bienenliebhaber, der Gärtner und Künstler, Ökos, Individualisten, Kinder und Ruhegenießer, geöffnet für jeden, mit herrlichem Café, leckerem Mittagstisch, Hängematten. Grasbank undundund. Wenn man vom eher unattraktiven Moritzplatz durch das Tor die Gärten betritt, ist man sofort in einer anderen Welt. Mir ging es jedesmal so, dass ich auf der Stelle abschalten konnte und mich fühlte, als sei ich in meinem eigenen Garten in der Uckermark. Ich glaube, das ging allen so, denn ich sah jedesmal glückliche Menschen, die herum saßen, verträumt die Beete betrachteten, flanierten, lasen, in der Hängematte lagen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kam, diese Gärten zu schließen, und an ihre Stelle ein schickes Bürohaus zu setzen. Aber die Gärten und ihre Freunde haben gekämpft und es hat sich einmal gelohnt. Nach einigem Hin und Her, Bangen und Hoffen, steht jetzt fest, dass die wunderbaren Prinzessinnengärten  bleiben können wo sie sind, und dass der Ort dem Kiez zurück gegeben wird, anstatt als Maklerware auf dem Immobilienmarkt verhökert zu werden. 
Ich freue mich und werde viele viele Stunden dort verbringen, immer dann, wenn es mir zu weit ist, in meine eigene hippe Hütte zu fahren.
Sollte die Welt morgen nicht untergehen, wünsche ich mir, dass sie sich doch verändert, und dass es ab morgen immer mehr und mehr Orte wie die Prinzessinnengärten geben möge. Ich wünsche mir, dass diese Orte sich wie eine Epidemie über die Welt ausbreiten und sie zu einem friedlichen, bunten, verrückten Ort machen!

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