Berlin

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Dienstag, 13. November 2012

Tilman Rammstedt

 Tilman Rammstedt, Der Kaiser von China Ich gehe demnächst zu einer Lesung mit ihm. Mhm, ich habe gewisse Zweifel. Gerade. Also, nachdem ich dieses Video gesehen habe. O.k., er liest aus einem anderen Buch Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters. Er wird also zumindest sicher nicht mit Stäbchen rumhantieren und Chinesisch sprechen....hoffe ich. 

Ich habe Der Kaiser von China nämlich gelesen und mir total viel davon erwartet. Ich hatte Tilman Rammstedt auf der Lesung einer Freundin ( Svenja Leiber, Schipino) von mir gesehen. Sie las aus Schipino,  einem meiner absoluten Lieblingsbücher 2011 und das war richtig gut! Da stand Tilman Rammstedt, mit einem Glas Whiskey bewaffnet, total cool herum, manchmal lehnte er sich auch lässig an die rote Stofftapete und ich sah ihn und dachte: Cool, der sieht aus wie einer, der gute Bücher schreibt. Ich hatte, Asche auf mein Haupt, keine Ahnung, wer Tilman Rammstedt war. Ich lese ja immer solche deprimierenden Sachen wie Tolstoi oder Anne Sexton, sogar Max Frisch kann man mir noch unterschieben und jederzeit Ingeborg Bachmann, Aber eine andere Freundin sagte: "Mensch, das ist Tilman Rammstedt, der hat den Bachmann Preis mal gewonnen." Das ist klar, dass ich daraufhin sofort aufmerkte. Wenn eins klar ist, dann das. Immerhin hatte er den Bachmann Preis mit diesem Buch gewonnen, fand ich noch in der Nacht dank Google heraus. Ich musste es also besorgen und lesen.  O.k., es war auch total amüsant und ich habe hier und da geschmunzelt. Aber in Wahrheit habe ich mich die ganze Zeit gefragt: "Waaaaaaaas? Mit sowas gewinnt man den Bachmann Preis? HEUTZUTAGE! Ich meine, wir reden hier vom Bachmann Preis, der nach meiner absoluten Oberlieblingsschriftstellerin in all meinen Jugendjahren und irgendwie bis heute Ingeborg Bachmann benannt ist!!!  Ich war voll geschockt. Ich dachte, ganz ehrlich, dass sie sich 1. im Grab umdreht und 2. dass ich jetzt sofort ein Buch schreibe und den Bachmann Preis gewinne. Also, dass er mir einfach verdammt nochmal zusteht. Ich schreibe, seitdem ich zwölf bin. Da kann man wohl doch auch mal so einen Bachmann Preis gewinnen. Naja, ich hatte zwar keinen Whiskey getrunken, mag ich nicht, aber zwei, drei Gläser Wein, das reichte mir, um mich in eine Art Selbstgespräch zu verstricken, nächtlich, in Kreuzberg, das letztlich nirgendwo hin führte. Ich hatte ja nichts veröffentlicht. Ich war nicht so offensichtlich prädestiniert für den Bachmann Preis. Aber Svenja, die wars. Die hatte veröffentlicht und schrieb gut, richtig gut. Da würde Ingeborg sich auch darüber freuen, wenn Svenja den gewänne. Und ich auch.

Komischerweise mag ich Tilman Rammstedt jetzt aber trotzdem. Er ist witzig. Aber ist es eine ganze Lesung wert?
Ja, vielleicht schon. Obwohl ich jetzt bezweifle, dass er seine Band mitbringt. Fön, Wellness Aber lustig wird es werden. Ich lach jetzt schon. Ehrlich. Aber dafür den Bachmann Preis? Naja, vielleicht doch, weil er Charisma hat.  Das war mir schon klar, als er mit dem Whiskeyglas an der roten Stofftapete der russischen Kneipe lehnte. Und da hatte mein Freundin noch nicht erwähnt, wer er war.

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